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Kapitänsbinde beflügelte © APA (Krugfoto)

Da stand er also an der Cornerfahne und jubelte, die Kapitänsbinde um den linken Oberarm. Ausgerechnet Roland Linz, der erst

Da stand er also an der Cornerfahne und jubelte, die Kapitänsbinde um den linken Oberarm. Ausgerechnet Roland Linz, der erst nach fast zwei Jahren von Dietmar Constantini in das österreichische Fußball-Nationalteam zurückgeholt worden war. "Für ihn freut es mich besonders", erklärte der Teamchef, der den Austria-Goalgetter am Dienstag gegen Kasachstan (2:0) als hängende Spitze aufgeboten hatte.

Linz hatte sich in der ungewohnten Rolle lange Zeit sehr schwergetan, hatte kaum Bälle gesehen. Dennoch avancierte er in der Nachspielzeit mit seinem Tor zum 1:0 und dem Assist zum 2:0 zum Retter - womöglich sogar für Constantini, dessen Job bei einem Fehlstart in die EM-Qualifikation zur Diskussion gestanden wäre. "Ich weiß nicht, ob ich sonst heute noch hier gesessen wäre", gestand der Cheftrainer am Tag nach dem Spiel in Salzburg.

Die unorthodoxe Idee mit Linz als Ballverteiler im offensiven Mittelfeld sei ihm erst am Spieltag in der Früh beim Radfahren gekommen. "Roli ist ein guter Techniker. Auf dieser Position ist er sehr gut aufgehoben", meinte Constantini. Eine Wiederholung des Experiments sei denkbar, obwohl Linz diese Position im Club noch fast nie bekleidet hat. "Vielleicht ist es gegen einen stärkeren Gegner in dieser Rolle sogar noch leichter", meinte der Teamchef.

Der Strafraumstürmer selbst war froh, überhaupt in der Anfangsformation zu stehen. Das hatte er im ÖFB-Team seit dem 1:1 bei der Heim-EM 2008 gegen Polen nicht mehr getan. Erst im Test gegen die Schweiz (0:1) hatte ihn Constantini nach fast zwei Jahren Pause zurück in die Nationalmannschaft geholt. "Ich bin einfach nur froh, dass wir gewonnen haben", gab sich Linz bescheiden. Wer die Tore schieße und welche Position er spiele, sei zweitrangig.

Bei seiner Auswechslung hatte ihm der an seiner einstigen Wirkungsstätte ausgebuhte Marc Janko sogar die Kapitänsbinde umgebunden - was selbst den Teamchef und Linz überraschte. "Er hat mir die Schleife einfach in die Hand gedrückt. Was hätte ich denn machen sollen?", fragte Linz. Der 29-jährige Steirer durfte sein 8. Tor im 37. Länderspiel damit als Spielführer feiern. "Kapitän zu sein, das ist natürlich immer etwas Besonderes."

Constantini hatte laut eigenen Angaben trotz des unauffälligen Spiels nie daran gedacht, Linz vorzeitig vom Platz zu nehmen. Stattdessen musste Martin Harnik für Erwin Hoffer und Janko für Stefan Maierhofer Platz machen. Mit dem Tor habe Linz seinen Einsatz gerechtfertigt, betonte Constantini. "Ihm wird immer vorgeworfen, dass er zu wenig läuft. In der vergangenen Woche (im Trainingscamp in Flachau) hat er aber sehr gut trainiert", erinnerte der Tiroler.

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