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Die Freude bei Barcelona war groß © APA (epa)

Es hat schon viele große und denkwürdige Spiele zwischen den zwei Erzrivalen gegeben. Der insgesamt 240. spanische

Es hat schon viele große und denkwürdige Spiele zwischen den zwei Erzrivalen gegeben. Der insgesamt 240. spanische Fußball-"Clasico", der 167. in der Primera Division, geht aber als etwas Besonderes in die Historie ein. Der FC Barcelona schoss am Montagabend vor 98.700 Zuschauern und vor weltweit mehr als 400 Millionen TV- und Internet-Sehern Real Madrid 5:0 aus dem Camp Nou.

Damit löste Barca das "Weiße Ballett" nach der 13. Runde als Tabellenführer ab und erinnerte an das "Dream Team" von Johan Cruyff in den 90er Jahren. Unter dem niederländischen Trainer hatten die Katalanen die Hauptstädter in der Saison 1993/94 mit dem gleichen Resultat bezwungen. Freilich war das Tempo diesmal um ein Vielfaches höher als damals. Barca brannte ein Feuerwerk ab, dominierte den Gegner mit schnellem Passspiel so sehr, dass die Gäste wie das Kaninchen vor der Schlange paralysiert schienen. Über ein Dutzend spanische Weltmeister und zehn Anwärter auf den Titel "Weltfußballer des Jahres" tummelten sich auf dem Rasen - geglänzt haben aber nur die Barca-Stars.

Lionel Messi wirbelte, fädelte viele Angriffe ein, servierte zwei Tore, war der auffälligste Virtuose. Andres Iniesta und Xavi lenkten im Mittelfeld, dass es eine Freude war und vorne traf David Villa zweimal. "Wir waren heute einfach überragend, hatten an unserem Spiel viel Freude. Real konnte nicht oder wusste nicht, wie es uns stoppen sollte. Die Dominanz im Mittelfeld war unsere Stärke. Wir sind jetzt mit den zwei Punkten Vorsprung glücklich, aber wir müssen hart weiter arbeiten", resümierte der WM-Topscorer.

Den Barca-Stil haben Cruyff und sein Assistent Carles Rexach eingeführt und die Katalanen pflegen ihn bis heute, mit beispielhafter Nachwuchs-Ausbildung und -Betreuern samt Profiscouts. "Niemand, der in die Fußstapfen von Cruyff/Rexach tritt, sollte vergessen, was die beiden damals auf den Weg gebracht haben", erklärte der aktuelle Coach Josep Guardiola nach dem Triumph. "Heute waren wir klar besser. Die Art und Weise, wie wir gewonnen haben, werden wir nicht so schnell vergessen," meinte der 39-Jährige, der einen ähnlich Erfolg feierte wie 2009 mit dem 6:2 im Bernabeu-Stadion.

Die Presse würdigte einhellig die Überlegenheit der Hausherren. "Barca demütigt Real," wählte die Zeitung "El Mundo" in ihrer Dienstag-Ausgabe als Titel. Das Sportblatt "Marca" schrieb: "Das war zu viel Barca für zu wenig Real!" So einmütig die Medien ihr Urteil fällten und so chancenlos die Madrilenen waren, so eigenwillig sah Jose Mourinho die Partie. Nachdem seine Truppe zuvor in zwölf Liga-Partien nur sechs Tore kassierte hatte, empfand er die erste Niederlage nach 25 Test- und Pflichtspielen unter ihm nicht als "Erniedrigung".

"Die Niederlage ist leicht zu verdauen, weil wir überhaupt keine Chance hatten. Ein Team spielte sein Potenzial aus, das andere war sehr schwach. Barca ist eine fertige Mannschaft, wir sind das noch nicht," sagte der Portugiese und fügte noch trotzig hinzu, dass das Titelrennen noch lange nicht entschieden sei. Er musste allerdings zugeben, dass das 0:5 die höchste Niederlage seiner Trainerkarriere ist. "Das Ergebnis gibt nicht den wahren Unterschied der zwei Clubs wider."

Er hoffte, dass seine Mannschaft durch das Debakel keinen psychologischen Knacks abbekommen habe. "Wir haben keine Zeit zum Weinen, sondern wir müssen uns auf das nächste Spiel konzentrieren und gewinnen." Das 0:5-Debakel im "Clasico" sei nicht der schwärzeste Tag seiner Laufbahn, die als Assistenz-Trainer in Barcelona ihren Anfang genommen hatte. "Mit Inter Mailand habe ich in der vorigen Saison in den Gruppenspielen der Champions League ebenfalls in Barcelona verloren, aber dann musste sich Barca das Finale im Fernsehen anschauen", rief "The Special One" in Anspielung auf den Inter-Erfolg im Halbfinale über die Katalanen in Erinnerung.

Tatsache ist, dass Barca die jüngsten fünf Duelle mit Real gewonnen hat und Mourinho auch im sechsten Anlauf als Coach im Camp Nou ohne Erfolg blieb. Das hatte der Portugiese zu einem Großteil Messi zu "verdanken", obwohl dieser seinem ersten Treffer gegen eine von Mourinho betreute Elf weiterhin nachläuft. Einmal verhinderte Aluminium ein Tor des kleinen Argentiniers mit dem großen Können.

Und was war eigentlich mit Mourinhos Landsmann Cristiano Ronaldo? Der teuerste Kicker der Welt im Real-Dress fiel weniger durch spierische Brillanz als vielmehr durch Meckern auf. Ein Freistoß aus 25 Metern vor der Pause, der knapp das Gehäuse verfehlte, war alles, was der Superstar an diesem Abend zu bieten hatte. In der Torschützenliste führt Ronaldo (14) weiterhin vor Messi (13). David Villa (8) ist nun hinter Fernando Llorente (Athletic Bilbao/9) Vierter.

"El Clasico" hatte alles zu bieten, was einen solchen Schlager ausmacht. Auch elf Gelbe Karten (6:5 für Real) und ein Ausschluss (93./Sergio Ramos nach groben Foul an Messi) gehörten dazu. Beim Abgang leistete sich Sergio Ramos weitere Unsportlichkeiten, die eventuell Sanktionen nach sich ziehen könnten.

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