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Minus 40 Grad ließen sogar Lifte einfrieren © APA (Gödel)

Minus 38 Grad in Calgary, sogar minus 45 in Edmonton. Wegen der Rekordkälte in Kanada wurden Schulen geschlossen und selbst

Minus 38 Grad in Calgary, sogar minus 45 in Edmonton. Wegen der Rekordkälte in Kanada wurden Schulen geschlossen und selbst Skilifte haben den Geist aufgegeben. Den Speed-Saisonauftakt der Alpin-Herren am kommenden Wochenende in Lake Louise wird sie aber nicht verhindern. Denn der berühmte Chinook-Wind lässt die Temperaturen in den kommenden Tagen wieder rasant steigen.

"Opfer" der Eiseskälte zu Wochenbeginn wurde auch Benjamin Raich. Der Tiroler musste sein Super-G-Abschusstraining im nahen Nakiska sausenlassen, weil man dort am Dienstag nicht einmal die Skilifte einschalten konnte. "Das ist natürlich nicht gut, weil ich auch zuletzt daheim wegen des Schlechtwetters nicht wirklich Super-G trainieren konnte", bedauerte Raich die Absage.

Auch das erste Abfahrtstraining am Mittwoch in Lake Louise wurde wegen der Kälte um eine Stunde nach hinten auf 12.30 Uhr Ortszeit (20.30 Uhr MEZ) verschoben. Ein Wärmezelt am Start wurde installiert und den Fahrern wurde ausnahmsweise freigestellt, unter ihren Rennanzügen zusätzliche Wärmekleidung zu tragen.

Während der Schweizer Daniel Albrecht gespannt seinem ersten Abfahrtstraining seit 22 Monaten entgegenblickte, hofft Raich, sich in den drei Trainingstagen doch noch den letzten Feinschliff für die Speed-Disziplinen holen zu können. Drei der neun ÖSV-Startplätze für die Abfahrt werden am Donnerstag über die interne Qualifikation vergeben. Nimmt Raich einen für sich in Anspruch, sind es nur noch zwei.

Und der Tiroler würde die Abfahrt liebend gerne bestreiten, denn die Piste im Banff-Nationalpark liegt ihm, wie die drei zweiten Plätze im Super-G beweisen. Warum dem so ist, kann sich Raich selbst nicht ganz klar erklären.

Trainer Rainer Gstrein glaubt hingegen einen Grund zu kennen. "Weil der Benni ein technisch ganz ausgezeichneter Fahrer und die Abfahrt schwieriger ist als viele sagen", brach Gstrein eine Lanze für die als leicht verrufene Strecke, auf der nächste Woche auch die Damen fahren. "Vielleicht fehlen ihr die spektakulären Sprünge. Aber sonst sehe ich sie auf einer Ebene mit Wengen oder Gröden."

Auch wenn die Schweizer mit Didier Cuche, Carlo Janka und Didier Defago die ersten drei Plätze in der Abfahrts-Weltrangliste einnehmen und wieder als Favoriten gelten, glaubt ÖSV-Abfahrtschef Andi Evers an seine im Vorjahr sieglos gebliebene Truppe. "Defago ist verletzt, Marco Büchel hat aufgehört. Also haben wir vier Fahrer in den Top-15, die Schweizer nur zwei", rechnete der Coach vor. "Das zeigt, auf welch hohem Niveau wir hier eigentlich jammern!"

Michael Walchhofer und Klaus Kröll hätten sicher keine gute Vorjahressaison gehabt. "Dafür war die von Mario Scheiber und Hans Grugger sehr gut", betonte Evers. Scheiber ist nach acht zweiten Plätzen zudem überreif für den ersten Weltcupsieg und Kröll, der am 7. März 2009 mit seinem ersten Abfahrtssieg auch den bisher letzten der ÖSV-Herren eingefahren hat, für den zweiten. "Wir sind auf dem besten Weg, wieder eine kompakte Abfahrtsmannschaft zu bekommen", ist Evers überzeugt. "Alle brennen darauf, zu zeigen, dass sie es können."

Siege wären auch für Raich das probateste Mittel, um nach vier zweiten Plätzen in Folge (und fünf in den vergangene sechs Jahren) am Saisonende erstmals seit 2006 auch wieder die große Kristallkugel nach Österreich zu holen. Denn Siege hätte er in den vergangenen zwei Jahren sicher zu wenig gehabt, gestand der 32-jährige Pitztaler.

Zudem hätten die ausgebliebene Erfolge der Abfahrer auch seinen Gegnern in die Hände gespielt, so der Tiroler, der vergangene Saison Janka lediglich um 106 Punkte den Vortritt hatte lassen müssen. Vor zwei Jahren war Raich sogar nur um zwei Punkte gescheitert.

Zumindest punkto medizinischer Sicherheit sollte dieses Jahr in Lake Louise alles im grünen Bereich sein. Im Vorjahr gab es nach den schweren Stürzen von Thomas Lanning und John Kucera viel Diskussion über deren Abtransport ins Krankenhaus. Nun stehen insgesamt drei statt zwei Hubschrauber zur Verfügung.

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