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Ruttensteiner im Interessenskonflikt mit Trainern © APA (Archiv/Jäger)

Die Hitzewelle hat die Vorbereitungen der österreichischen Fußball-U19-Nationalmannschaft auf die EM leicht beeinträchtigt,

Die Hitzewelle hat die Vorbereitungen der österreichischen Fußball-U19-Nationalmannschaft auf die EM leicht beeinträchtigt, das für Donnerstagnachmittag geplant gewesene letzte Training auf Wiener Boden wurde aufgrund der extremen Temperaturen von Teamchef Andreas Heraf abgeblasen. Die Vorfreude auf das am Sonntag mit dem Match gegen England beginnende Turnier ist riesig.

Kräftig auf den Tisch hauen musste ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner kurz vor dem Abflug nach Frankreich aber trotzdem. Verärgert ist Ruttensteiner, weil die Abstellungen von Aleksandar Dragovic (neunfacher A-Teamspieler) von der Wiener Austria sowie Patrick Farkas vom SV Mattersburg verhindert worden sind. Die Trainer Karl Daxbacher (Austria) und Franz Lederer (Mattersburg) legten angesichts des Bundesliga-Saisonstarts am kommenden Wochenende jeweils ihr Veto ein. "Ich verstehe die Trainer. Aber diese Ausfälle tun sehr weh, denn ich bin der Meinung, dass Österreich mit den besten Spielern vertreten sein sollte", betonte Ruttensteiner.

Der ÖFB sieht sich - so wie alle anderen Föderationen auch - vom europäischen Verband UEFA im Regen stehen gelassen. Schließlich besteht für die Clubs keine Abstellungspflicht, da es sich bei den Nachwuchsturnieren nicht um sogenannte geschützte Termine handelt. "Das muss sich ändern", forderte Ruttensteiner.

Richtig auf die Palme gebracht hat Ruttensteiner und auch Heraf das Verhalten von ÖFB-Nachwuchsspieler Marcel Büchel. Der für die kommende Saison von Siena an Juventus Turin ausgeliehene Mittelfeldspieler war für die EM "auf Abruf", also im erweiterten Kader. Per SMS ließ Büchel aber Heraf wissen, dass er nur zum Turnier kommen würde, wenn er auch sicher spiele.

"Das ist alles andere als vorbildhaft. Es muss die größte Ehre sein, in der österreichischen Nationalmannschaft zu stehen. Egal ob in der U15 oder im A-Team, von einer U19-EM-Endrunde ganz zu schweigen", stellte Ruttensteiner klar. Für den Sportdirektor ist dieses Verhalten eine Folge des "allgemeinen Stellenwerts der Nationalmannschaft in Österreich". "Das gilt es zu verbessern, so etwas ist abzustellen", sprach Ruttensteiner Klartext.

Auch Heraf sah die Sache als "sehr provokante Geschichte" an, eine Antwort an Büchel gab der Teamchef nach langem Überlegen nicht. "Ich musste mich zusammenreißen, da ich sehr enttäuscht war. Dieser Spieler wird bei mir und hoffentlich auch in der Folge bei den anderen Teamchefs keine Rolle mehr spielen. Denn er hat nicht das Herz, um für Österreich zu spielen", sagte Heraf.

Als vorbildhaftes Beispiel nannte Heraf David Alaba, der es bei Bayern München mittlerweile bis in die Kampfmannschaft geschafft hat und sogar in der Champions League eingesetzt wurde. "Alaba würde sogar mit dem Rad von München kommen, um für die U19 zu spielen", meinte Heraf über den 18-jährigen Jung- und Muster-Profi, der am Freitag direkt von München nach Frankreich reisen und dort zumindest die ersten beiden Spiele gegen England und Frankreich bestreiten wird.

Ruttensteiner ließ Büchel übrigens im Gegensatz zu Heraf ein kleines Hintertürchen für eine Rückkehr in den ÖFB offen. "Aber nur dann, wenn er sein Verhalten ändert und außergewöhnliche Leistungen zeigt."

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