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Nur zwei von 22 Stimmen für England © APA (epa)

Der Schock bei den im Rennen um die Ausrichtung der Fußball-WM 2018 bzw. 2022 u.a. ausgebooteten Bewerbern England,

Der Schock bei den im Rennen um die Ausrichtung der Fußball-WM 2018 bzw. 2022 u.a. ausgebooteten Bewerbern England, Spanien/Portugal und USA sitzt tief. Hauptstoßrichtung der Kritik ist der Weltverband FIFA, auf der Insel wurden aber auch die Medien samt ihrer kritischen Berichterstattung in die Pflicht genommen. "Eure Medien haben Euch gekillt", sollen FIFA-Exekutivmitglieder erklärt haben.

Dies berichtete Englands-Bewerbungschef Andy Anson, der das aber nicht als Ausrede für nur zwei von 22 Stimmen im ersten Wahlgang verstanden wissen wollte. England und die für 2022 an Katar gescheiterten USA sollten sich erst wieder bewerben, wenn das Vergabeverfahren geändert werde. "Wenn nur 22 Leute abstimmen, gibt ihnen das zu viel Einfluss", klagte Anson. Ähnlich äußerte sich US-Verbandspräsident Sunil Gulati. "Es gibt zu viele Varianten, speziell, wenn zwei WMs am selben Tag vergeben werden. Ich bin nicht schlau genug, um mir auszudenken, wie sich das auf die beiden Wahlen ausgewirkt hat."

Im Vorfeld der FIFA-Entscheidung hatte die Zeitung "Sunday Times" zwei Exekutivmitglieder als bestechlich beschuldigt, sie wurden daraufhin suspendiert. Am Montag hatte die BBC-Sendung "Panorama" drei weiteren abstimmungsberechtigten Funktionären korruptes Verhalten bei einem Fall aus den 1990er Jahren vorgeworfen.

Das Exekutivmitglied Junji Oruga, der neben dem Engländer Geoff Thompson offenbar als einziger für England stimmte, hatte sich schon am Donnerstagabend ähnlich geäußert. "Ich denke, die Berichterstattung der britischen Medien hat die Exekutivmitglieder beeinflusst", zitierte der "Daily Telegraph" den Japaner. Anson behauptete gar, FIFA-Präsident Sepp Blatter hätte im Exekutivkomitee an die "teuflischen Medien" erinnert und bei einer Sitzung am Vorabend der Abstimmung eine Pressemappe mit negativen Artikeln britischer Zeitungen in der FIFA-Regierung herumgehen lassen.

"Laut FIFA war unsere Bewerbung in technischer und kommerzieller Hinsicht die beste, und unser Land liebt Fußball leidenschaftlich, aber das reicht offenbar nicht aus", sagte der enttäuschte Premierminister David Cameron, der zuvor drei Tage lang in Zürich neben Prinz William und Fußball-Ikone David Beckham unermüdlich für England geworben hatte. Er habe "keine Pläne", seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin zu gratulieren, sagte Cameron weiter, während Londons Bürgermeister Boris Johnson erklärte, die FIFA könne "in ihrer jetzigen Form nicht überleben".

Auch Spanier und Portugiesen reagierten mit Enttäuschung auf die gescheiterte Kandidatur. Der einhellige Tenor in beiden Ländern war: Mit der Vergabe der WM an Russland habe sich der Weltverband FIFA für das große Geld entschieden. "Die Begutachtung der Stadien hätte sich die FIFA schenken können", meinte der Direktor der "Iberischen Kandidatur", Miguel Angel Lopez. "Wir haben gesehen, dass es darauf gar nicht ankam."

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