vergrößernverkleinern
Bremen auf der Achterbahn © APA (dpa)

Mainz singt und lacht, München flucht und rätselt - die Außenseiter der deutschen Bundesliga stehlen den Favoriten weiter die

Mainz singt und lacht, München flucht und rätselt - die Außenseiter der deutschen Bundesliga stehlen den Favoriten weiter die Schau. Erstmals in der Vereinsgeschichte eroberte der FSV Mainz 05 - allerdings ohne den erkrankten ÖFB-Teamspieler Christian Fuchs - beim 2:0 in Bremen die Tabellenspitze. Für die Werder-Legionäre Sebastian Prödl und Marko Arnautovic gab es dabei hingegen gar nichts zu lachen.

"Das war zu schlecht, um wahr zu sein", monierte Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs nach der Partie. Auch Trainer Thomas Schaaf übte heftige Kritik: "Ich kann mich an kein Datum erinnern, an dem wir jemals so schlecht gespielt haben wie heute. Was wir hier abgeliefert haben, war zu keiner Sekunde das, was ich von meiner Mannschaft kenne." Wie seine Offensiv-Kollegen Hugo Almeida, Marko Marin und Aaron Hunt konnte sich Arnautovic kaum in Szene setzen und musste in der 62. Minute Sandro Wagner Platz machen. Prödl lieferte in der Innenverteidigung immerhin eine solide Leistung ab.

Weil Außenverteidiger Christian Fuchs wegen eines grippalen Infekts bei Mainz fehlte, kam das Österreicher-Duell nicht zustande. "Der Trainer war meiner Meinung, dass es keinen Sinn macht. Er sagte, dass ich für die Spiele gegen Köln am Dienstag und am darauffolgenden Wochenende gegen Bayern wichtig bin und mich schnellstmöglich auskurieren soll", sagte der ÖFB-Teamkicker, dessen Mannschaft gegen Werder mit beachtlicher Souveränität zu Werke ging. Der als Vater des Erfolgs gefeierte Trainer Thomas Tuchel wertete die Tabelle jedoch nur als Momentaufnahme: "Wir genießen das. Aber wir werden unsere Vorgehensweise nicht ändern, weil die Fans vier Minuten vor dem Ende vom Europapokal singen."

Im Gegensatz zu den Bayern schlugen die Mainzer aus ihrer Überlegenheit Kapital. Zum Auftakt des Oktoberfests erspielte sich der Titelverteidiger aus München beim 0:0 gegen Köln zwar rekordverdächtige 69 Prozent Ballbesitz, traf aber nicht ins Tor. Angesichts des schlechtesten Saisonstarts seit 33 Jahren gab sich Nationalspieler Philipp Lahm beunruhigt: "So langsam wird es schwer. Wir haben schon einen gewaltigen Abstand nach oben."

Bereits sieben Punkte trennen die Bayern nach nur vier Runden von Außenseiter Mainz. Dramatisch ist besonders die Torlos-Serie: Drei Liga- Spiele ohne Treffer, das war den Bayern zuletzt vor zwölf Jahren widerfahren. "Wir müssen unseren Weg weitergehen. Ich bin sicher, dass die Tore dann wieder fallen. Das ist nur eine Frage der Zeit", erklärte Trainer Louis van Gaal. Hoffenheim, das mit Andreas Ibertsberger auf der Bank in Kaiserslautern 2:2 spielte, liegt als Tabellenzweiter fünf Zähler vor dem Titelfavoriten - und hat im direkten Duell am Dienstag sogar die Chance, diesen Abstand noch zu vergrößern.

Ein großer Schritt aus der Krise gelang dem VfB Stuttgart. Nach zuvor drei Bundesliga-Niederlagen schoss sich der VfB wie schon beim Erfolg in der Europa League zwei Tage zuvor über Bern beim 7:0 im Heimspiel gegen Mönchengladbach den Frust von der Seele. Mönchengladbach-Trainer Michael Frontzeck attestierte seiner Elf nach der höchsten Bundesliga-Niederlage neben dem 0:7 gegen Werder Bremen am 30. April 1966 "einen peinlichen Auftritt". Bei Stuttgart hing hingegen nur 41 Stunden nach dem Europa-League-Erfolg gegen Bern (3:0) der Himmel voller Geigen. "Das war eine unglaubliche Leistung", meinte Sportdirektor Fredi Bobic.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel