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Pele wurde dreimal Weltmeister © APA (epa)

Er ist immer noch "O Rei", der König aller Fußball-Könige: Kaum ein Fußballer hat die Fans mehr verzaubert als Pele, der am

Er ist immer noch "O Rei", der König aller Fußball-Könige: Kaum ein Fußballer hat die Fans mehr verzaubert als Pele, der am Samstag seinen 70. Geburtstag feiert. Edson Arantes do Nascimento, der dreifache Weltmeister aus Brasilien, scheint jedoch kaum älter zu werden. Er hält sein Gewicht und sein strahlendes Lächeln mit blitzweißen Zähnen ist seit Jahrzehnten eines seiner Markenzeichen.

Der Katholik weiß um seinen Weltruf, aber auch um seine Vergänglichkeit. "Pele ist unsterblich und Edson hat keine Angst vor dem Älterwerden und auch nicht vor dem Sterben", sagte er einmal in einem Interview.

Auf Pele sind kurz vor seinem runden Geburtstag unzählige Anfragen zu Feiern, Ehrungen und Interviews aus aller Welt eingeprasselt. "Pele wird seinen 70. Geburtstag auf die gleiche Art und Weise feiern wie die 69 zuvor: nur mit seiner Familie", sagte sein Sprecher Pepito Fornos. Pele selbst antwortete in einem Rundschreiben: "Meine teuren Brüder: Ich bedanke mich für die Einladung, aber das schönste Geschenk zu meinem 70. ist Gesundheit, Anerkennung und die Liebe aller, die mich in all den Jahren überall auf der Welt unterstützt und gefördert haben."

Für Brasiliens Nationalspieler war der einst so begnadete Fußballer mit der Rückennummer 10 in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur Idol, sondern oft auch Schreckgespenst. Immer wieder überzog er seine Nachfolger im kanariengelben Trikot und vor allem die Trainer mit Kritik. Zumal die "Selecao" nach den Triumphen 1958, 1962 und 1970 mit Pele nur 1994 und 2002 Weltmeister war und zuletzt 2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika mehr oder wenig kläglich scheiterte. "Wenn er schweigt, ist er ein Poet", sagte Ex-Stürmerstar Romario einmal über Pele.

Verbale Scharmützel liefert sich Brasiliens Idol immer wieder mit seinem Erzfeind Maradona. Der Weltverband FIFA hatte die beiden 2000 zum "Fußballer des Jahrhunderts" gekürt, im Grunde beansprucht jeder die Alleinherrschaft. "Er war ein großer Spieler, aber ein negatives Beispiel", sagte Pele erst vergangene Woche über Maradona. "Wen interessiert, was Pele sagt? Der gehört doch ins Museum", konterte wiederum der Argentinier. Ein "eigenes" Museum - das kann Pele bald für sich beanspruchen: Im Juli begannen in Santos die Bauarbeiten zum "Museu Pele". Der neun Millionen Euro teure und 3000 Quadratmeter große Bau soll 2012 fertig sein.

Beim FC Santos erhielt der Schuhmacherlehrling 1956 einen Vertrag und debütierte mit 15 in der ersten Mannschaft. Mit 16 Jahren und 257 Tagen spielte der Ballzauberer erstmals in der Nationalelf und erzielte beim 1:2 gegen Argentinien gleich einen Treffer. 1958 nahm Nationaltrainer Vicente Feola den 17-Jährigen mit zur WM nach Schweden. Dort ging der Stern von Pele auf und er ist bis heute der jüngste Weltmeister der Fußball-Geschichte. 1962 in Chile, als Brasilien seinen Titel verteidigte, verletzte sich der brasilianische Stürmer bereits im zweiten Vorrundenspiel und kam nicht mehr zum Einsatz.

1970 führte Pele Brasilien wieder auf den Weltmeisterthron. Ein Jahr zuvor hatte er mit einem verwandelten Elfmeter für den FC Santos gegen Vasco da Gama im Maracana-Stadion sein 1000. Tor erzielt - ein Fest im ganzen Land, sogar die Kirchenglocken läuteten. Der 92-fache Nationalspieler ließ seine Karriere dann bei Cosmos New York ausklingen und verhalf zusammen mit Franz Beckenbauer dem amerikanischen Fußball zu kurzer Aufmerksamkeit.

Seine Verbindung zum Warner-Konzern war auch sein Sprungbrett in die Geschäftswelt. Pele nutzte in den kommenden Jahrzehnten seinen Namen auf gewinnbringende Weise. Im WM-Jahr 2006 wurden seine Werbeeinnahmen auf drei Millionen Euro jährlich geschätzt. Anders als viele seiner Kollegen achtete er stets sorgsam auf sein Image. "Ich habe viel Werbung gemacht, aber nie für alkoholische Getränke, Politik, Religion oder Tabak", erklärte Pele, der aber auch schon für Potenzmittel warb, und dafür in seiner Heimat belächelt wurde.

Pele machte Ausflüge ins Filmgeschäft und in die Politik (1994 wurde er Sportminister). Auf der Bühne der Fußballpolitik konnte und wollte er sich nie profilieren. Für seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft im Alter von nur 30 machte er den damaligen Verbandspräsidenten Joao Havelange verantwortlich, den heutigen Spitzenfunktionär Ricardo Teixeira bezichtigte er der Korruption.

Auch privat hat Pele viele Steilpässe angenommen. Sieben Kinder hat er - darunter zwei Uneheliche -, zweimal ging eine Ehe in die Brüche. 1995 wurde die inzwischen verstorbene Verkäuferin Sandra Machado nach einem vierjährigen Rechtsstreit zu seiner Tochter erklärt. "Der Bürger Edson Arantes do Nascimento hat alle Höhen und Tiefen des Lebens gemeistert, gelacht, geweint, viele Schmerzen erleiden müssen, viele Triumphe ausgekostet. Er ist sterblich. Pele ist dagegen unsterblich, wird immer der Traum aller Kinder bleiben, wird immer strahlen, wird nie Schmerzen empfinden müssen", sagte Pele einmal.

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