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Vor zehn Tagen noch gefeierter Held © APA (Leodolter)

Der kontroverse Abgang von Rapid-Stürmer Nikica Jelavic hat Diskussionen über den Wert von Verträgen im internationalen

Der kontroverse Abgang von Rapid-Stürmer Nikica Jelavic hat Diskussionen über den Wert von Verträgen im internationalen Fußball ausgelöst. Der Kroate hatte seinen Transfer zu den Glasgow Rangers damit erzwungen, dass er weitere Einsätze für die Hütteldorfer abgelehnt hatte. Jelavic wäre bei Rapid noch bis 2012 unter Vertrag gestanden. Sein Vorgehen ist aber kein Einzelfall.

"In dieser Situation machen das sehr viele Spieler", erklärte der Sportrechts-Experte Christian Flick. Der Grazer Anwalt sieht den in den Regulativen der FIFA und der UEFA festgeschriebenen Grundsatz der Vertragstreue zu den aktuellen Marktbedingungen nur noch schwer umsetzbar. "Diese Fälle juristisch auszutragen, ist für die Vereine immer mit einem Risiko verbunden", sagte Flick. Durch den Transferschluss am 31. August stehe man zudem unter einem Zeitdruck, der kein Ausjudizieren zulasse.

Daher siege bei den Vereinen irgendwann die Vernunft. Rapid etwa durfte sich für den Jelavic-Abgang mit mehr als drei Mio. Euro trösten, fast ein Drittel der kolportierten 5,0 Mio. Euro Ablöse für den 24-Jährigen geht an dessen Ex-Club Zulte Waregem. "Macht dieser Vorgang Schule, läuft man aber Gefahr, auch andere Spieler zu ermutigen, diese Vorgehensweise zu wählen", warnte Flick. Das sei im internationalen Fußball nämlich längst üblich - zuletzt etwa beim Transfer von Mesut Özil zu Real Madrid.

Zentrale Frage ist es also, durch welche Änderungen am System Vertragssicherheit wiederherzustellen ist. Für Flick sind unbefristete Verträge eine Alternative, wenngleich auch das "neue Baustellen" in Form von fehlender Planungssicherheit eröffnen würde. "Es ist nur ein Denkansatz. Das System wäre dann ähnlich jenem auf dem normalen Arbeitsmarkt", erklärte der Jurist. Auch dort werden bei einem Jobwechsel keine Ablösesummen bezahlt.

"Das Transfersystem würde dadurch revolutioniert. Die Ablösesummen würden sich erheblich reduzieren", sagte Flick. Der Spieler als Kapital würde dem Club zwar verloren gehen, dafür würde er laut Idee des Sportanwaltes aber auch geringere Risiken tragen. Lange laufende Verträge müssten etwa nicht ausbezahlt werden, sondern könnten mit entsprechender Kündigungsfrist beendet werden. Angepasst werden müsste das Prinzip der Ausbildungsentschädigungen.

"Vor dem Bosman-Urteil (im Dezember 1995 vom Europäischen Gerichtshof gefällt/Anm.) hatten die Vereine alle Rechte, jetzt sind es die Spieler. Das Pendel muss sich wieder in der Mitte einfinden. Derzeit ist das System aus den Fugen geraten", meinte Flick. Die Idee befristeter Verträge im Fußball datiert noch von vor 1995. Ablösefrei wechseln konnten Spieler aber nur nach einer "Stehzeit" von 18 Monaten. "Mittlerweile passt das System mit den Marktbedingungen aber nicht mehr zusammen", betonte Flick.

Die EU würde eine weitere Liberalisierung des Wettbewerbes im Fußball begrüßen, der Kommission sind die zum Teil exorbitanten Ablösesummen seit längerem ein Dorn im Auge. "Über allem steht aber die Vertragstreue und die Frage, wie diese wiederherzustellen ist", meinte Flick. Ein Vertrag mit beidseitiger Kündigungsmöglichkeit sei mehr wert als ein zeitlich fix befristeter Vertrag, der bei den aktuellen Marktbedingungen und sehr hohen Geldflüssen im modernen Fußball nicht mehr eingehalten wird.

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