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Rechtsextreme Hooligans sorgten für Abbruch © ANSA

Die serbische Öffentlichkeit steht nach den gewaltsamen Ausschreitungen serbischer Hooligans in Genua erneut unter Schock. Erst

Die serbische Öffentlichkeit steht nach den gewaltsamen Ausschreitungen serbischer Hooligans in Genua erneut unter Schock. Erst am Sonntag hatten nationalistische Organisationen gemeinsam mit Fußball-Fans bei einer Belgrader Homosexuellen-Parade für Krawalle gesorgt.

Der Staat müsse endlich der Gewalt bei Sportveranstaltungen Herr werden, erklärte Sportministerin Snezana Samardzic-Markovic nach den Ausschreitungen am Dienstagabend. Sie forderte eine energische Reaktion der Justiz.

Der Präsident des serbischen Fußballverbandes Tomislav Karadzic war überzeugt, dass die Ausschreitungen von langer Hand vorbereitet worden waren. "Dies war nicht nur ein Angriff auf den Fußballverband, sondern auch auf den Staat", erklärte Karadzic. Das Boulevardblatt "Press" behauptete am Mittwoch unter Berufung auf Polizeiquellen, dass hinter den Randalierern flüchtige serbische Mafiabosse stecken, die nach den Krawallen vom Sonntag Chaos stiften wollten.

Die Ausschreitungen in Genua seien laut "Press" militärisch organisiert gewesen, mit dem Fußball habe dies nichts zu tun gehabt. Es gebe Pläne, breitere Unruhen in Serbien auszulösen, meinte die im Blatt zitierte Quelle auch in Anspielung auf den flüchtigen Mafia-Boss Darko Saric. Von offiziellen Stellen wurden die Angaben allerdings nicht bestätigt. Der Staatssekretär des Justizministeriums, Slobodan Homen, meinte gegenüber dem TV-Sender B-92, dass sich die Krawalle gegen den europäischen Weg Serbiens richten würden.

Eine andere Frage, jene über die allzu langsame Reaktion der Justiz auf die sich immer wieder wiederholenden Ausschreitungen, bleibt indes unbeantwortet. B-92 berichtete im Vorjahr über Hunderte Strafanzeigen gegen Fußballfans, die von der Justiz nie behandelt worden seien. Die Autorin der Sendung Brankica Stankovic, erhielt daraufhin Morddrohungen. Das Problem der randalierenden Fans blieb ungelöst.

Das serbische Verfassungsgericht sollte erst am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Verbot von 14 extremistischen Fußball-Fangruppen diskutieren. Er wurde vor einem Jahr nach dem Tod eines französischen Toulouse-Fans vor einem Europacup-Spiel gegen Partizan Belgrad gestellt. Es dürfte noch Monate dauern, bis das Verfassungsgericht in dieser Causa eine Entscheidung fällt. Vor einem anderen Gericht begann ebenfalls am Mittwoch der Prozess gegen jene auch Hooligans umfassende Gruppe, die im März 2004 die einzige Belgrader Moschee in Brand gesteckt hatte.

Das Problem der gewaltbereiten Fußballfans hat seine Wurzeln in den frühen 1990er Jahren. Damals wurden junge Randalierer vom Regime von Slobodan Milosevic immer wieder gegen die Opposition eingesetzt. Später kamen sie auch gegen das Regime zum Einsatz. In den Stadien kommt es vor allem im Belgrader Derby zwischen Partizan und Roter Stern zu regelmäßigen Ausschreitungen, die in den vergangenen 20 Jahren auch einige Todesopfer gefordert haben.

Der nach dem unterbrochenen Fußballspiel in Genua festgenommene Anführer der Randalierer steht an der Spitze einer Fangruppe von Roter Stern. In Belgrad wurden gegen den Anführer der als "Ultra Boys" bekannten Gruppierung, einem 29-jährigen arbeitslosen Mann, bisher vier Strafanzeigen erhoben. Die "Ultra Boys" ist eine jener Fan-Gruppen, für die die Staatsanwaltschaft ein Verbot beantragt hat.

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