vergrößernverkleinern
Blatter vergab neun von zehn möglichen Punkten © APA (epa)

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat den Organisatoren der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden am Tag nach

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat den Organisatoren der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden am Tag nach dem Finale ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt. "Perfektion existiert nirgendwo. Ich würde neun von zehn Punkten geben und damit bekommt man an der Universität ein Summa cum laude", sagte Blatter bei einer Pressekonferenz am Montag in Johannesburg zum Abschluss der WM.

Nach der Generalprobe Confederations Cup im Vorjahr hatte Blatter noch eine 7,5 verteilt und die Südafrikaner ein wenig brüskiert. Am Tag nach dem Finale waren nun alle glücklich. Blatter dankte ausdrücklich den Menschen in Südafrika für die herzliche Aufnahme der Fußball-Welt. "Ihnen gebührt ein großes Kompliment. Wir haben eine wundervolle Gastfreundschaft erlebt", sagte der 74-Jährige. "Wir sind zufrieden und ein bisschen mehr als nur ein bisschen glücklich."

Das Risiko, Südafrika als WM-Ausrichter zu vertrauen, hat sich für den Schweizer gelohnt. Er geht durch den Organisationserfolg gestärkt ins Jahr der nächsten Präsidentenwahl 2011. Auch finanziell ist die FIFA mit Einnahmen von über drei Milliarden Dollar ein Gewinner.

Ob es auch für Südafrika ein finanzieller Erfolg ist, darüber lässt sich streiten. Die Regierung hofft, dass die rund 40 Milliarden Rand (4,18 Mrd. Euro), die in Infrastruktur und Stadien investiert wurden, auch gut angelegt sind. Das sportliche Großevent soll ein Katalysator für die wirtschaftliche Entwicklung sein, nachdem die Organisation der WM entgegen früherer Befürchtungen reibungslos funktioniert hat und sich Südafrika als begeisterter und perfekter Gastgeber präsentiert hat. "Der größte Gewinner ist mit Abstand Südafrikas Image", meinte etwa Afrika-Expertin Anne Fruhauf.

Südafrika hat auch Geschmack als Gastgeber gefunden. Überlegungen für eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2020 sind laut geworden. "Ich sehe keinen Grund, warum wir uns in Zukunft nicht als Gastgeber um Olympische Spiele bewerben sollten", sagte in der Vorwoche Präsident Jacob Zuma. Rückenwind erhielt er durch ein Statement von IOC-Präsident Jacques Rogge. "Nach sehr erfolgreichen Rugby- und Cricket-Weltmeisterschaften hat Südafrika nun eine große Leistung mit einem großartigen Ergebnis vollbracht. Die ganz Familie des Sports ist glücklich", sagte der Belgier.

Auch FIFA-Präsident und IOC-Exekutivmitglied Blatter hatte sich dafür ausgesprochen und seine Unterstützung zugesagt. Durban gilt als möglicher Bewerber. In der Metropole am Indischen Ozean findet 2011 die 123. IOC-Session mit der Vergabe der Winterspiele 2018 statt. An entsprechenden Stadien besteht nun kein Mangel, allerdings gibt es gerade da Kritik. Fünf der zehn Stadien sind brandneu, das Finalstadion Soccer City in Johannesburg wurde komplett renoviert. 1,88 Mrd. Euro soll Südafrika dafür ausgegeben haben, Kritiker meinen, das Geld wäre für die Bekämpfung der Armut besser investiert gewesen.

Noch dazu, wo die Nachnutzung in einigen Standorten ungeklärt ist. Die Arenen in den großen Städten Johannesburg, Kapstadt und Durban haben eine gute Chance, profitabel zu sein. Nelspruit oder Polokwane dagegen haben weder eine Fußball- noch eine Rugbymannschaft, die das Stadion füllen könnten.

Allerdings geben sie Südafrika auch ein neues, modernes Gesicht. "Mit all den negativen Dingen, die in Afrika passieren, ist das ein super Moment für uns. Wenn es weiße Elefanten werden sollten, dann soll es so sein", meinte etwa Nobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel