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Norweger Svindal holte sich die Trainingsbestzeit © APA (Archiv/Jäger)

Wegen der unmenschlichen Kälte mit deutlicher Verspätung hat am Mittwoch in Lake Louise das erste Abfahrtstraining der

Wegen der unmenschlichen Kälte mit deutlicher Verspätung hat am Mittwoch in Lake Louise das erste Abfahrtstraining der WM-Saison stattgefunden. Für die erste Bestzeit sorgte der Norweger Aksel Lund Svindal, aber nur sieben Hundertstel dahinter folgte mit Hans Grugger bereits der erste Österreicher.

Erfreulichstes Ereignis des Tages war bei minus 25 Grad, dass der Schweizer Daniel Albrecht in seinem ersten Abfahrtstraining seit dem Kitzbühel-Sturz problemlos ins Ziel kam. Über sechs Sekunden Rückstand hatte der Schweizer, war aber dennoch überglücklich. "Ich habe am Start nicht angetaucht und bin aufrecht ins Ziel gefahren. Aber ich weiß jetzt, dass ich beim nächsten Training wieder mehr attackieren kann", freute sich der wochenlang im Koma gelegene Albrecht über sein Abfahrts-Comeback.

Die Rekord-Kälte in Westkanada ist seit Tagen Dauerthema auch in den Medien. "Es könnte auch schlimmer sein. Aber nur, wenn man in der Antarktis lebt", titelte am Mittwoch etwa die Calgary Sun und zitierte eine Internet-Studie, wonach Calgary derzeit der zweitkälteste Ort der Welt außerhalb des Südpols sei.

Auch das erste Abfahrtstraining in Lake Louise war wegen der Kälte kurzfristig auf der Kippe gestanden, dann mussten Michael Walchhofer und Co. aber trotzdem ran. Dick vermummt und mit allen Tricks wie abgeklebte Wangen und Nasen nutzten auch die Österreicher die Gelegenheit sofort, sich nach der sieglosen Vorjahressaison mit sechs Läufern in den Top-13 gleich wieder gut ins Bild zu rücken.

Hinter Svindal und Grugger sowie dem 41-jährigen Oldboy Patrik Järbyn aus Schweden wurde Klaus Kröll mit nur 18/100 Rückstand Vierter. Michael Walchhofer (+0,29) wurde Sechster, Georg Streitberger wurde mit Startnummer 58 Zehnter, Joachim Puchner 12. und Mario Scheiber 13..

"Es hat trotz der Kälte Spaß gemacht", sagte Grugger im Ziel lachend. "Dass es gleich so gut geklappt hat, ist überraschend, es ist aber auch im Training für mich zuletzt gut gelaufen", freute sich der so lange verletzt gewesene Salzburger, der sich schön langsam wieder seiner einstigen Topform nähert.

Wieder zu gewinnen wäre natürlich schön. "Aber mir geht geht's weniger um das Ende der Durststrecke der ÖSV-Abfahrer als um meine eigene", sagte Grugger, der vor fünf Jahren zuletzt gesiegt hatte. "Wer auch immer wieder den ersten Abfahrtssieg schafft, der sorgt für eine gute Stimmung in der Heimat", ist er überzeugt.

Kröll nahm das Thema schmunzelnd zur Kenntnis. Der Steirer hatte mit seinem ersten Abfahrtssieg im März 2009 gleichzeitig auch für den bisher letzten in rot-weiß-rot gesorgt und machte am Mittwoch im unteren Teil dank einer speziellen Linie im "Fallaway" gleich eineinhalb Sekunden wett. "Jeder will der erste sein, der die Sieglosigkeit beendet. Ich war der letzte Sieger, ich hoffe ich bin auch wieder der erste nach der Pause." Zur Kälte meinte der Steirer: "Man muss aufpassen, dass sie einen nicht aussaugt, sonst wird's gefährlich."

Auch Walchhofer kämpfte mit der Kälte, mehr noch aber mit der Piste. "Dass es gleich so zur Sache gegangen ist, hat mich oben fast schon überfordert", berichtete der Salzburger. Zudem hatte er neue Ski verwendet. "Breite Kanten sind bei den stumpfen Schnee sicher nicht schnell. "Minus 25 Grad sind bei 130 km/h gefühlte minus 40. Das ist nicht mehr lustig."

Auch Svindal zeigte sich im Ziel dick vermummt. "Bei so einer Kälte zu fahren ist nicht gesund", meinte der Schnurrbart tragende Norweger nachdem er gleich im ersten Training nach seinem Skiwechsel von Atomic zu Head Bestzeit erzielt hatte. Zur ÖSV-Abfahrtskrise meinte er: "Ich hoffe wirklich, sie feiern keine Neunfacherfolge mehr. Aber man sollte ihre früheren Erfolge nicht vergessen und nicht immer nur kritisieren."

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