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Jubel bei der DFB-Elf © APA (dpa)

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich auch von 40.000 fanatischen Gäste-Fans im mit 74.000 Zuschauern voll besetzten

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich auch von 40.000 fanatischen Gäste-Fans im mit 74.000 Zuschauern voll besetzten Berliner Olympiastadion nicht beeindrucken lassen. Der WM-Dritte nahm am Freitagabend mit dem souveränen 3:0-(1:0)-Erfolg im Spitzenduell mit der Türkei in der Österreich-Gruppe A Kurs auf die EM 2012 in Polen und der Ukraine.

"Es war schon eine besondere Situation, die türkischen Fans waren in der Mehrheit. Das war fast schon ein Auswärtsspiel für uns", meinte DFB-Teamchef Joachim Löw nach dem dritten Sieg im dritten EM-Quali-Match.

Der Erfolgscoach war vor allem mit der "Top-Laufleistung" und "unglaublichen Willenskraft" seiner Mannschaft "absolut zufrieden". Schlüssel zum Erfolg war neben dem wieder einmal perfekten Torriecher von Bayern-Stürmer Miroslav Klose, der den ersten und dritten Treffer erzielte, vor allem das mit zunehmender Spieldauer immer deutlicher werdende Übergewicht der Deutschen im Mittelfeld, in dem Mesut Özil perfekt die Fäden zog. Mit seinem Tor zum 2:0 stellte der Sohn türkischer Einwanderer, der auch viel für die Defensive tat, die Weichen endgültig auf Sieg. Es war seine persönliche Antwort auf das demütigende Pfeifkonzert der großen Schar der Türkei-Fans.

Özil hätte also in strahlender Siegerpose von dannen ziehen können, doch nach dem emotional schwierigsten Spiel seiner Karriere verschwand der 21-Jährige wortlos durch die Hintertür. Eine Knöchelblessur ersparte dem Ballzauberer den Gang durch die Katakomben des Olympiastadions, vorbei an Kameras und Mikrofonen. Auf bohrende Fragen nach seiner Befindlichkeit konnte Özil an diesem bewegenden Abend verzichten.

Andere wären wohl unter den penetranten Unmutsäußerungen von den Tribünen spielerisch eingebrochen, nicht aber Real-Madrid-Jungstar Özil. "Mesut ist ein Spieler, der sich auf die entscheidenden Dinge konzentrieren kann, der mental stark ist. Mesut hat sich davon nicht beeindrucken lassen. Das hat er auch gezeigt", lobte Löw seinen Regisseur.

Nach den aufgebrachten Berliner Tagen wird Özil nun die Reise zum Auswärtsspiel am Dienstag gegen Außenseiter Kasachstan wie ein Erholungsurlaub vorkommen. Endlich weg aus dem Scheinwerferlicht. Endlich keine Fragen mehr zu Herkunft, Integration und Nationalgefühl. Inwiefern die Fußblessur ihn in Astana behindern wird, ist noch nicht geklärt. Am Freitagabend war sie jedenfalls willkommener Türöffner für den Hinterausgang, denn die UEFA-Statuten erlauben Verletzten einen kommentarlosen Abgang.

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