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Neo-Coach Prandelli setzt auf Cassano © APA (epa)

Estland und Färöer (2:1/Pool C) haben am 11. August für den Prolog, Isreal und Malta (F) am Donnerstag für die Fortsetzung

Estland und Färöer (2:1/Pool C) haben am 11. August für den Prolog, Isreal und Malta (F) am Donnerstag für die Fortsetzung gesorgt. So richtig los geht es in den neun Gruppen der Qualifikation für die Fußball-EM 2012 aber erst am Freitag mit insgesamt 22 Partien. Im Mittelpunkt des internationalen Interesses stehen dabei auch die zwei großen WM-Enttäuschungen von Südafrika, Italien und Frankreich.

Vor vier Jahren hatte sich die "Squadra" im Berliner Finale gegen die "Bleus" noch zum Weltmeister gekürt. 2010 schlichen die Großmächte schon nach den Gruppenspielen jeweils gedemütigt, gescholten, kritisiert, blamiert und sieglos von dannen. In beiden Ländern ist daher jetzt Wiedergutmachung angesagt. Die Azzurri (Gruppe C) wollen damit in Tallinn gegen Estland beginnen, die Tricolores (D) in Paris gegen Weißrussland anfangen.

Nach dem verpatzten Teamchef-Debüt von Cesare Prandelli (0:1 gegen die Elfenbeinküste) hofft Italien auf den ersten Länderspiel-Erfolg in diesem Jahr. Der Nachfolger von Marcelllo Lippi setzt auf eine völlig neue Elf, wobei er in der Offensive auf den von Lippi verschmähten Antonio Cassano baut. Als sogenannter "Fantasista" soll der kreative Stürmer dem zuletzt harmlosen Angriff neues Leben einhauchen und der Mannschaft Tore bescheren.

Von der WM-Elf sind mit Daniele De Rossi (AS Roma) und Andrea Pirlo (AC Milan) nur noch zwei Mann übrig geblieben. "Prandelli war bisher mit allen Teams erfolgreich. So wird das auch mit dem Team sein", prophezeite der Mailänder Spielmacher. Damit wieder Ruhe und Selbstvertrauen einkehrt, forderte er: "Jetzt müssen zwei Siege her!" Am Dienstag kommt Färöer nach Florenz.

Die Esten geben sich trotz des Ausfalls ihres besten Torschützen, Andres Oper, nicht von vornherein geschlagen. "Natürlich ist klar, dass wir nicht Favorit sind. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns nichts ausrechnen. Es gibt immer wieder Überraschungen, warum nicht auch diesmal", meinte Teamchef Tarmo Rüütli.

In Frankreich geht vor dem ersten Heimspiel nach der WM-Blamage ein bisschen die Angst um. "Ganz ehrlich, ich fürchte dieses Wiedersehen", gestand Mittelfeldspieler Abou Diaby auf ein mögliches Pfeifkonzert angesprochen. Der 24-jährige Arsenal-Profi ist einer von neun "WM-Rebellen", denen der neue Teamchef Laurent Blanc die Chance zur Rehabilitierung gibt. Der Domenech-Erbe, der als Motto "Vergessen wir den Juni, die Zukunft kommt!" ausgegeben hat, über die Fans: "Es sollen nur die kommen, die uns unterstützen wollen."

"Es ist gut, eine junge Mannschaft zu haben, aber es genügt nicht, um auf höchstem Niveau wettbewerbsfähig zu sein. Wir haben versucht, die richtige Mischung aus talentierten Burschen und Routiniers, die sie führen können, zu finden", erklärte Blanc. Der Neustart findet ohne Bayern-Star Franck Ribery statt. Der Flügelflitzer wurde wegen der Rebellion vom Verband zum Zuschauen (ein Spiel) wie Anelka (18), Evra (5) und Toulalan (1) verdammt.

Blanc deutete im Trainingslager in Clairefontaine an, dass er in Zukunft weiter auf Ribery und Co. baut. "Ribery muss sich bemühen, muss seine Einstellung ändern und in der Equipe Leistung bringen", erklärte der 44-Jährige, der wegen seiner Autoritätsstärke auch "Le President" genannt wird. An bessere Zeiten soll mit Hilfe von "frischen Gesichtern" wie Yann M'Vila (22/Stade Rennes) oder Kevin Gameiro (23/FC Lorient) angeschlossen werden.

Wie man wieder gewinnt, dass erzählte Ex-Superstar Zinedine Zidane am Mittwoch im Camp während eines Besuchs. Der 38-Jährige, der von Blanc eingeladen worden war, beschwor dabei den Geist von 1998 und 2000, als Frankreich Welt- bzw. Europameister wurde. Zidane gab keine Ratschläge, sondern verbrachte einfach die Zeit mit den Spielern. "Ich wollte etwas von meiner Erfahrung rüberbringen und habe ihnen erklärt, wie wichtig der Sieg ist", erzählte "Zizou" danach.

"Für viele von uns ist Zidane der beste Fußballer aller Zeiten. Er ist heute noch besser als viele von uns", sprach M'Vila fast in Ehrfurcht erstarrend über das Idol. Blanc bangte noch um Karim Benzema. Der Real-Stürmer hat im Training eine Knöchelblessur erlitten. Dem Gegner kommen diese Probleme gelegen. "Wir haben eine gute Chance, die Franzosen eine neues Team, das Zeit braucht. Dass sie nach dem WM-Fiasko extrem motiviert sind, darauf sind wir vorbereitet", meinte der deutsche Trainer der Weißrussen, Bernd Stange.

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