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Neuzugang Stankovic startet auf der rechten Seite © APA (Hochmuth)

Der FK Austria Wien, Österreichs einziger Fußball-Verein, der seit 2002 stets im Europacup mit von der Partie ist, startet zu

Der FK Austria Wien, Österreichs einziger Fußball-Verein, der seit 2002 stets im Europacup mit von der Partie ist, startet zu seinem Weg in die angestrebte Gruppenphase der Europa League mit einem Handicap. Im Hinspiel zur zweiten Runde in der Qualifikation am Donnerstag gegen den Vizemeister aus Bosnien-Herzegowina, NK Siroki Brijeg, bleibt das Horr-Stadion leer.

Die Violetten müssen damit die UEFA-Rechnung für die Zuschauer-Krawalle vom Dezember gegen Athletic Bilbao begleichen. Um sich auf die Atmosphäre der Leere etwas einzustimmen, ließ Karl Daxbacher am Montag in der Arena am Verteilerkreis ein internes Trainingsspiel austragen. "Es war emotionslos. So wie wir da gespielt haben, dürfen wir am Donnerstag nicht auftreten. Es darf kein Trainingscharakter entstehen", betonte der Trainer, der an die Einstellung seiner Schützlinge appellierte. Es müsse sich jeder einzelne selbst motivieren, er könne die Motivation nur vorleben und auf sie immer wieder hinweisen.

Der Niederösterreicher, der weder als Trainer noch als Spieler ein Spiel vor leeren Tribünen erlebt hat, erwartet eine ähnlich schwierige Aufgabe wie vor einem Jahr in der dritten Quali-Runde gegen Vojvodina Novi Sad. Nach einem 1:1 in Serbien sicherten erst Diabang und Okotie mit späten Toren den 4:2-Sieg und den Aufstieg. Und da waren auch noch Acimovic, Jun und Standfest mit von der Partie. Diesmal ist von diesem Quintett keiner dabei. Acimovic (Knie) und Jun (Wade) sind verletzt, die anderen verließen den Verein.

"Vorige Saison haben uns die Zuschauer in den entscheidenden Phasen auch geholfen", weißt Daxbacher auf einen wesentlichen Faktor hin, auf den man im ersten Pflichtspiel der Saison nicht bauen kann. "Siroki Brijeg mit drei Brasilianern, einem Argentinier und zwei bosnischen Teamspielern ist ein starkes Teams, das technisch guten Fußball spielt. Es besteht die Gefahr des Ausscheidens. Meinen Spielern muss bewusst sein, dass eine konzentrierte und starke Leistung notwendig ist", warnte der Coach eindringlich.

Seine Truppe, die in der Vorbereitung in neun Tests nur eine Niederlage (1:2 gegen Maccabi Haifa bei sechs Siegen und zwei Remis) kassiert hat, sollte möglichst gewinnen, einige Tore erzielen und keinen Treffer zulassen. "Wir wollen positiv starten, Ziel ist die Gruppe", sagte Roland Linz. Der Stürmer hofft auf seinen ersten Europacup-Treffer seit dem Frühjahr 2009, als er im Braga-Dress gegen Paris SG gescort hatte. Damals war im Achtelfinale für die Portugiesen im UEFA-Cup Schluss.

"Von der Anlage, vom Stil und der Stärke kann uns der Gegner nicht überraschen", glaubt Daxbacher, der das 2:0 des Vizemeisters aus der Südwest-Herzegowina gegen Olimpija Laibach selbst gesehen hatte und den 3:0-Heimsieg von einem Spion hatte beobachten lassen. Auf eigenem Platz spielt Siorki Brijeg ein 4-2-3-1-, auswärts ein 4-4-1-1-System, wobei der Brasilianer Wagner hinter dem Liga-Torschützenkönig Varea (14 Treffer) agiert und Kapitän Dalibor Silic auf der linken Seiten Druck macht.

Ausschnitte von diesen Spielen führte Daxbacher seiner Mannschaft vor dem Abschlusstraining vor, und in der Kabine ließ er vor einigen Tagen ein Plakat mit den Stärken und Schwächen des Gegners aufhängen. Infos lieferte dem 57-Jährigen auch Peter Hlinka, der vorige Saison mit Sturm Graz (2:1/h und 1:1/a) Siroki Brijeg ausgeschaltet hat.

Der Slowake dürfte gemeinsam mit Marko Stankovic einer von sechs Neuen der Favoritner sein, die in der Startelf für das Duell der Vizemeister stehen. Die Aufstellung verriet Daxbacher nicht. Unbeantwortet ließ er auch die Frage nach der Nummer eins. "Wir haben drei sehr gute Torhüter. Ich hätte bei allen Drei keine Bedenken, wenn sie spielen. Der am Donnerstag zum Einsatz kommt, ist nicht automatisch die deklarierte Nummer eins, auch wird es keine Rotation in der Saison kommen. Die Situation ist für alle Beteiligten schwierig", meinte Daxbacher zu dem Thema.

Die Violetten haben seit Einführung der Gruppen-Phase 2004/05 schon viermal die "Turnierform" des Europacups erreicht. Im siebenten Anlauf soll es wieder klappen, Siroki Brijeg nicht gleich zum Stolperstein werden. "Austria Wien ist klarer Favorit. Wir sind nur ein kleiner Verein, ein Weiterkommen wäre der größte Erfolg unserer Club-Geschichte", meinte Mario Bazina, der früher Austria-Stürmer war und jetzt Co-Trainer der Gäste unter dem bosnischen Coach Ivo Istuk ist. Der 35-Jährige, der als Bub in Soroki Brijeg seine Karriere begann, arbeitet nebenbei am Trainerschein, um später die Profi-Lizenz zu erlangen.

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