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Ruttensteiner fährt mit Baur nach Brüssel © APA (Archiv/Tschida)

Der Auftakt in der Gruppe A zur Fußball-EM-Qualifikation wird von den spielfreien Österreichern gleich in "doppelter" Besetzung

Der Auftakt in der Gruppe A zur Fußball-EM-Qualifikation wird von den spielfreien Österreichern gleich in "doppelter" Besetzung beobachtet. ÖFB-Teamchef Didi Constantini entsandte zu den Freitag-Partien Belgien - Deutschland sowie Kasachstan - Türkei jeweils zwei Spione. In Brüssel (20.45 Uhr/live ARD) sitzen Baur und Ruttensteiner, in Astana (18.00 Uhr MESZ) Janeschitz und Kern auf der Tribüne.

Am Dienstag, wenn Österreich in Salzburg (20.30 Uhr/live ORF 1) gegen Kasachstan ins Geschehen eingreift, werden die Gegner ebenfalls zu zweit unter die Lupe genommen. Dann werden Ruttensteiner und Hermann Stadler in Köln (20.45 Uhr) Deutschland - Aserbaidschan sowie Baur und Ernst Weber in Istanbul (20.00 Uhr MESZ) Türkei - Belgien auf die Beine sehen und jeweils alles Wichtige einer Mannschaft notieren.

Die "Roten Teufel", wie die Belgier genannt werden, fühlen sich im Schlager der ersten Runde nicht chancenlos. "Ich verspreche nicht den Sieg, geschweige denn guten Fußball. Aber wir sind jung und enthusiastisch, wir wollen gewinnen. Ich versichere, dass meine Mannschaft von der ersten bis zur letzten Sekunden kämpfen wird", sagte Teamchef Georges Leekens dem favorisieren WM-Dritten den Kampf an.

Der Trainer denkt laut Medienberichten sogar über ein offensives 4-3-3-System nach. "Wir haben nicht die Mannschaft, um 90 Minuten zu verteidigen. Wir müssen Druck machen auf Khedira, Schweinsteiger, Podolski, Klose, Müller und Özil", kündigte der 61-Jährige an. Der Neo-Nürnberger Timmy Simons glaubt jedenfalls an die Chance der Belgier. "Ein Sieg ist nicht unmöglich", meinte der 33-Jährige optimistisch.

Vorne vertraut Leekens Jungstar Romelu Lukaku, obwohl dieser zuletzt nicht getroffen hat. Der Stürmer kongolesischer Abstammung vom RSC Anderlecht, der im Grunddurchgang der Liga jüngster Torschützenkönig der Geschichte wurde, ist in seinem ersten Profi-Jahr wie ein Komet aufgestiegen und hat längst das Interesse ausländischer Vereine auf sich gezogen. Hinten baut der Teamchef auf Daniel van Buyten, der sich schon auf seine Bayern-Kollegen freut.

Gegen diese Zuversicht von Leekens, Simons und Co sprechen die personellen Sorgen der Hausherren, die bisher viermal an einer EM-Endrunde teilnehmen. Weil mehrere Spieler angeschlagen sind, wurden Keeper Glenn Verbauwhede (KV Kortrijk) und Mittelfeldmann Faris Haroun (Germinal Beerschot) nachnominiert. Von den Blessierten dürften sich Kevin de Bruyne (Knie) und Nicolas Lombaerts (Oberschenkel) am ehesten Hoffnungen auf einen Einsatz machen.

Ebenfalls gegen einen belgischen Erfolg spricht die Statistik. Die Deutschen haben von 23 Länderspielen 18 gewonnen und nur vier verloren. Die jüngste Niederlage gegen die "Roten Teufel" setzte es im ersten Spiel nach dem WM-Wunder von Bern. Im September 1954 unterlag der frischgebackene Weltmeister in Brüssel vor 70.000 Zuschauern 0:2. Ob es nach WM-Bronze in Südafrika wieder einen Dämpfer gibt?

Knapp zwei Monate nach Südafrika und zwei Tage nach der Beantwortung der Kapitänsfrage will der deutsche Teamchef Joachim Löw unbedingt einen Fehlstart auf dem Weg nach Polen und die Ukraine vermeiden. "Einige unserer Spieler sind nach der WM immer noch im Trainingsrückstand. Es wird schwierig, aber wir wollen versuchen, an die Leistungen der WM anzuknüpfen", sagte der 50-Jährige.

Vom WM-Kader sind noch 17 Mann dabei. "Wir vertrauen unserer Mannschaft", betonte Löw-Co Hansi Flick. Im Tor steht wie in Südafrika Manuel Neuer. "Er hat eine hervorragende WM gespielt. Es war sein erstes großes Turnier und die ersten wichtigen Länderspiele", so Löw. Der 24-jährige Schalker soll alle Gruppen-Spiele auf dem Weg zur EM 2012 bestreiten. Rene Adler und Tim Wiese, die der Schwarzwälder zur "gemeinsamen Nummer 2" ernannte, werden in Freundschaftsspielen "zu ihren Einsätzen kommen."

Wie die Deutschen sind die Türken in Kasachstan Favorit. "Wir müssen einen idealen Start hinlegen und drei Punkte holen. Das ist wichtig für Moral und Selbstvertrauen", forderte Verbandschef Mahmut Özgener den neuen Teamchef Guus Hiddink auf, die Schmach der verpassten WM-Teilnahme 2010 mit der EM-Fahrkarte für 2012 zu tilgen. Aber es gebe keine leichten Gegner und keine einfachen Spiele, betonte Özgener. "Wir haben unser Lektion gelernt. Ich bin sicher, wir nehmen an der EM teil. Nicht wir sorgen uns, die Deutschen müssen sich sorgen", meinte er. Hiddink stellte klar: "Wir werden gegen jeden Gegner konzentriert und diszipliniert agieren.

Wichtig sei nicht der Name, sondern die Art, wie der Gegner Fußball spiele. Der Niederländer, dem u.a. Keeper Volker Demirel wegen Verletzung nicht zur Verfügung steht, wird mit den 33-jährigen Ömer Erdogan (Bursaspor-Kapitän) möglicherweise debütieren lassen. Kasachstan und die Türkei trafen auch schon in der WM-Quali für 2006 aufeinander, wobei die Türken sowohl daheim (4:0) als auch auswärts (6:0) klar gewannen. Der deutsche Kasachstan-Coach Bernd Storck ("Die Türken sind spielstark, es wird schwer, aber wir werden dennoch ohne Angst spielen") hat mit Genrich Schmidtgal (RW Oberhausen), Alexej Popow (Amkar Perm), Kazbek Geterjew (Spartak Naltschik) und Mark Gurman (Lok Astana) gleich vier Neulinge einberufen.

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