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Walchhofer ist der einzige "Senior" im ÖSV-Team © APA (Hochmuth)

Ein eisiger Willkommensgruß hat Österreichs alpines Abfahrtsteam in Kanada empfangen: Minus 20 Grad hatte es am Sonntag in

Ein eisiger Willkommensgruß hat Österreichs alpines Abfahrtsteam in Kanada empfangen: Minus 20 Grad hatte es am Sonntag in Calgary, aber wenn Michael Walchhofer und Co. am Wochenende beim Speed-Auftakt in Lake Louise zur "Wiedergutmachung" für eine sieglose Saison antreten, werden die Temperaturen sogar auf über minus 30 Grad fallen.

Erstmals seit Jahren hat die ÖSV-Abfahrtselite die finale Saisonvorbereitung wieder in der trockenen Höhenlage von Colorado auf aggressivem Kunstschnee und nicht wie zuletzt im eher feuchten Sun Peaks (Kanada) vorgenommen. Der neue Herrenchef Mathias Berthold erhofft sich davon, dass Österreichs im Vorjahr erstmals seit fast zwei Jahrzehnten sieglos gebliebene Speed-Fraktion nun schon zum Saisonanfang in Kanada und den USA ganz vorne mit dabei ist. Denn in den vergangenen Jahren hielten sich die Nordamerika-Erfolge der ÖSV-Herren in Grenzen.

Hätte nicht Hermann Maier vor zwei Jahren mit seinem unerwarteten Super-G-Triumph in Lake Louise als fast 36-Jähriger aufgetrumpft, hätte man bis ins Jahr 2005 (Fritz Strobl/Abfahrt) zurückgehen müssen, um den letzten rot-weiß-roten Sieger in Kanada auszumachen. Doch vor dem ersten Abfahrts-Training mit Zeitnehmung am Mittwoch herrschte Zuversicht in der Truppe von Coach Andreas Evers, die auch Berthold in Colorado deutlich spürte. "Das Training dort war trotz anfänglicher Wetterprobleme richtig gut", erzählte er.

Wie die Slalomfahrer an ihren Schwächen im Flachen, haben die Abfahrtsherren zuletzt intensiv an der "Problemzone" Gleiten gearbeitet. Und das auch im oberen Flachteil der "Raubvogelpiste", wo eine Woche später der Abfahrts-Klassiker in Beaver Creek auf dem Programm steht. Begleitet wurden die intensiven Material- und Gleit-Tests ausgerechnet vom Ex-Chef Toni Giger, der jetzt die Testabteilung des ÖSV leitet.

"Die Zusammenarbeit klappte perfekt, die Läufer waren begeistert", berichtete Berthold, der ein entspanntes Verhältnis zu den US-Amerikanern pflegt. Wie auch zu den Deutschen, was seinen Herren im Jänner auch ein Sondertraining auf den WM-Hängen in Garmisch-Partenkirchen ermöglichen wird. "Zu oft sind die Läufer zuletzt nach Lake Louise gekommen und haben sich dann im Ziel ratlos angeschaut, weil sie hinten waren", so der neue Boss. "Jetzt haben sie die Gewissheit, sich wirklich auf allen Verhältnisse gut vorbereitet zu haben. Und zwar nicht nur für Nordamerika, sondern hoffentlich für die ganze Saison!"

Auch Berthold ist bewusst, dass die Abfahrer als "Gladiatoren des Wintersports" (Cheftrainer Andi Evers) nach wie vor eine ganze Nation emotionalisieren. "Ich bin natürlich für alle Disziplinen zuständig. Aber dass die Abfahrts-Mannschaft - speziell am Saisonbeginn mit nun zwei Abfahrten und zwei Super-G - eine besonders wichtige Funktion hat, ist klar", so Berthold. Eine "Seniorentruppe" sei das Team keineswegs. "Stimmt bis auf Walchhofer nicht", so Berthold. "Wir sind in der Abfahrt auf Jahre gut aufgestellt."

Dass der 35-jährige Walchhofer in seiner letzten Saison nach wie vor das Aushängeschild der Abfahrtsmannschaft sein sollte, ist Berthold natürlich bewusst. "Ich habe schon viele Läufer bis zu ihrem Karriere-Ende begleitet. Ich bin aber überzeugt, dass der Michi keine Energie in Gedanken an eine Abschiedstournee vergeudet. Er hat eine professionelle Einstellung und sein Formaufbau passt sehr gut", gab sich der Herrenchef zuversichtlich.

Wie locker Walchhofer tatsächlich drauf ist, bewies er selbst mit folgender Aussage. "Wenn's nicht klappt, kann ich ja vor der Heim-WM in Schladming 2015 wieder anfangen", scherzte der Familienvater aus Altenmarkt-Zauchensee.

Schon am Montag übten die ÖSV-Herren trotz der Eiseskälte zusammen mit den Kanadiern in Nakiska, um sich an die dortigen Verhältnisse zu gewöhnen. Der wie Hannes Reichelt und Stephan Görgl direkt aus Europa eingeflogene Benjamin Raich unternimmt im WM-Winter 2010/11 alles, um nach vier zweiten Plätzen in Folge am Saisonende endlich wieder einmal ganz oben zu stehen.

Lake Louise ist dafür an sich ein gutes Pflaster für den im Vorjahr von Rückenproblemen gebremsten Raich. Vier Mal hat Technik-Spezialist Raich im Super-G den ersten Weltcup-Speedsieg als Zweiter nur hauchdünn verpasst, drei Mal davon in Lake Louise. Zuletzt im Vorjahr.

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