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Wie Sneijder fühlten sich Millionen Niederländer © APA (epa)

Bestürzung, Tränen, Fassungslosigkeit: In der 116. Minute hat der unhaltbare Torschuss des Spaniers Andres Iniesta auf

Bestürzung, Tränen, Fassungslosigkeit: In der 116. Minute hat der unhaltbare Torschuss des Spaniers Andres Iniesta auf niederländischen Fan-Meilen die Stimmung auf den Nullpunkt gebracht. Allzu lange dürfte die Erschütterung der Niederländer über ihre dritte Niederlage in einem WM-Finale allerdings nicht anhalten. Königin Beatrix wird die Oranje-Elf am Dienstag zu einer Ehrung empfangen.

Zum dritten Mal sind die Niederlande nun Vizeweltmeister - das wurde zwar durchaus noch ein wenig gefeiert, aber deutlich verhaltener als noch vor kurzem der Sieg im Halbfinale gegen Uruguay. Von Groningen im Norden über Amsterdam, Den Haag und Rotterdam bis Maastricht im Süden schien - trotz einiger Autokorsos und Oranje-Gesänge - die Enttäuschung darüber zu überwiegen, dass es die "Elftal" wieder nicht bis aufs oberste Treppchen geschafft hatte.

Ausgelassener jubelten zahlreiche spanischen Fans. Unter anderem im Restaurant "Pata Negra" in Amsterdam feierten sie laut singend den Sieg - und stießen auch auf das Tintenfisch-Orakel Paul in Deutschland an, der den Triumph der Spanier korrekt vorhergesagt hatte. Was man von den Niederländern auf dem Spielfeld nicht immer erlebte, erwiesen in Amsterdam einige Oranje-Fans den feiernden Spaniern - sportliche Fairness. Vor dem "Pata Negra" verbeugte sich ein als orangener Löwe verkleideter Mann und rief: "Ihr wart die Besseren!".

Viele niederländische Fans trösteten sich damit, dass ihr Team immerhin zum ersten Mal nach 32 Jahren wieder in einem WM-Finale gekämpft und nur knapp verloren hatte. Unweit der größten Fan-Meile des Landes - am Museumsplein in Amsterdam - mit mehr als 100.000 Menschen gingen ein paar Feuerwerkskörper hoch. Hier und da wurden noch orangene Vuvuzelas geblasen, von denen so manche vorher noch als Biertrichter verwendet worden waren. Aber das war dann auch schon fast alles an Freudenäußerungen über den Vize-Weltmeistertitel.

Nahezu untröstlich war die Stimmung in Meerssen, dem Heimatort von Oranje-Trainer Bert van Marwijk. Rund 2.000 Einwohner der Gemeinde im Süden des Landes hatten das Finale auf dem Marktplatz auf einer Videowand verfolgt. Gleich nach dem Abpfiff löste sich die Menge auf. "Wir haben nichts zu feiern", sagte ein Gast in Van Marwijks Stammlokal "Cafe de Keizer".

Dennoch gingen Kommentatoren davon aus, dass die Niederländer sich rasch von dem Schock, wieder kein WM-Gold erreicht zu haben, erholen und zu ihrem Oranje-Team stehen würden: Immerhin ging Königin Beatrix mit gutem Beispiel voran - und bügelte damit den etwas desolaten Eindruck aus, den ihr Sohn Kronprinz Willem-Alexander vor laufenden Fernsehkameras auf der Tribüne des Stadions Soccer City in Südafrika gemacht hatte.

Am Dienstag werden Van Marwijk und sein Oranje-Team in Amsterdam zur öffentlichen Huldigungsfeier erwartet. Kurz vorher empfängt sie am selben Tag die Königin. Bis dahin dürften alle Fan-Tränen getrocknet und der Kummer darüber überwunden sein, dass sich das Oranje-Team als eine Art "ewiger WM-Zweiter" erweist. Trotz der Niederlage werden in Amsterdam Zehntausende Fans erwartet. Der große Bootskorso über Amsterdams Grachten, des es nur im Falle des WM-Titel gegeben hätte, wird nun doch über die Bühne gehen. (Schluss) wn/haz

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