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Vorjahressieger Reinfried Herbst © APA (epa/Archiv)

Der Slalom in Levi wird nach dem Halbzeit-Abbruch des Sölden-Riesentorlaufs ungewollt zum Saisonstart 2010/11 für die alpinen

Der Slalom in Levi wird nach dem Halbzeit-Abbruch des Sölden-Riesentorlaufs ungewollt zum Saisonstart 2010/11 für die alpinen Ski-Herren. Österreich stellt am Sonntag (10.00/13.00 Uhr/live ORF 1) mit Reinfried Herbst den Vorjahressieger und insgesamt wieder eine Mannschaft mit mehreren Sieganwärtern. Das Rennen auf "Levi Black" wird vor allem für Herbst zu einer Nagelprobe.

Der Salzburger hat im Vorjahr vier Weltcup-Slaloms und die kleine Kristallkugel gewonnen, scheiterte dann aber beim Saisonhöhepunkt Olympia wie viele Favoriten an der flachen, weichen Piste. Nicht zuletzt deshalb hat die Truppe von Slalomchef Christian Höflehner versucht, die Schwächen im Flachen auszumerzen, ohne dabei die technischen Stärken im Steilen zu verlieren. "Deshalb sind wir in Levi alle besonders gespannt, wo wir stehen", sagte Höflehner, der am Sonntag den ersten Lauf setzt.

Österreich hat mit Herbst (1.), Benjamin Raich (5.), Marcel Hirscher (7.) und Manfred Pranger (10.) nominell vier Fahrer in den Top Ten der Weltrangliste und ist damit weiterhin die Slalom-Nation Nummer eins. "Deshalb wollen wir auch gleich in Levi wieder vorne mit dabei sein. Alles andere wäre Tiefstapelei und eine Enttäuschung", forderte Höflehner von seiner Mannschaft.

Zudem hat die Konkurrenz Probleme. Der italienische Olympiasieger Giuliano Razzoli hat nach einem Handbruch erst vor kurzem wieder mit dem Training begonnen, der französische Levi-Spezialist Jean-Baptiste Grange gibt nach Kreuzbandriss sein Comeback. So gelten neben Herbst und Co. der Franzose Julien Lizeroux, der Kroate Ivica Kostelic ("Ich kämpfe aber um die große Kugel") und auch der Deutsche Felix Neureuther, der im Vorjahr zweimal gewann, als aussichtsreichste Fahrer.

Wie für Kostelic beginnt auch für Raich mit dem Levi-Slalom die Kampagne um die große Kristallkugel. Der 31-jährige Tiroler hat sich nach dem missglückten "Sidestep" zur Abfahrt noch mehr auf seine technischen Stärken rückbesonnen und hofft so, nach den vielen hauchdünn verlorenen "Schlachten" und vier zweiten Plätzen in Folge wie zuletzt 2006 endlich in der Gesamtwertung wieder ganz oben zu stehen.

"Es gibt keinen singulären Grund, warum es so oft nicht geklappt hat. Aber ich fühle mich gut und freue mich schon sehr, denn ich mag den Hang in Levi. Dass er leicht sein soll, kann ich nicht nachvollziehen", erklärte Raich. Sein letzter Slalomsieg (Bad Kleinkirchheim im Dezember 2007) liegt freilich schon fast drei Jahre zurück. "Das ist eindeutig zu lange", machte Raich daher eine Kampfansage an sich selbst. "Podiumsplätze sind hinsichtlich Gesamtwertung gut, aber ich will auch die ganz großen Erfolgserlebnisse."

Neben Herbst, Raich, Pranger und Hirscher gehörte auch Matt zu den "Großen Fünf", die sich in den internen Zeitläufen mit Slalom-Bestzeiten abwechselten. Herbst kämpft am Sonntag sicher wieder um den Sieg mit, Pranger und Co. sind sich da offenbar aber nicht so sicher. Weltmeister Pranger hat zwar keine aktuellen Rückenprobleme, sich aber abgewöhnt, weiter als bis zum nächsten Rennen zu blicken. "Die Leidenschaft nach Siegen ist nach wie vor da", erläuterte Pranger.

Hirscher liegt nach eigener Ansicht Levi überhaupt nicht. Zu flach, zu eintönig, zu leicht, eigentlich hätte er auch zu Hause bleiben können", scherzte der Salzburger Jungstar. Und Matt hofft nach seinen "Seuchenjahren" und dem Absturz in der Weltrangliste auf einen Materialwechsel. Der Doppelweltmeister aus Tirol fährt nun die gleiche Skimarke (Blizzard) wie Herbst. "Es nur am Material festzumachen, wäre aber falsch. Das ganze Paket Matt hat in den vergangenen Jahren nicht funktioniert", weiß Höflehner.

Als Weltranglisten-31. ersparte sich Matt dank des Rücktritts von Giorgio Rocca zwar knapp eine interne Qualifikation, hat aber vorerst einen klaren Startnummern-Nachteil. "Für einen wie ihn ist das katastrophal. Es wird nicht einfach, sich da wieder raus zu kämpfen", fürchtet auch Höflehner. "Mich interessiert die Vergangenheit nicht mehr", ergänzte Matt. "Ich habe alles vergessen und gestrichen und bin froh, dass es endlich los geht."

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