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Innsbrucks Burgic im Zweikampf mit Soma © APA (Hochmuth)

Der Aufstand der vermeintlich "Kleinen" in der Fußball-Bundesliga hat am Samstag in der 11. Runde einen neuen Höhepunkt

Der Aufstand der vermeintlich "Kleinen" in der Fußball-Bundesliga hat am Samstag in der 11. Runde einen neuen Höhepunkt erreicht. Meister Salzburg kassierte mit dem 0:2 gegen Kapfenberg die erste Heimniederlage. Cupsieger Sturm Graz verlor vor heimischem Publikum gegen SV Ried 0:1. Und Rapid kam ebenfalls zu Hause über ein 1:1 gegen Aufsteiger Innsbruck nicht hinaus.

Dafür gab es für den LASK ein seltenes Erfolgserlebnis. Die Linzer verließen mit einem 2:1-(0:1)-Sieg im Paschinger Waldstadion gegen den Tabellenvierten Wiener Neustadt den Abstiegsplatz und gaben die Rote Laterne vorerst an die Mattersburger, die jedoch erst am Sonntagnachmittag auf Vizemeister Austria Wien trafen, weiter. Es war erst der zweite Saisonsieg für das Team von Helmut Kraft. "Wir haben heute einen großen Schritt nach vorne gemacht und gezeigt, dass wir gegen gute Mannschaften mithalten und gewinnen können", lautete der zufriedene Kommentar von Daniel Sobkova, der mit seinem Ausgleichstreffer die Wende eingeleitet und die Wr. Neustädter Torsperre nach 425 Minuten gebrochen hatte.

Salzburg musste dagegen fünf Tage vor dem Europa-League-Heimspiel gegen Italiens Rekordmeister Juventus Turin einen herben Rückschlag hinnehmen. "Das war eine sehr enttäuschende Leistung", lautete der treffende Kommentar von Bullen-Coach Huub Stevens, der sich zum wiederholten Mal über die fehlende Leidenschaft in seiner derzeit stark ersatzgeschwächten Truppe ärgerte - ebenso wie die nur 7.300 Zuschauer, die in Scharen schon vor dem Schlusspfiff das Stadion Wals-Siezenheim verließen. Die Salzburger haben den für Sonntag geplant gewesenen Familien-Tag in der Stiegl-Brauwelt kurzerhand "auf unbestimmte Zeit" verschoben, um sich auf sportliche Aufgaben zu konzentrieren.

Sturm-Coach Franco Foda schlug in dieselbe Kerbe wie sein niederländischer Kollege. "Was wir analysieren müssen ist, dass einige Spieler ihre Leistungen nicht abrufen können, wenn es um viel geht. Da können sie mit dem Druck nicht umgehen", übte der Deutsche Kritik an seinem Team, das eine große Chance auf die Tabellenführung ausgelassen hatte.

Die Fans von Rapid - die Mannschaft ist nun Sechster in der Tabelle - waren dagegen nicht über die Leistung ihrer Mannschaft, sondern über jene des Schiedsrichters erzürnt. Referee Bernhard Brugger stellte Flügelflitzer Veli Kavlak in Minute 29 wegen einer vermeintlichen Schwalbe mit Gelb-Rot vom Platz und hatte unmittelbar zuvor den Hütteldorfern einen Elfer vorenthalten. "Man würde es sich zu einfach machen, alles auf den Schiedsrichter zu schieben", meinte Rapid-Coach Peter Pacult, der sich in den jüngsten sechs Runden nur über einen Sieg freuen durfte. Gleichzeitig betonte er aber: "Aufgrund der Umstände muss man dann mit dem Punkt zufrieden sein."

Auffällig ist vor allem Rapids bescheidene Offensivbilanz. Zwölf erzielte Treffer nach elf Spielen ist die schlechteste Ausbeute seit der historisch miserablen Saison 2001/02 unter der Leitung von Lothar Matthäus. Vor einem Jahr hatten die Grün-Weißen zum selben Zeitpunkt bereits 26 Volltreffer markiert gehabt.

Während die drei Großclubs ihre Wunden leckten, waren die Trainer ihrer Gegner voller Stolz. "Wir können mit jeder Mannschaft mithalten, das haben wir bewiesen. Das war ein packendes, interessantes Spiel", lautete das zufriedene Zwischenresümee von Innsbruck-Coach Walter Kogler, dessen Mannen in bisher zehn Liga-Spielen nur eine einzige Niederlage kassiert haben und punktegleich mit Ried an der Spitze stehen. Ried-Trainer Paul Gludovatz freute sich indes, dass seine SV Ried zum Publikumsrenner wird. "Wir durften zum vierten Mal vor ausverkaufter Kulisse spielen. Da ist ein gewisser Respekt vor den sogenannten kleinen Riedern da", meinte der Burgenländer.

Die größte Freude war am Samstagabend aber Kapfenberg-Trainer Werner Gregoritsch nach dem sensationellen Ergebnis in Salzburg anzusehen. "Ich muss den Spielern gratulieren, weil das ein großer Tag für den KSV ist", erklärte der Steirer, für den der Sieg über den Meister doppelt wertvoll war. "Für uns sind solche Spiele sehr wichtig, weil wir eine sehr junge Mannschaft haben und solche Erfolgserlebnisse wichtig für das Selbstvertrauen sind."

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