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Peter Pacult darf sich freuen © APA (Hochmuth)

Die knapp 30.000 Zuschauer im Villa Park haben sich am Donnerstag wohl in einer Zeitschleife gewähnt. Wie fast auf den Tag genau

Die knapp 30.000 Zuschauer im Villa Park haben sich am Donnerstag wohl in einer Zeitschleife gewähnt. Wie fast auf den Tag genau vor einem Jahr stand Rapid auswärts gegen Aston Villa vor dem Aus, wie vor einem Jahr wurde dann doch der Einzug in die Gruppenphase der Fußball-Europa-League geschafft, und wie vor einem Jahr spielte dabei ein gehaltener Elfer eine maßgebliche Rolle.

Diesmal war Raimund Hedl der gefeierte Rapid-Goalie, und diesmal wurde der Aufstieg nicht mit einem 1:2, sondern mit einem 3:2 geschafft. "Vor einem Jahr war es die schönste Niederlage, dieses Mal einer der schönsten Siege in meiner Zeit als Trainer", jubelte Peter Pacult über den zweiten österreichischen Europacup-Sieg in England nach dem GAK vor sechs Jahren (1:0 in der Champions-League-Qualifikation in Liverpool).

Zweimal lag Rapid in Rückstand, doch jedes Mal schlug der Rekordmeister eiskalt zurück. Während im Vorjahr noch zahlreiche Großchancen versiebt worden waren, war diesmal fast jede Möglichkeit ein Treffer. "Es war wichtig, dass wir effizient waren, denn viele Chancen lässt Villa nicht zu", meinte Pacult. "Vor allem das 2:2 kurz nach dem zweiten Tor für Villa war von Bedeutung, denn damit war es beim Gegner mit der Euphorie schnell vorbei."

Dafür stieg die Begeisterung der fast 1.400 mitgereisten Fans der Wiener, die sich beim vor einer Woche beschimpften und beschütteten Villa-Kicker Andreas Weimann (derzeit wegen einer Knöchelverletzung auf Krücken unterwegs) entschuldigten. Die Anhänger ließen dem Wiener durch Marek ein Geschenk bestehend aus diversen Rapid-Fanartikeln zukommen.

Weimanns Betreuer Kevin MacDonald sprach nach dem Ausscheiden von einer schlimmeren Niederlage als dem 0:6 am vergangenen Sonntag in Newcastle. Sollte am Wochenende gegen Everton kein Sieg gelingen, wird der Schotte wohl nicht vom Interimstrainer zum Chefcoach befördert werden.

Pacults Mitleid hielt sich in Grenzen. "Die Aufstellungen von Villa gegen uns waren verwunderlich, vor allem die in Wien, wo sie mit vielen Jungen gespielt haben. Sie haben uns trotz des Vorjahres nicht ernst genommen und sind dafür bestraft worden."

Zur Genugtuung über die sich rächende Geringschätzung seiner Mannschaft gesellte sich die Freude darüber, offenbar auch den nächsten Abgang eines Leistungsträgers verkraften zu können. Nach dem Verkauf von Nikica Jelavic an die Glasgow Rangers avancierte Atdhe Nuhiu mit insgesamt zwei Treffern gegen die Engländer zum Matchwinner. "Was er gearbeitet hat, ist vielversprechend. Ich weiß aber auch, dass man als Junger immer wieder in ein Loch fallen kann", sagte Pacult über den ÖFB-U21-Teamstürmer.

Dank dessen Goalgetter-Qualitäten gelang Rapid auch die süße Rache für den von Jelavic erzwungenen Wechsel nach Schottland. Weil Rapid in der Gruppenphase der Europa League steht, ist der Kroate in der Champions League nicht einsatzberechtigt. "Aber das ist zweitrangig", betonte Pacult.

Der 50-Jährige vermied es, nach dem Abgang von Jelavic mit Nachdruck die Verpflichtung eines neuen Stürmers bis zum Ende der Transferzeit am Montag zu fordern. "Wir werden in Ruhe daran arbeiten. Man wird sehen, was passiert." Auch Sportdirektor Alfred Hörtnagl wollte sich nach dem Spiel nicht festlegen, ob fix ein neuer Angreifer kommt.

Der mit seiner Situation als Ersatzkeeper unzufriedene Helge Payer wurde am Mittwoch von Champions-League-Teilnehmer Partizan Belgrad kontaktiert - der serbische Meister ist auf der Suche nach einer neuen Nummer eins. "Das ist eine Situation, die man sich genau anschauen muss", erklärte der Oberösterreicher, der in einem Monat zum ersten Mal Vater wird.

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