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Sturm kletterte vorübergehend an Tabellenspitze © APA (Leodolter)

Sturm Graz und Austria Wien haben ihren Anspruch auf einen Fixplatz im Titelrennen untermauert. Die zwei Spitzenclubs setzten

Sturm Graz und Austria Wien haben ihren Anspruch auf einen Fixplatz im Titelrennen untermauert. Die zwei Spitzenclubs setzten sich in den Samstag-Spielen der 12. Runde gegen die Außenseiter Kapfenberg bzw. LASK souverän durch. Einen unerwarteten Ausrutscher leistete sich hingegen Ried vor eigener Kulisse gegen Mattersburg. Die Burgenländer gaben die "Rote Laterne" damit wieder an die Linzer ab.

Eine gnadenlos effektive Sturm-Mannschaft übernahm mit einem 4:0 im Franz-Fekete-Stadion von Kapfenberg zumindest bis Sonntag die Tabellenspitze. Zu glänzen vermochte im steirischen Bundesliga-Derby vor allem Torjäger Roman Kienast, der seine Elf mit Toren zum 2:0 und 3:0 (52., 78.) auf die Siegesstraße beförderte. Für den Führenden der Torschützenliste (9 Tore) war es bereits sein zweites Doppelpack gegen den KSV in dieser Saison.

Von einem durch ein Eigentor von Milan Fukal (31.) eingeleiteten Spaziergang in Kapfenberg wollte Kienast aber nichts wissen. "Es war auch ein bisschen ein glücklicher Sieg", meinte der Salzburger, der "nicht auf die Tabelle schauen" wollte. Kapfenbergs Coach Werner Gregoritsch, der mit einem 2:0 in Salzburg zuletzt für eine Sensation gesorgt hatte, sah es ähnlich. "Nach dem Sieg gegen Salzburg war die Erwartungshaltung bei uns sehr groß. Der Unterschied war Roman Kienast."

Dass die Grazer in Kapfenberg kein gern gesehener Gast sind, bleibt damit weiter Fakt. Seit Mai 1958 warten die "Falken" bereits auf einen Heimerfolg gegen Sturm. "Es gibt Mannschaften die uns liegen - und solche, die uns nicht liegen", erklärte Gregoritsch nach der höchsten Heimniederlage seiner Elf seit dem 0:4 gegen Rapid Ende Mai 2009.

In Wien beendete die Austria ihre vier Spiele andauernde Heimmisere und holte mit einem 4:1 gegen den LASK nach über drei Monaten wieder einen Sieg im Horr-Stadion. Die Violetten glänzten gegen die harmlosen Linzer mit Kurzpassspiel, einziges Manko blieb die Chancenauswertung. Roland Linz und Co ließen gegen das Schlusslicht zahlreiche Möglichkeiten ungenutzt. "Wir müssen uns auch an die Nase greifen, weil wir sechs, sieben Tore hätten schießen können", meinte Regisseur Zlatko Junuzovic über Austrias einziges Manko.

Nach einer spielerisch starken Darbietung lobte der gewöhnlich kritische Austria-Trainer Karl Daxbacher sein Team fast überschwänglich. Besonders ins Auge stach der 20-jährige Dario Tadic, der sich bei seiner Heimpremiere für die Profis mit einem Doppelpack (30., 35.) für weitere Einsätze empfahl. "Es war mein Glück, dass Jun verletzt ist. Aber ich habe im Training eine gute Leistung gebracht und hoffe, dass es so weiter geht", meinte der Stürmer mit bosnischen Wurzeln.

Während die Austria den dritten Sieg in Serie und den Sprung auf Platz drei bejubelte, haderte der auswärts weiter erfolg- und harmlose LASK mit seiner Chancenlosigkeit. "Die Leistung war letztklassig. Es war keine Bewegung im Spiel, so kann man nicht Fußball spielen", meinte Routinier Christian Mayrleb, der forderte: "Wir müssen uns jetzt gegenseitig in den Hintern treten." Nach dem bejubelten 2:1 gegen Wr. Neustadt in Vorwoche wurden dem LASK die Grenzen in Wien aufgezeigt.

"Die Austria war übermächtig, wir haben uns nicht einmal im Ansatz wehren können. Wir waren wie die Maus vor der Schlange paralysiert", meinte Trainer Helmut Kraft, der nach dem Rückfall ans Tabellenende in Linz erneut im Schussfeld stehen wird. Von einer Trainerdiskussion wollte zumindest Torhüter Thomas Mandl aber nichts wissen: "Vor einer Woche war alles noch eitel Wonne, jetzt steht wieder der Trainer zur Diskussion, das ist Schwachsinn."

Mattersburgs Lohn für das 3:1 in Ried war ein Heurigenbesuch. Eben diesen versprach Trainer Franz Lederer, nachdem Patrick Bürger (9., 60.) und Ronald Spuller (39.) für den zweiten Auswärtserfolg des SVM en suite gesorgt hatten. "Von uns hat keiner etwas erwartet, vielleicht war das unsere große Chance. Vielleicht hat uns Ried auch nicht so ernst genommen, wir haben eiskalt zugeschlagen", meinte Bürger nach seinen Saisontoren fünf und sechs. Sein Sturmpartner Ilco Naumoski ortete nach dem dritten Saisonsieg "einen richtigen Schritt in die richtige Richtung".

Nicht gut zu sprechen war nach der Partie Rieds Trainer Paul Gludovatz auf sein Gegenüber Lederer. Dieser soll sein Team dazu angehalten haben, Rieds Torhüter Wolfgang Hesl bei Standards in die Mangel zu nehmen. "Da unterstell ich dir Absicht", brüllte der Burgenländer Gludovatz seinen engeren Landsmann während des Spiels an. Beide wollten nach Schlusspfiff auf den Disput nicht näher eingehen.

Für Ried war es eine Woche vor dem oberösterreichischen Derby in Linz gegen den LASK ein Warnschuss. Gludovatz kam dies laut eigener Aussage gar nicht so ungelegen: "Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, wenn man vor dem Derby so richtig eine reinbekommt, daher bin ich gar nicht so unglücklich über die Niederlage."

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