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Prunkstück der 600.000-Einwohner-Stadt © APA (epa)

Es ist das neue Prunkstück von Poznan (Posen). In vollem Glanz erstrahlt es aber noch nicht. Das für die EURO 2012 neu gebaute,

Es ist das neue Prunkstück von Poznan (Posen). In vollem Glanz erstrahlt es aber noch nicht. Das für die EURO 2012 neu gebaute, mit einem futuristischen Dach ausgestattete Stadion Miejski glich auch Stunden vor dem ersten Fußball-Spiel zwischen Lech Posen und Red Bull Salzburg am Donnerstag noch einer riesigen Baustelle. Da wurden die letzten der insgesamt 43.090 Sitze montiert.

582 Millionen Zloty (146 Mio. Euro) hat sich die öffentliche Hand das Prestigeprojekt in der westpolnischen Provinzhauptstadt kosten lassen. Das "städtische Stadion", so die deutsche Übersetzung, ist nach fast sieben Jahren Bauzeit als erste der vier polnischen EM-Arenen fertiggestellt worden - oder zumindest eröffnet. Vergangene Woche hatte die britische Rock-Legende Sting aufgespielt. Erst danach war der neue Rasen verlegt worden.

Die Abschlusstrainings hatten der polnische Meister und sein österreichisches Pendant daher zur Schonung des Grüns am Mittwoch auf einem Nebenplatz abhalten müssen. Begehbar war dieser lediglich über Pressspanplatten, die eiligst im Morast verlegt worden waren - eine absurde Szenerie. "Wir wissen aber, wie schwierig das ist. Wir haben vor gar nicht allzu langer Zeit selbst einen neuen Rasen verlegt", erinnerte Salzburg-Trainer Huub Stevens.

Dabei hatten die Bauherren in Poznan in der vergangenen Woche keine Mühen gescheut. "Wir arbeiten seit vier Tagen durch - 24 Stunden am Tag, im Schichtbetrieb", erklärte ein Arbeiter. So lange er seinen Lohn bekomme, könne er damit leben. Der Koloss war im Rahmen eines internationalen Konsortiums unter Federführung des Salzburger Baukonzerns Alpine errichtet worden. Auftragsvolumen für die Österreicher: 89 Millionen Euro.

Zu tun gab es auch in den letzten 24 Stunden vor dem ersten Anstoß genug. "Das ist typisch für Polen. Rechtzeitig wird hier nie etwas fertig", scherzte ein polnischer Journalist. Dennoch ist die Vorfreude auf die EM bereits vielerorts zu spüren. Die Begeisterung für Fußball ist trotz mäßiger Leistungen des Nationalteams und der Clubmannschaften sowieso ungebrochen. Das beweist alleine das seit Tagen ausverkaufte Eröffnungsspiel.

"Das ist ein besonderer Tag. Man spielt nicht jeden Tag vor so einer Kulisse", erklärte Lech-Posen-Trainer Jacek Zielinski. "Wir sind stolz auf dieses Stadion." Tatsächlich ist das Miejski ein einzigartiger Bau. Die Fassade erinnert an jene der Allianz-Arena in München, das Interieur mit seinen steil aufragenden Tribünen birgt das Potenzial für einen Hexenkessel. Drei Gruppenspiele werden bei der EURO 2012 in Poznan ausgetragen.

Die EM wirft in der gesamten 600.000-Einwohner-Stadt ihre Schatten voraus. Straßen werden verbreitert, Millionen in den öffentlichen Verkehr investiert. "Wir wollen gute Gastgeber sein, daher nehmen wir auch die vielen Baustellen in Kauf", sagte ein Busfahrer. "Lustig ist der Verkehr derzeit aber nicht." Bis zum Großereignis soll sich die Lage entspannen. Und bis dahin ist auch der letzte Sitz im Stadion Miejski angeschraubt.

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