vergrößernverkleinern
Der belgische Abwehrhühne Daniel van Buyten © APA (epa)

In seinem äußeren Erscheinungsbild erinnert Daniel van Buyten in keiner Weise an einen harmoniebedürftigen Familienmenschen.

In seinem äußeren Erscheinungsbild erinnert Daniel van Buyten in keiner Weise an einen harmoniebedürftigen Familienmenschen. Stets mit voller Leidenschaft bei der Sache, schont der 1,96-Meter-Hüne mit 96 Kilo Kampfgewicht auf dem Fußball-Platz weder den Gegner noch sich selbst. Doch abseits des Rasens, in seinem engsten privaten Umfeld, schiebt der belgische Kapitän eine ruhige Kugel.

Oft reist der Bayern-Legionär von München nach Belgien, um seine Eltern zu besuchen. "Mein Leben und meine Karriere sind durch ihre bedingungslose Unterstützung gekennzeichnet. Sie waren immer an meiner Seite und haben mich immer unterstützt. Ich liebe sie über alles und bin ihnen viel schuldig", bekannte der 32-Jährige.

Seine Mutter Renata stammt aus Hannover, wo sie ihren späteren Ehemann kennenlernte. Franz van Buyten tingelte in den 1960er-Jahren als Wrestler durch Europa und war auch am Wiener Heumarkt ein gefeierter Star. Dass der Filius in seine Fußstapfen tritt, wusste Van Buyten senior aber zu verhindern. "Am Anfang wollte ich lieber Catcher werden, wie mein Vater. Doch er fand diese Sportart zu gefährlich, deshalb hat er mich zum Fußball hin orientiert."

Dieser Schritt sollte sich bezahlt machen: Van Buyten heuerte zunächst als Stürmer bei Charleroi an und erzielte als 19-Jähriger in der zweiten Mannschaft 36 Tore in einer Saison. Schnell stieg der fleißige Trainierer, der zwischen seinem 17. und 20. Lebensjahr um 30 Zentimeter in die Höhe schoss, in die Kampfmannschaft auf und landete 1999 bei Standard Lüttich, wo er sich endgültig auf die Position im Abwehrzentrum festlegte. Zwei Jahre später ging es bis 2004 zu Olympique Marseille, es folgten Engagements bei Manchester City und dem Hamburger SV, ehe er 2006 bei den Bayern unterschrieb.

Mit dem deutschen Rekordmeister gewann Van Buyten 2008 und 2010 jeweils das Double und schaffte es im vergangenen Mai bis ins Champions-League-Finale, wo man gegen Inter Mailand den Kürzeren zog. Trotz seiner Rolle als Innenverteidiger brachte es der Belgier bei den Bayern in 106 Liga-Spielen auf immerhin 14 Tore, darunter waren so wichtige Treffer wie das 2:1 kurz vor Schluss gegen Hoffenheim vor wenigen Wochen.

Dieses Tor widmete Van Buyten seinem Vater, der im April 2009 einen Schlaganfall erlitten hat und noch immer von den Folgen gezeichnet ist. "Er wird nie mehr so sein wie früher, an dieser Vorstellung musste ich lange knabbern. Es geht mir wieder etwas besser, aber die Erinnerung an das, was passiert ist, macht mir zu schaffen. Ich wusste damals nicht, wie es weitergehen soll", sagte der Abwehrspieler, der in dieser Zeit sogar über ein Karriereende nachdachte.

Mittlerweile hat Van Buyten aber wieder Zuversicht getankt - nicht zuletzt dank der Geburt seiner Tochter Lou-Ann im August. " Die Freude, dass es jetzt diesen Menschen in unserem Leben gibt, überstrahlt alles. Das Leben von meiner Freundin Celine und von mir dreht sich momentan nur um die Kleine, unser ganzer Tagesablauf richtet sich nach ihr", berichtete der Verteidiger.

Böse Zungen behaupten, dass genau dies der Grund für Van Buytens jüngste Fehleranfälligkeit sei. Der 58-fache Internationale (9 Tore) hat mit schnellen, wendigen Spielern immer mehr Probleme und war zuletzt an Bayerns Gegentreffern gegen Mainz und Basel beteiligt. Außerdem wurde ihm das entscheidende 0:1 der Belgier in der EM-Qualifikation vor eigenem Publikum gegen Deutschland angekreidet. Van Buyten sprach daraufhin von "medialer Lynchjustiz" und antwortete mit zwei Toren gegen die Türkei, konnte aber damit das 2:3 in Istanbul auch nicht verhindern.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel