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Österreichs Rennanzüge sollen pfeifen © APA (epa)

Kaum dass sich das Thema "Maulkorberlass" halbwegs beruhigt hat, wartet der alpine Ski-Weltcup dieser Tage mit der nächsten

Kaum dass sich das Thema "Maulkorberlass" halbwegs beruhigt hat, wartet der alpine Ski-Weltcup dieser Tage mit der nächsten Kuriosität auf. Die angeblich "pfeifenden" Rennanzüge der Österreicher sorgen für Erstaunen und Neugier. Fakt ist: Was auch immer womöglich ungewöhnliche Geräusche bei Michael Walchhofer und Co. erzeugt, es ist legal und erlaubt.

Aufgekommen war die Aufregung bereits vergangene Woche nach der Abfahrt in Lake Louise, die mit einem Doppelsieg der Österreicher geendet hatte. "Ausländische Trainer sind danach zu den FIS-Verantwortlichen gelaufen und haben Pfeifgeräusche gemeldet", erzählte ÖSV-Herrenchef Mathias Berthold. "Wir wurden dort bis auf das letzte getestet und geprüft, herausgekommen ist nichts", versicherte der Coach nun in Beaver Creek.

Dass man sich um einen Materialvorteil bemühe, sei normal. "Das tun alle Nationen", so Berthold, nachdem die FIS mit Anzügen, Unterwäsche, Rückenprotektoren und Schienbeinschützern alle vier relevanten Ausrüstungsteile der Österreicher getestet hatte. "Herausgekommen ist wie gesagt nichts. Wir werden jetzt aber trotzdem auf einmal wegen Lärmbelästigung am Hang belangt", scherzte der Vorarlberger, während Abfahrtscoach Andreas Evers meinte: "Vielleicht pfeifen unsere Fahrer ja, weil sie beim Skifahren so eine Freude haben."

Etwas ernster wurde Berthold auf die Frage, was an der Ausrüstung seiner Abfahrer denn überhaupt "pfeifen" könne? "Ich weiß es nicht, ich hab's noch nie gehört", wich der Cheftrainer aus. Dass es die neuen Kunststoff-Schienbeinschützer sein könnten, die mittlerweile auch in Speedrennen verwendet werden, glaubt Berthold aber nicht. "Die werden nur von ein bis zwei unserer Läufer verwendet, pfeifen tut es aber angeblich bei allen."

Viele ausländische Coaches glauben, dass die Österreicher ein neuartiges Dress entwickelt haben. Genauer gesagt eine Unterwäsche, die sie unter dem Abfahrtsdress tragen und die einem Speedski-Anzug ähneln soll. "Es heißt, sie hätten ein Oberteil, das wie ein abgeschnittener Rennanzug aussieht", sagte der norwegische Teamchef Havard Tjörholm. Es kann also munter weiter gerätselt werden, warum Österreichs Abfahrer bei 130 km/h andere Geräusche erzeugen als die Konkurrenz. Den von vielen Trainern "gehörten" Unterschied kann man daher auch über das ganze Thema stülpen: Die Österreicher pfeifen, die Konkurrenten heulen.

Zum Thema Läufer-Kritik, Maulkorberlass und Strafen ist dafür inzwischen wieder etwas Ruhe eingekehrt. Die E-Mail, die Athletensprecher Kilian Albrecht umgehend an FIS-Renndirektor Günter Hujara geschickt hat, machte die Position der Sportler klar. Albrecht verwies dabei aber ebenso darauf, dass auch einige Reaktionen Hujaras überdenkenswert wären.

Hujara bestritt am Freitag, wegen deren Kritik nach dem umstrittenen Mittwoch-Training mit den Rennläufern übers Kreuz zu sein. "Es stimmt überhaupt nicht, dass ich auf die Läufer nicht gut zu sprechen bin. Jeder kann zu jeder Zeit seine Meinung sagen. Wenn es aber ausartet, müssen sie wissen, womit sie zu rechnen haben", erklärte der FIS-Funktionär seine deutliche Reaktion.

Zu beruhigen versuchte FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis. "Am Anfang der Saison sind die Emotionen naturgemäß höher, da muss man erst die Balance finden", sagte die 46-jährige Engländern in Beaver Creek. "Es war keine einfache Situation. Wir haben aber Wege, damit man das untereinander gut abklärt. Hoffentlich wird das auch passieren."

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