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Schwieriges Heimspiel für Rapid © APA

Ex-Porto-Trainer Hermann Stessl hält den SK Rapid am Donnerstag (19.00 Uhr/live Puls4) im Heimspiel der Fußball-Europa-League

Ex-Porto-Trainer Hermann Stessl hält den SK Rapid am Donnerstag (19.00 Uhr/live Puls4) im Heimspiel der Fußball-Europa-League gegen den Spitzenreiter der Gruppe L für den klaren Außenseiter. Chancen sieht der 70-Jährige für die Hütteldorfer lediglich dann, wenn die Portugiesen im ausverkauften Wiener Happel-Stadion nicht mit der richtigen Einstellung zu Werke gehen sollten.

"Normalerweise müsste Porto gewinnen. Aber wenn Porto zu nachlässig ist und Rapid in einen Lauf kommt, ist etwas möglich", vermutete der gebürtige Steirer. Dass der überlegene portugiesische Tabellenführer aufgrund des bereits feststehenden Aufstiegs ins Sechzehntelfinale im Prater viele Spieler schonen wird, glaubt Stessl nicht. "Es könnte zwar einige Umstellungen geben, aber mit einer kompletten B-Mannschaft werden sie sicher nicht kommen, dafür sind sie zu ehrgeizig. Das wäre auch ewig schade, denn ich würde mir für die Fans im Stadion wünschen, dass sie all diese großartigen Kicker sehen können."

Stessl betreute den FC Porto von 1980 bis 1982 und führte den Großclub in seiner ersten Saison auf Endrang zwei. "Und das, obwohl der Präsident kurz vor meinem Amtsantritt alle Stars rausgeschmissen hat und ich fast nur mit Jungen gespielt habe", betonte der vierfache Austria-Meistermacher.

In der zweiten Saison reichte es immerhin noch zu Platz drei und zum Viertelfinale im Cup der Cupsieger. Dann musste der Coach auf Geheiß des wenige Monate zuvor gewählten Präsidenten Jorge Nuno Pinto da Costa Abschied nehmen, was jedoch das Verhältnis zum noch immer amtierenden Clubboss nicht trübte. Nach wie vor sitzt Stessl mehrmals jährlich bei Porto-Partien in der Präsidentenloge von Da Costa, auch für das Rapid-Match erhielt der Ex-Coach vom Präsidenten eine VIP-Einladung. "Er ist einer der besten Vereinschefs, die ich jemals erlebt habe", schwärmte Stessl vom mittlerweile 72-Jährigen, in dessen Amtszeit der FC Porto zum stärksten Verein des Landes und zu einem europäischen Top-Club aufstieg.

Diesen Ruf untermauerte der 24-fache Meister und zweifache Weltpokalsieger auch im bisherigen Saisonverlauf. Von 21 Pflichtspielen wurden bei 3 Remis gleich 18 Partien gewonnen, der Vorsprung in der Liga auf den ersten Verfolger Benfica beträgt nach zwölf Runden schon acht Punkte. "Das hätte ich mir nicht gedacht, wenn man bedenkt, was Porto im Sommer wieder verkauft hat. Aber das ist wieder eine tolle Mannschaft mit Hulk als Überkicker", meinte Stessl, für den der FC Porto Favorit auf den Gewinn der diesjährigen Europa League ist.

Den regelmäßig erfolgreichen Mannschaftsumbau führt Stessl auf das effiziente Scoutingsystem zurück, das sich im Vergleich zu seiner Zeit bei Porto deutlich verbessert habe. "Aber der Verein ist jetzt allgemein viel besser organisiert als zu meiner Zeit, und der portugiesische Fußball hat sich fantastisch entwickelt. Zu meiner Zeit wurde eher vorsichtig gespielt, jetzt besinnt man sich auf die Stärken, und die liegen in der Offensive."

Auch für den aktuellen Trainer Andre Villas Boas findet Stessl ausschließlich lobende Worte. "Er gehört zu der neuen Generation von Trainern, die einen Fußball spielen lassen, der nicht geprägt ist von der Angst vorm Verlieren, sondern von der Offensive." Der 33-Jährige sei mit seinem ehemaligen Lehrmeister Jose Mourinho nicht wirklich zu vergleichen. "Villas Boas ist keiner, der eine Show abzieht, sondern sich rein auf die Arbeit konzentriert", erklärte der 70-Jährige, der in Portugal auch für Boavista und Vitoria Guimaraes tätig war.

Außerdem arbeitete Stessl für Clubs wie AEK Athen, Racing Santander oder FC Zürich - eine ähnliche Auslandskarriere scheint für österreichische Coaches derzeit unrealistisch. "Doch damals war es leichter, weil der österreichische Fußball viel besser angesehen war. Und immerhin bin ich als Meister und Europacup-Finalist mit der Austria zu Porto gekommen."

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