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Mit Schiedsrichter Webb war niemand zufrieden © APA (epa)

Mark van Bommel schaute bitterböse, Bert van Marwijk hob drohend den Zeigefinger und Wesley Sneijder sprach von einer "Schande

Mark van Bommel schaute bitterböse, Bert van Marwijk hob drohend den Zeigefinger und Wesley Sneijder sprach von einer "Schande für den Fußball". Nach dem WM-Turnier mit den schlimmsten Schiedsrichter-Fehlern der Geschichte ging die hitzige Referee-Debatte auch nach dem Endspiel weiter, und Konsequenzen durch die FIFA scheinen unumgänglich.

Die niederländische Presse jedenfalls hatten ihren Buhmann nach der Niederlage im Finale gegen Spanien schnell gefunden: Für Sergeant Howard Webb verhängte sie die Höchststrafe. "Oranje fühlt sich bestohlen", schrieb das "Allgemeen Dagblad".

Der getadelte Schiedsrichter stand nach dem Abpfiff niedergeschlagen im Mittelkreis des Soccer City Stadiums von Johannesburg. Im Fußball-Spiel seines Lebens hatte der Polizist aus Yorkshire viel zu viele falsche Entscheidungen gefällt. Zwölf gelbe Karten und eine Gelb-Rote waren Rekord für ein WM-Finale - und ein Bärendienst an seiner ohnehin schon viel gescholtenen Zunft. Dabei war das Problem gar nicht die Webb'sche Kartenflut, sondern die falsche Farbe des Kartons. Der Engländer agierte sogar zu milde.

Ausschlüsse gegen van Bommel und Kung-Fu-Treter Nigel de Jong wären schon in der ersten Hälfte zwingend gewesen und hätten das rüde Spiel vielleicht noch gerade rechtzeitig beruhigt. Paradoxerweise maulten dann die harten Holländer über Webb. Kurz vor dem Tor durch Andres Iniesta verweigerte der 38-Jährige ihnen einen klaren Eckball, ein angebliches Foul an Eljero Elia blieb ungeahndet.

Oranje kochte vor Fußball-Wut. "Das hätte sogar ein Blinder gesehen", ereiferte sich Torwart Maarten Stekelenburg, der gegen den goldenen Schuss von Andres Iniesta in der 116. Minuten chancenlos gewesen war. Trainer van Marwijk war um Fassung bemüht, äußerte aber einen schlimmen Generalverdacht: "Der Mann war auf Spaniens Seite." Die Niederlande hatten ihren Buhmann gefunden, einige ganz schwer Enttäuschte sprachen sogar vom "Webb der Depp".

Die englische Presse, selten um drollige Vergleiche verlegen, versuchte ihren Landsmann gnädig zu behandeln. Aber: Im Polizeieinsatz in Yorkshire hätte Sergeant Webb die Niederländer nicht so leicht davon kommen lassen dürfen, sondern wegen versuchter Körperverletzung festnehmen müssen, bilanzierte der "Daily Telegraph" treffend. Das "Algemeen Dagblad" nannte Webb schlicht und einfach eine "Schlafmütze".

Pfiffe der Fans bei der Ehrung nach dem Spiel gegen den Referees sind schon obligatorisch, doch so laut wie gegen den Webb waren sie selten. In der Enttäuschung der Fans kulminierte sich auch der Ärger über die schwachen und uneinheitlichen Leistungen der Unparteiischen in Südafrika in zu vielen der 64 WM-Spiele. Die FIFA wird an einer Debatte über eine grundlegende Reform des Schiedsrichter-Wesens nur schwer vorbeikommen.

Der "Tordiebstahl" von Bloemfontein, der England eines Treffers gegen Deutschland beraubte, und das klare Abseitstor von Argentiniens Carlos Tevez gegen Mexiko waren im Achtelfinale die Gipfel der krassen Fehlentscheidungen in Südafrika. Nach zweitägiger Schockstarre erlaubte FIFA-Chef Joseph Blatter eine Wiederaufnahme der Diskussion über technische Hilfsmittel. Ironischerweise lieferte der zu milde Webb nun Wasser auf die Mühlen der Traditionalisten, die sich gegen jede Technologie im Fußball wehren. Denn Video-Beweis und Chip-Ball hätten das WM-Finale auch nicht fairer gemacht.

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