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Hoffmann und sein Anwalt Hans-Moritz Pott © APA (Archiv/Fohringer)

Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann hat beim Landesgericht Wien gegen die Zuständigkeit der NADA in seinem Verfahren eine

Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann hat beim Landesgericht Wien gegen die Zuständigkeit der NADA in seinem Verfahren eine Feststellungsklage eingereicht. Sein Anwalt Hans-Moritz Pott bezweifelt die Verfassungsmäßigkeit der Übertragung der Disziplinaragenden bei mutmaßlichen Dopingdelikten vor Juli 2008 von den Sportverbänden an die damals gegründete NADA durch das Anti-Doping-Gesetz.

Demnach sei für Hoffmanns Fall, dessen mutmaßliche Dopingdelikte bis auf eines alle vor August 2008 passiert sein sollen, der vor der NADA-Gründung am 1. Juli 2008 mit Disziplinarangelegenheiten betraute Österreichische Ski-Verband (ÖSV) zuständig. In weiterer Folge sei der ÖSV gleichfalls unzuständig, weil Hoffmann aktuell nicht mehr Mitglied des Skiverbandes ist. Dementsprechend müsse das NADA-Verfahren sofort eingestellt werden, argumentierte Pott im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.

Der seit Ende 2009 suspendierte und zurückgetretene Olympiasieger von 2002 hat die Dopingvorwürfe stets bestritten. Die NADA ist in Ermittlungsakten der Soko Doping auf mutmaßliche Verfehlungen von Hoffmann gestoßen. Ein strafrechtliches Verfahren wegen Blutdopings nach Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes im August 2008 gegen den Oberösterreicher ist von der Staatsanwaltschaft im heurigen Juni eingestellt worden.

Die NADA ermittelte aber in sportrechtlichen Belangen weiter und hat bis dato noch keine Entscheidung getroffen. "Das Verfahren läuft seit einem Jahr, das ist unzumutbar. Seit der letzten Verhandlung im April geht nichts weiter", ärgerte sich Pott. Er erwartet, dass die NADA den Fall sofort einstellt. Anderenfalls werde es "sofort" eine weitere Klage geben.

Laut NADA-Chef Andreas Schwab werde man gegen die Argumentation, wonach die NADA nicht für derartige Altfälle zuständig sei, Einspruch erheben. Über das laufende Verfahren gegen Hoffmann gab er keine Auskunft. Für die Klagebeantwortung habe die NADA jedenfalls laut Pott bis Ende dieser Woche Zeit. Gibt das Gericht der Klage in weiterer Folge statt, sollte der Fall an den Verfassungsgerichtshof weitergeleitet werden. Dessen Entscheidung würde dann etliche Monate auf sich wartenlassen, so Pott.

Und bis dahin könnte die NADA wegen der offenkundigen Rechtsunsicherheit auf Urteile in Altfällen verzichten. Schwab wollte dazu aber keinen Kommentar abgeben und verwies auf eine Aussendung vom Montag. Schwab betonte aber, dass für die Verfahrensführung einzig die unabhängige Rechtskommission und nicht die NADA per se zuständig sei.

Laut der schriftlichen NADA-Mitteilung seien unter Rücksichtnahme auf Verjährungsfristen (Anm.: In Dopingfällen acht Jahre) bis zu einer endgültigen, rechtsverbindlichen Entscheidung in allen vor dem 1. Juli 2008 passierten Fällen wie bisher Verfahren einzuleiten. Allfällige Urteile blieben ausschließlich der "unabhängigen und weisungsfreien Rechtskommission vorbehalten", hieß es in der Aussendung. Rechtskommissions-Vorsitzender Gernot Schaar war für eine Präzisierung dazu vorerst nicht erreichbar.

Das Hoffmann-Vorgehen könnte etwa zur Folge haben, dass noch nicht eröffnete Verfahren vorerst unbehandelt bleiben. Wie zum Beispiel die vom ehemaligen Nationaltrainer Martin Kessler zugegebenen Blutabnahmen österreichischer Ruderer bei Humanplasma vor Olympia 2004. Alleine in die Causa Humanplasma waren zumindest 30 Sportler verwickelt. Erst ein Bruchteil davon, wie Ex-Leichtathletin Stephanie Graf, ist dafür bisher zur Verantwortung gezogen worden.

Zudem ist davon auszugehen, dass in den tausenden Aktenseiten der Ermittlungsbehörden in eingestellten und noch gerichtsanhängigen Fällen weitere Dopingvergehen aus der Zeit vor Juli 2008 enthalten sind. Auch in diesen ist davon auszugehen, dass es, unabhängig von der Gerichtsentscheide im Fall Hoffmann, noch lange dauern wird, bis Urteile gefällt werden.

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