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Red Bulls Fußball-Chef im APA-Interview © APA (Gindl)

Er wacht über die fünf Fußball-Standorte von Red Bull - New York, Sao Paulo, Ghana, Leipzig und Salzburg. Der österreichische

Er wacht über die fünf Fußball-Standorte von Red Bull - New York, Sao Paulo, Ghana, Leipzig und Salzburg. Der österreichische Meister hat Sportchef Dietmar Beiersdorfer dabei zuletzt nicht immer nur Freude bereitet, wie der 47-jährige deutsche Ex-Verteidiger vor dem Europa-League-Gastspiel bei Manchester City gegenüber der Austria Presse Agentur in einem Interview erzählt.

APA: Salzburg hat in der Liga aufgeholt, es hat im Herbst aber auch Tiefs gegeben. Wie fällt ihre Bilanz vor der Winterpause aus?

Beiersdorfer: "Wir haben uns verbessert, sind aber noch nicht da, wo wir sein wollen. Ich habe die Spieler zuletzt etwas freier erlebt. Sie haben sich mehr zugetraut. Davor ist eher das Fehlervermeiden im Vordergrund gestanden. Wir müssen daran arbeiten, den Gegner schon in der eigenen Hälfte unter Druck zu setzen. Die öffentliche Meinung ist ja, dass wir uns gegen defensive Mannschaften schwertun."

APA: Stimmt diese öffentliche Meinung?

Beiersdorfer: "Ja. Wir haben zu wenig mit der Stärke gespielt, die wir eigentlich haben sollten. Der Nimbus hat in den letzten Monaten gelitten, die eigene Überzeugung, dass wir besser sind als die anderen Mannschaften in der Liga. Das muss man sich wieder zurückerarbeiten. Tendenziell ist es jetzt besser. Aber verbessert heißt noch nicht die Welt gedreht."

APA: Sind die Erwartungen, die in Österreich vor allem international an Ihre Mannschaft gestellt werden, nicht angemessen?

Beiersdorfer: "Es gibt hohe Erwartungen, keine Frage. Wir haben wirtschaftlich und auch infrastrukturell die besten Voraussetzungen von allen. Daher ist es legitim. Im Fußball gibt es immer eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Wenn die Lücke zu groß ist, gibt es Kritik. Man darf sich dann nicht wundern, wenn gegen Mattersburg und Sturm Graz nur noch 6.000 Zuschauer im Stadion sind. Damit muss man offen umgehen. Ja, wir haben uns davor nicht so präsentiert, wie wir uns das vorgestellt haben."

APA: Gibt es Überlegungen, im Winter neben den Außenverteidigern auch auf anderen Positionen den Kader zu ergänzen?

Beiersdorfer: "Die Problematik ist die relativ kurze Sommerpause. Das Problem der Integration haben wir schon in diesem Jahr. Da sind wir noch nicht drüber, sondern kämpfen um unsere Südamerikaner. Bei Alan und Boghossian bekomme ich die Rückmeldung, dass es im Training immer besser wird. Trotzdem schauen wir, ob wir im Winter noch den einen oder anderen Transfer machen müssen."

APA: Stichwort Alan und Boghossian. Beide sind Spieler, die Zeit brauchen. Hat man es unterschätzt, wie viel Zeit?

Beiersdorfer: "Bei Alan war es klar. Er ist ein bisschen jünger, kommt aus Brasilien. Er muss erst hineinwachsen. Bei Boghossian ist es anders. Da haben wir kein Talent gesucht, das in zwei oder drei Jahren kommt, sondern jemanden, der schon etwas geleistet hat. Es sollte ein guter Boden für ihn sein, um weiter zu wachsen. Das ist nicht aufgegangen, das muss man sagen."

APA: Kann es noch aufgehen?

Beiersdorfer: "Ich habe schon vieles erlebt. Nigel de Jong wollten Vorstand und Aufsichtsrat beim HSV schon ablösefrei gehen lassen. Eineinhalb Jahre später haben wir ihn um 18 Millionen verkauft. Man muss mit solchen Beurteilungen vorsichtig sein. Boghossian ist immer als Erster auf dem Trainingsplatz und geht als Letzter. Er wird zwar nie ein Feinmechaniker oder Ästhet, aber den wollten wir auch nicht. Man kämpft um so einen Spieler, wenn man ihn holt."

APA: Das ehrgeizige Projekt in Leipzig ist in der Regionalliga sportlich ins Stocken geraten (Platz vier elf Punkte hinter Leader Chemnitz/Anm.). Beeinflusst das die weiteren Planungen?

Beiersdorfer: "Nein, nicht direkt. Klar will man so schnell wie möglich nach oben. Wir haben im Vergleich zu Chemnitz aber nicht überproportional in die Mannschaft investiert. Wir wussten, dass die Regionalliga der Flaschenhals ist, weil nur eine Mannschaft in die dritte Liga aufsteigt. Trotzdem sind wir mit dem Rückstand überhaupt nicht zufrieden. Wenn du Erster werden willst, musst du vieles richtig machen."

APA: In New York ist in der ersten Play-off-Runde das Aus gekommen, trotzdem ist eine leichte Begeisterung zu spüren. Ist eine gute Show im US-Sport vielleicht sogar wichtiger als der Erfolg?

Beiersdorfer: "Wir haben voriges Jahr gesagt, wir müssen das in Amerika sogenannte "on-field product" verbessern. Das ist passiert. Wir haben die Eastern Conference gewonnen. Unsere zwei großen Spieler (Thierry Henry und Rafael Marquez/Anm.) haben wir gut integriert. Das sind gute Typen, die sich auch in der Kabine gut verhalten. Das Aus war enttäuschend, weil wir die bessere Mannschaft hatten. Wenn zwei Teams wie Los Angeles Galaxy und die New York Red Bulls im Finale stehen würden, würde das auch die Liga nach vorne bringen."

APA: Wie ist der Formel-1-WM-Titel in der Firma aufgenommen worden bzw. was kann man sich von dort eventuell abschauen?

Beiersdorfer: "Bei Red Bull waren alle super stolz. Jeder, der näher dran ist, sieht die Energie und die Hingabe, die in diesem Team steckt. Es hat auch eine Entwicklung gemacht. Vor ein paar Jahren hätte niemand auf sie gesetzt. Es braucht eben Zeit, etwas aufzubauen, etwas zu entwickeln. Das ist im Fußball ähnlich."

APA: Hat es einen Einfluss auf die tägliche Arbeit, dass der Konzern im Sport in so vielen verschiedenen Sparten tätig ist?

Beiersdorfer: "Die Tendenz geht in die Richtung, Wissen zu teilen. Das ist nicht immer einfach. Es ist ein Gegenspiel zwischen Nähe und Distanz. Man soll die Stärken zusammenführen, ohne sich gegenseitig in der eigenen Arbeit zu behindern. Zum Beispiel könnte man in allen 160 Ländern, in denen Red Bull Standorte hat, Fußballer-Datenbanken installieren, die von dort aus gewartet werden. Im sportmedizinischen und leistungsdiagnostischen Bereich arbeiten wir sowieso zusammen."

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