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Constantini will auf den jetzigen Kader bauen © APA (Fohringer)

Österreichs Fußball-Nationalmannschaft hat zwar das abschließende Länderspiel verloren, im Jahr 2010 aber an Qualität

Österreichs Fußball-Nationalmannschaft hat zwar das abschließende Länderspiel verloren, im Jahr 2010 aber an Qualität gewonnen - so lautet die Bilanz von Teamchef Dietmar Constantini nach dem 1:2 am Mittwoch im Wiener Happel-Stadion gegen Griechenland. "Im spielerischen Bereich gab es eine Steigerung. Ich glaube schon, dass wir weiter sind als vor einem Jahr", vermutete der Tiroler.

Mittlerweile hat Constantini mit dem 4-2-3-1 nicht nur sein System, sondern auch den dazugehörigen Stamm gefunden. "Wir haben einen Kader, der auch in nächster Zeit so ausschauen wird", sagte er. Lediglich die gegen Griechenland verletzt gewesenen Emanuel Pogatetz und Ekrem Dag zieht der 55-Jährige für die nähere Zukunft in Betracht, ansonsten wird sich am Personalsektor wenig ändern. "Ich will nicht alles umdrehen, weil ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind", meinte der Nationaltrainer.

Als "kritischste Phase" im zu Ende gehenden Jahr bezeichnete Constantini jenen Moment, als die ÖFB-Auswahl in der EM-Qualifikation in Belgien nach einer 3:2-Führung kurz vor Schluss das 3:4 kassierte. "Da habe ich mich am meisten geärgert, aber ich habe es überlebt", sagte der Trainer über jenes denkwürdige Match, das noch 4:4 endete.

Auch das bittere 1:2 gegen Griechenland ließ sich im Endeffekt halbwegs leicht verkraften. "Das Negative ist das Ergebnis, das Positive unsere Leistung im spielerischen Bereich vor allem in der ersten Hälfte", analysierte Constantini. Der Abwehr wollte der Coach trotz zweier unnötigen Tore keinen großen Vorwurf machen. "Fehler passieren jeder Mannschaft, bei uns werden sie meistens bestraft. Aber ich will nicht immer die Viererkette kritisieren. Für die Defensive ist das ganze Team verantwortlich."

Die Probleme im Abwehrbereich nimmt Constantini nach eigenen Angaben bewusst in Kauf, weil er seine Kicker offensiv spielen lassen will. "Mir ist es lieber, wenn wir etwas riskieren und Fußball spielen." Der Mut zum Risiko wäre schon in der 5. Minute fast belohnt worden - allerdings scheiterte Geburtstagskind Florian Klein vom Elfmeterpunkt. "Er kann es eben auch nicht erzwingen. Außerdem gehen einige Top-Spieler erst gar nicht hin. Einen Elfer zu schießen, ist eine große Verantwortung", verteidigte Constantini den Austrianer.

Auf der Liste möglicher Elferschützen stand Stefan Maierhofer ganz oben, auch Marko Arnautovic wäre infrage gekommen. Dass sich die Kicker die Ausführung des Strafstoßes untereinander ausmachten, stört Constantini nicht. "Wenn ich jemanden bestimme, verschießt der vielleicht auch", sagte der Teamchef, wunderte sich, dass kein Offensivspieler den Elfmeter schoss, und meinte sarkastisch: "Wir werden schauen, dass wir keinen Elfer mehr zugesprochen bekommen."

Ein österreichischer Sieg wäre aber auch unabhängig von der Verwertung des Strafstoßes möglich gewesen. "Wir haben gegen den Elften der Weltrangliste sehr gut ausgeschaut und hätten gewinnen können, wenn wir die Effizienz gehabt hätten und aus sechs, sieben Chancen drei Tore gemacht hätten", meinte Constantini und trauerte dem "regulären Tor" von Maierhofer nach, das zu Unrecht aberkannt worden sei.

Der 55-Jährige hatte dem Duisburg-Legionär den Vorzug gegenüber dem etatmäßigen Kapitän Marc Janko gegeben. "Das war keine Entscheidung gegen Janko, sondern für Maierhofer. Es war keine Abstufung von Janko. Auch ein Kapitän kann auf der Bank sitzen", begründete Constantini seine Entscheidung. Auch der Twente-Legionär vermochte nach seiner Einwechslung eine halbe Stunde vor Schluss eine Schlappe nicht zu verhindern, die laut Constantini unnötig war. "Die Niederlage schmerzt mich körperlich, aber ich glaube schon, dass wir den Aufwärtstrend fortgesetzt haben", meinte der Betreuer.

Um diese These zu untermauern, erzählte der Tiroler von einem Gespräch mit Griechenland-Star Karagounis nach dem Schlusspfiff. "Er hat mir gesagt, dass wir eine super Truppe haben. Vielleicht war das nur aus Höflichkeit, aber ich glaube es nicht." Angesichts der Tatsache, dass es sich "nur" um ein Freundschaftsspiel handelte, ließ sich die Niederlage für Constantini auch ohne griechischen Trost verschmerzen. "Das Wichtigste ist, dass wir in der EM-Qualifikation punkten."

Diesbezüglich hat der Teamchef nichts von seiner Zuversicht verloren, was vor allem am teaminternen Klima liegt. "In der Mannschaft ist ein wahnsinniger Spirit drin. Jeder freut sich, wenn er kommt, und will gewinnen", behauptete Constantini. Für seine Auswahl steht nun die Winterpause auf dem Programm, weiter geht es am 9. Februar mit einem Testspiel in Eindhoven gegen Vizeweltmeister Niederlande.

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