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Die 19-Jährige lässt sich überraschen © APA (Archiv/Gindl)

Für Daniel Albrecht kommt der Riesentorlauf von Sölden als Comeback-Rennen noch zu früh. Seine Schweizer Landsfrau Lara Gut,

Für Daniel Albrecht kommt der Riesentorlauf von Sölden als Comeback-Rennen noch zu früh. Seine Schweizer Landsfrau Lara Gut, der Finne Kalle Palander und die Tirolerin Nicole Hosp wollen sich hingegen im Gletscherschnee zurückmelden. Und an frühere erfolgreiche Zeiten anknüpfen.

Das hat auch die erst 19-jährige Gut vor, die im Februar 2009 bei den Weltmeisterschaften in Val d'Isere Silbermedaillen in Abfahrt und Super-Kombination errang und ein paar Monate später in ihrem Aufstieg jäh gebremst wurde.

Luxation der rechten Hüfte, Einriss der Hüftkapsel, Operation und drei Monate Pause. Für die Tessinerin hatte der Unfall im Riesentorlauftraining oberhalb von Saas Fee am 29. September 2009 bitter geendet. Der Ehrgeiz des als Jahrhunderttalent gepriesenen kleinen Wirbelwindes war aber ungebrochen, die Olympischen Bewerbe von Whistler waren lange noch in ihrem Kopf, bis dann doch die Vernunft siegte. Sie ließ den ersten möglichen Skitag am 10. Jänner verstreichen und stand erst am 10. Februar wieder auf Skiern.

"Am Anfang hatte ich Angst. Es gibt viele Talente, die sich mal verletzt haben und nie zurückkommen. Oder sie verletzten sich jedes Jahr wieder. Das wollte ich nicht. Ich wollte nicht, dass man irgendwann sagt, man hat sie verheizt, sie wollte zu schnell zurück oder das hat sie nicht gut gemacht", erklärte Gut im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. Also habe sie sich gedacht, sie sei ja erst 18 und habe Zeit. "Und Olympia gibt es 2014 und 2018 auch. Es bringt nichts, in Kanada zu starten und nach drei Toren kaputt zu sein, weil ich müde bin und keine Kraft mehr habe. Jetzt kann ich sagen, das war die richtige Entscheidung."

So leicht wie es klingt, ist das Pausieren- und das Zuschauen-Müssen anfänglich dann aber doch nicht gewesen. "Sölden hat mir wirklich Schmerzen bereitet, weil ich zu Hause war mit der total kaputten Hüfte und mich nicht bewegen konnte. Ich wusste nicht, ob ich irgendwann wieder zurückkommen würde. Aber wenn du dann wieder laufen kannst, vergisst du, was die anderen machen. Von Olympia habe ich nur die Abfahrt gesehen, ich habe mich einfach auf mein Skifahren konzentriert. Ich habe gespürt, dass es geht, und ich das wieder schaffen sollte."

Bis Dezember war Gut auf Krücken unterwegs, im Februar hat sie mit freiem Skifahren angefangen, Mitte März mit Stangentraining. Im April folgte wie jedes Jahr eine Pause, im Mai ging es erstmals auf den Gletscher. Nach einem siebenwöchigen Konditionstraining freute sie sich dann schon wieder auf die Schneetage. "Im Mai war ich vom Gefühl her auf dem Stand wie die Kollegenschaft. Mein Vorteil war, dass ich nicht müde sondern fit war, dass ich mich nicht vom Winter erholen musste", erzählte die Schweizerin.

Was Gut von sich sagt, ist, dass sie sehr gut trainiert und alles getan hat, um wieder topfit und super vorbereitet zu sein. Wie sich das auf dem Rettenbachferner in Zeiten oder Platzierungen auswirken wird, das will sie vorher eigentlich überhaupt nicht wissen. "Es gibt Rennen dafür. Es bringt mir nichts, zu wissen, dass ich langsam bin. Dann starte ich in Sölden und weiß, das sich sowieso verliere. Ich lasse mich lieber überraschen. Ich freue mich jetzt drauf, am Start zu stehen und wieder eine Startnummer zu haben. Das wird sicher ein geniales Gefühl sein." Natürlich hoffe sie, dass sich auch im Ziel ein ähnliches Gefühl einstellen werde.

Sprachentalent Gut ("Es sind fünf, dabei bleibt es auch. Chinesisch oder Russisch kommen nicht in Frage, nach Sotschi reise ich mit einem Wörterbuch") lernt auf ihren Ski-Reisen für die Matura und muss sich meistens weder dazu noch zum Trainieren zwingen. "Wir leben nur einmal. Ich kann mein ganzes Leben ernst und seriös haben, oder ich kann es als Spaß leben. Wenn man Spaß dabei hat, kann man mehr machen als umgekehrt."

Seit dem Unfall habe sie auch gelernt, besser zu relativieren. "Ich ärgere mich nicht mehr, wenn die Bedingungen nicht ideal waren und ich einen Tag schlecht gefahren bin. Jetzt weiß ich, dass ich es kann. Okay, heute ist es scheiße gegangen, morgen schaffe ich das wieder", meinte die Gewinnerin von bisher einem Weltcup-Super-G, die ihre Vorbereitung abseits des Swiss-Teams durchgezogen hat.

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