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Trimmel geht im Strafraum zu Boden © APA (Kugfoto)

Einen strahlenden Sieger hat der große Schlager der 13. Bundesliga-Runde nicht hervorgebracht, dafür aber jede Menge Frust.

Einen strahlenden Sieger hat der große Schlager der 13. Bundesliga-Runde nicht hervorgebracht, dafür aber jede Menge Frust. Salzburg-Trainer Huub Stevens ärgerte sich am Sonntag nach dem 1:1 in Wals-Siezenheim gegen Rapid über den Auftritt der eigenen Mannschaft, sein Wiener Gegenüber Peter Pacult verordnete sich gleich ein Schweigegelübde.

Er gab lediglich zu Protokoll, er freue sich über die "tolle Leistung" seiner Truppe. Nach wenigen Sätzen verließ Pacult - ohne Fragen zu beantworten - die Pressekonferenz, davor hatte er schon die obligatorischen TV-Interviews verweigert. Dem 51-Jährigen lagen wohl noch immer die Ereignisse der 53. Minute im Magen, als Rapid keinen Elfmeter bekommen hatte, nachdem Christopher Trimmel als Reaktion auf den herauseilenden Goalie Gerhard Tremmel im Strafraum zu Boden gegangen war.

Pacult ließ seinem Unmut unter anderem durch das Wegkicken einer Trinkflasche freien Lauf. "Es sind keine bösen Worte in meine Richtung oder in die Richtung des vierten Offiziellen gefallen. Aber es war bei der Rapid-Bank zu viel Emotion dabei, die durchaus verständlich war", begründete Schiedsrichter Thomas Einwaller seine Entscheidung, Pacult vom Trainersessel zu verweisen.

Der Rapid-Coach trat daraufhin nicht wie allgemein üblich den Weg auf die Tribüne an, sondern stürmte schnurstracks in die Kabine, wo er die Partie via Fernsehen weiterverfolgte. Anordnungen wie etwa Auswechslungen übermittelte Pacult laut TV-Bildern über seinen Pressesprecher. Laut Bundesliga-Statuten ist eine Kontaktaufnahme verboten, sobald der Trainer von der Ersatzbank verbannt wird.

Schwerwiegende Konsequenzen hat Pacult aber wohl nicht zu erwarten, denn der unerlaubte Kontakt wird von Einwaller nicht in seinem Bericht erwähnt. "Wir als Schiedsrichter-Team konnten das nicht wahrnehmen, und aufgrund Aussagen externer Personen können wir keine Anzeige tätigen", erklärte der Tiroler und stellte die grundsätzliche Frage: "Wie soll man das unterbinden, dass ein auf die Tribüne verbannter Trainer mit seinen Betreuern Kontakt aufnimmt?"

Bei allem Verständnis für Pacults Emotion war Einwaller in der Elferfrage davon überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Er selbst hätte nach eigenen Angaben zu einem Strafstoßpfiff tendiert, sein Assistent Armin Eder beteuerte hingegen via Headset, es sei kein elfmeterwürdiges Vergehen vorgelegen. "Dazu kann ich ihm nur gratulieren. Und außerdem muss man sagen, dass uns das technische Kommunikationsmittel gerettet hat."

Salzburg-Coach Stevens wollte sich zur Elfer-Szene nicht äußern, sparte dafür aber nicht mit Kritik an den eigenen Spielern. "Wir haben das Tor nur wegen eines Fehlers von Rapid gemacht und sonst keine Chance herausgespielt. Das Gegentor war zwar vermeidbar, aber wir hätten den Sieg nicht verdient gehabt." Das Vorrücken auf Rang fünf war da nur ein schwacher Trost. "Mit so einer Leistung kommen wir nicht nach oben und können auch niemanden abschütteln."

Während den Salzburgern "nur" sechs Punkte auf Spitzenreiter Sturm Graz fehlen, schaut die Situation für Rapid schon düsterer aus. Nach Verlustpunkten gerechnet liegen die siebentplatzierten Hütteldorfer nach dem vierten Meisterschafts-Remis in Folge schon zwölf Zähler hinter den Steirern - da schmerzt der Ausfall von Regisseur Steffen Hofmann umso mehr. "Er ist der beste Spieler der Liga. Wenn er fehlt, müsste jeder andere von uns zumindest zehn Prozent mehr geben", meinte Ersatzkapitän und Torschütze Markus Heikkinen.

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