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Kann Rapid auch gegen die eigenen Amateure jublen? © APA (Archiv/Leodolter)

20 Kleine proben am Wochenende zum Auftakt des 76. ÖFB-Cups jeweils vor eigenem Publikum gegen die 20 Großen der Bundesliga den

20 Kleine proben am Wochenende zum Auftakt des 76. ÖFB-Cups jeweils vor eigenem Publikum gegen die 20 Großen der Bundesliga den Fußball-Aufstand. In einem Fall bleiben sämtliche Einnahmen, die in Duellen mit Goliaths in der ersten Runde den Davids zustehen, in der "Familie". Die Rapid-Amateure fordern am Samstag (17.00 Uhr) im Hanappi-Stadion die eigenen Profis.

Für die Partie ist nur die Südtribüne geöffnet, mit dem Einheitspreis von fünf Euro ist man dabei. "Auch dieses Spiel müssen wir erst mal gewinnen", bemerkte Peter Pacult, der Trainer von Hofmann, Jelavic und Co., trocken, kurz und bündig. Trotz aller Pikanterien, die der Auslosungszufall den Hütteldorfern bescherte, wird die Partie in St. Hanappi ernst genommen. Da die Jung-Grünen als erste aus dem Lostopf gezogen wurden, müssen die favorisierten Arrivierten, die sich 2009/10 im Viertelfinale in Klagenfurt gegen Austria Kärnten mit 2:3 blamiert hatten, in ihren rot-blauen Auswärtsdressen antreten.

Pacult wird schon dafür sorgen, dass seine Truppe ihren Aufwärtstrend fortsetzt und vor dem ersten Duell mit Aston Villa in der Qualifikation zur Europa League keine Enttäuschung hinnehmen muss. Der Wiener wird aber vielleicht gar nicht auf der Betreuerbank Platz nehmen. Er überlegt, Aston Villa am Samstag in Birmingham zum englischen Liga-Auftakt gegen West Ham United persönlich unter die Lupe zu nehmen.

Egal, wie auch immer er sich entscheidet, der Favorit, der zuletzt 2005 im Finale gestanden ist und seine 14. und bisher letzte Trophäe 1995 gewonnen hat, ist vor seinen eigenen Amateuren gewarnt. Diese haben 2004/05 mit FC Tirol (2:1/1. Runde), SV Matterburg (5:1/2. Runde) sowie im Herbst 2008 mit SCR Altach (5:1/2. Runde) und wieder SV Mattersburg (2:1/Achtelfinale) schon mehrmals Oberhaus-Vereine eliminiert.

Tanju Kayhan vor zwei Jahren zu den jungen wilden Grünweißen und spielt inzwischen für die Pacult-Elf. "Damals haben wir mit den Amateuren wirklich überrascht", erinnert sich der Verteidiger, der dem Ostligisten, der noch keine Liga-Spiel in den Beinen hat, keine großen Chancen einräumt. "Wir sollten nichts anbrennen lassen", meinte der 21-Jährige, der Philipp Lahm als Vorbild hat: "Nicht groß, aber sehr zweikampfstark - in der Defensive wie in der Offensive."

Ebenfalls gegen einen Ostligisten tritt Titelverteidiger Sturm Graz an. Die Steirer gastieren am Samstag im Waldviertel beim Ligafavoriten SV Horn. Trainer der Niederösterreicher ist Rupert Marko, ein Mann, der einst für die "Blackies" tätig war. Meister Red Bull beginnt den Anlauf zum ersten Salzburger Cup-Titel gegen den NÖ-Landesligisten SKN St. Pölten Amateure. Und Austria Wien, der vierte des rot-weiß-roten Europacup-Quartetts, muss zum OÖ-Landesligisten SG Neuhofen/Ried Amateure.

Die Violetten, mit 27 Trophäen Rekordsieger dieses Cup-Bewerbes, aber 2009/10 im Achtelfinale in Linz am LASK 0:1 gescheitet, wollen den Pokal wieder an den Verteilerkreis holen. Der erste Schritt dazu soll durch eine "kleine" Revanche gelingen. Nach dem 0:1 am Sonntag gegen die Rieder Profis muss nun die zweite Mannschaft der Innviertler herhalten. "Unsere Amateure freuen sich schon riesig auf die Violetten, nicht mehr und nicht weniger", ließ SVR-Coach Paul Gludovatz den abermaligen Favoriten wissen.

Austria-Trainer Karl Daxbacher, dessen Schützlinge gegen die Rieder die erste Niederlage nach 19 Pflichtspielen erlitten haben, hat im Cup wieder Marko Stankovic nach seinem Handbruch zur Verfügung und wird vielleicht dem einen oder anderen Teamspieler eine Pause gönnen. "Wir unterschätzen niemanden, doch für Saloniki ist das kein ernstzunehmender Test. Gegen Aris erwartet uns ein Hexenkessel", sagte Daxbacher.

Er ließ den kommenden Gegner diese Woche jedoch beobachten. Acimovic und Schumacher fehlen weiterhin, Jun (Knie-Probleme) ist ein weiterer Ausfallkandidat. Stankovic über den kommenden Gegner: "Gerade Amas von Bundesligisten haben ihre Riesentöter-Qualitäten schon oft genug beweisen. Wir müssen hellwach sein und die Aufgabe ernst nehmen, dann werden wir dort reüssieren."

Gludovatz' Mannen selbst wollen sich auch rächen und im einzigen Sonntag-Spiel das 0:3 in der ersten Liga-Runde gegen den SK Sturm dessen Amateuren in Graz spüren lassen. "Wir haben vor jedem Gegner Respekt, müssen viel Herz in die Hand nehmen und viel Laufarbeit verrichten. Ich trete lieber gegen eine arrivierte, als gegen eine junge, ambitionierte Elf an", sagte der Burgenländer. Die Partie wird von der Kärntner Schiedsrichterin Tanja Schett geleitet.

SC Wr. Neustadt, am 16. Mai im Finale Sturm 0:1, unterlegen, reist ins Ländle zum FC Dornbirn. Für den LASK und SV Mattersburg, den Tabellenvorletzten bzw. das Schlusslicht, bietet der Cup die Chance, das erste Erfolgserlebnis der neuen Saison einzufahren und etwas Moral zu tanken. Die Linzer treten in Klagenfurt gegen den SK Austria an, die ebenso noch punktlosen Burgenländer bestreiten gegen den SV Stegersbach ein Derby.

Zur Erinnerung: In der vergangenen Cup-Saison hat es in der Startrunde mit dem SV Mattersburg (0:2 Admira Amateure), dem Kapfenberger SV (1:3 Sturm Graz Amateure), SCR Altach (0:1 FC Pasching) und SK St. Pölten (3:2 BW Linz) gleich vier Vereine aus den zwei Profi-Ligen erwischt. Rapid und Sturm schrammten am K.o. vorbei, mussten gegen ESV Parndorf (3:2) bzw. TSV St. Johann (4:2) jeweils in die Verlängerung.

Die 20 Bundesliga-Vereine überlassen in der ersten Runde 20010/11 den gastgebenden Kleinen sämtliche Einnahmen aus dem Spiel und erhalten vom ÖFB nur die Reisekosten ersetzt. Im Falle der Rapid-Profis fällt dieser Zuschuss natürlich weg. Bei allen anderen zwölf Partien werden die Einnahmen geteilt. Die Auslosung der zweiten Runde erfolgt am 18. August (11.30 Uhr) in Wien.

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