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Grauer Auswärtssieg schockt Austria © APA (Pfarrhofer)

Die Revanche ist geglückt. Mit einem 3:2-Erfolg in Wien hat Sturm Graz bei der Austria am Samstag erstmals seit knapp zwei

Die Revanche ist geglückt. Mit einem 3:2-Erfolg in Wien hat Sturm Graz bei der Austria am Samstag erstmals seit knapp zwei Jahren wieder drei Punkte entführt. Während die Steirer im Topspiel der 10. Runde den Abstand zur Tabellenspitze verkürzten, rannte der Vizemeister erneut vor den eigenen Fans in eine Pleite.

Nach drei Niederlagen in fünf Saisonauftritten im Horr-Stadion darf man wohl schon von einem Heimkomplex der Austria-Kicker sprechen. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen Wien-Favoriten als uneinnehmbare Festung für die Gäste galt. "Es ist schon frustrierend, dass wir zu Hause nicht mehr gewinnen können", meinte Austria-Coach Karl Daxbacher, der lange Zeit anderes gewohnt war: Unter seiner Ägide war man bis zu dieser Saison in 36 Heimspielen nur zweimal als Verlierer vom Platz gegangen.

Bereits gegen Ried und Innsbruck hatten die Violetten ohne ein Tor zu erzielen den Kürzeren gezogen. Gegen Sturm klappte es im Angriff, dafür ließ die Defensive in den entscheidenden Szenen die nötige Konsequenz vermissen. Nach dem 2:1 durch Kapitän Roland Linz (71.) leistete sich die junge Abwehrkette den Sieg vor Augen zwei Aussetzer. Imre Szabics (74.) und Roman Kienast (80.) drehten die Partie binnen weniger Minuten zum ersten Erfolg der Steirer im Horr-Stadion seit 2. November 2008. "Wir haben uns in einigen Situation zu naiv verhalten", bemängelte Daxbacher das Verhalten seiner Elf nach der Führung. "Da hätten wir viel tiefer und kompakter stehen müssen."

Sturm durfte hingegen nicht nur darüber jubeln, an die Tabellenspitze zumindest bis zum Sonntag bis auf einen Zähler heran gerückt zu sein, sondern auch, wieder einen der drei Topclubs in die Schranken gewiesen zu haben. Denn davor hatte der Cupsieger beginnend mit vergangener Saison in 14 Ligaduellen mit Salzburg, Rapid und Austria nur einen Erfolg gefeiert - und der lag bereits fast ein Jahr zurück (18. Oktober - 1:0 gegen Rapid). Ein Makel, der seit Samstag getilgt scheint.

"Es ist wichtig, dass wir gegen einen der sogenannten großen Drei gewonnen haben", meinte Torschütze Kienast. Und Joachim Standfest bemerkte zu Recht: "Das ist uns schon vorgehalten worden." Der Ex-Austrianer sah die im Unterschied zu Sturm durchwachsen in die Saison gestarteten Titelkandidaten aber dennoch als Hauptkonkurrenten um die vorderen Plätze. Kienast übte sich nach seinem siebenten Saisontreffer in punkto Nationalteam aber in Bescheidenheit: "Es sind auch andere gute Stürmer im Team, und warum sollte der Teamchef das ändern."

"Wir sollten schauen, dass wir so viele Punkte wie möglich machen. Die drei Großen werden sicher noch aufholen. Derzeit schaut das aber ganz gut aus", erklärte Standfest. Sein Trainer Franco Foda zeigte sich nach einem sehr guten und attraktiven Spiel von beiden Seiten einfach nur "sehr glücklich, bei der Austria wieder gewonnen zu haben".

Ganz anderer Erklärungsbedarf war im violetten Lager vorhanden. "Auswärts hui, zu Hause pfui" lautet derzeit offenbar das Motto der Austria. In der Ferne seit Mitte März unbesiegt, wird die Daxbacher-Elf nach zehn Runden in der Heimtabelle als drittschlechteste Mannschaft vor dem LASK und Mattersburg geführt. Um den Titel mitreden wird die Austria mit dieser Bilanz nicht können.

"Der Sieg in Graz zählt bei weitem nicht so viel, wie wir uns vorgestellt haben", umriss Teamspieler Florian Klein das derzeitige Dilemma. Groß war die Enttäuschung auch deshalb, weil die Austria die Partie nach dem 0:1 durch Andreas Hölzl (12.) dank Peter Hlinka (35.) und Linz bereits gedreht hatte - ehe Sturm dies ebenso tat. "Wir hätten heute gewinnen müssen", meinte Linz. Von einem mentalen Problem wollte der Stürmer aber nichts wissen: "Wir Spieler haben das, glaube ich, nicht wirklich im Kopf, von daher ist das kein Thema."

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