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Der ÖFB-Teamchef ist gegen eine Betontaktik © APA (Gindl)

Für Dietmar Constantini spielt Taktik im Fußball nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sei noch immer die Qualität der

Für Dietmar Constantini spielt Taktik im Fußball nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sei noch immer die Qualität der Spieler, sagte der ÖFB-Teamchef im Gespräch mit der APA und relativierte auch seine Ankündigung, mit vier Innenverteidigern spielen zu wollen. In punkto System hat der Nationaltrainer ein Vorbild. "Ideal wäre es, wenn wir wie Spanien spielen könnten."

Da der regierende Welt- und Europameister außer Reichweite ist, muss man laut Constantini mit anderen Mitteln zum Erfolg kommen - und dafür seien mehrere Wege möglich. "Mein taktisches Grundgerüst steht, aber es gibt halt unterschiedliche Ausgangspositionen. Man kann gegen Deutschland auswärts mit drei Stürmern spielen und eine aufs Dach kriegen oder zu defensiv gegen Kasachstan spielen, weil man weiß, dass die auch kicken können", so die Erklärung des 55-Jährigen.

Die Bedeutung von Taktik sei generell überbewertet. "Meine Meinung ist, man gewinnt nicht mit dem System, sondern mit den Spielern. Es geht ja fast überall ums Gleiche, um einen oder zwei Stürmer, um einen oder zwei Sechser", behauptete Constantini.

Im zentralen Mittelfeld setzte Constantini zuletzt oft auf zwei "Sechser", die sich zumeist auf Defensivaufgaben beschränkten und wenig Impulse im Spielaufbau lieferten. Dabei stünden etwa mit Christoph Leitgeb oder David Alaba auch zwei "Achter", also Spieler mit einer offensiveren Auslegung dieser Rolle, zur Verfügung. "Es ist denkbar, dass wir auch mit zwei Achtern spielen. In Pasching haben wir in der Meisterschaft auch einmal so gespielt, aber mit dem Nationalteam spielt man eben nur international", sagte Constantini.

Seine Aussage nach dem 1:5 gegen Spanien im vergangenen November, künftig mit vier Innenverteidigern in der Viererkette antreten zu wollen, relativierte der Coach. "Ich habe damals gesagt, gegen Top-Mannschaften könnte man vielleicht mit vier Innenverteidigern spielen. Prödl hat zum Beispiel in Bremen oft rechts gespielt. Dann stelle ich ihn rechts auf und es war ein Fehler. Dass er ein Innenverteidiger ist, weiß ich auch, aber wenn einer ausfällt, muss man kaschieren."

Ein ÖFB-Team mit Betontaktik werde man unter seiner Führung ohnehin nicht zu sehen bekommen. "Ich bin ein Verfechter, dass wir uns nicht nur hinten reinstellen, sondern den Gegner beschäftigen, sonst sind wir sowieso weg", meinte Constantini.

Vor gut einem Jahr sorgte der frühere Austria-Trainer für Aufsehen, als er viele junge Spieler schon nach wenigen guten Partien ins Team holte - darunter auch die Rapidler Yasin Pehlivan, Christopher Drazan oder Christopher Trimmel, die in dieser Saison von ihrem Trainer Peter Pacult wegen mangelnder Einstellung kritisiert worden und deswegen zeitweise nicht einmal im Kader gestanden sind.

Für die Anmerkung von Pacult, dass viele Nachwuchs-Kicker zu schnell zufrieden seien, zeigte Constantini Verständnis. "Wenn du als Junger überraschend ins Team kommst, ist das natürlich ein Wahnsinn. Dann wirst du von diversen Vereinen kontaktiert. Dass du dich dann mit 18 oder 19 Jahren veränderst, ist ganz normal."

Pacult liege mit seiner Kritik "hundertprozentig richtig. Ich bin da genauso ein hantiger Typ, auch wenn es vielleicht nicht so rüberkommt. Es verlieren ja schon 15-Jährige den Boden unter den Füßen, weil sie so gelobt werden. Aber wenn man einem Jungen erzählt, dass Inter oder Milan Interesse haben, da schwebt man, da kann man nicht ruhig sitzen", erklärte Constantini.

Auch mit seinen Jungstars David Alaba und Aleksandar Dragovic habe er diesbezüglich gesprochen. "Sie sollen schnörkellos spielen, so wie sie es können", betonte Constantini. Bei seinen ersten Teameinberufungen sei Bayern-Legionär Alaba noch herausgestochen. Das sei zuletzt nicht mehr der Fall gewesen. "Es ist aber auch viel auf ihn hereingebrochen", erinnerte Constantini.

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