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Gludovatz hat Saisonziele nicht verändert © APA (Krugfoto)

Das Tiefstapeln hat Paul Gludovatz trotz des sensationellen Herbstmeistertitels seiner SV Ried nicht verlernt. "Dass wir vorne

Das Tiefstapeln hat Paul Gludovatz trotz des sensationellen Herbstmeistertitels seiner SV Ried nicht verlernt. "Dass wir vorne stehen, ist sehr schön, hat aber keine Relevanz. Wir spielen weiterhin um Platz fünf", betonte der Burgenländer vor dem Gastspiel am Sonntag bei Rekordmeister SK Rapid. Durch die Tabellenführung hätten sich die Saisonziele nicht verändert, betonte der 64-Jährige.

"Wir werden im Winter sicher nicht großartig investieren, damit wir weiter vorne mitspielen und vielleicht in die Europa League kommen", ergänzte Gludovatz. Bei Ried steht weiterhin die konsequente Trainings-Arbeit im Mittelpunkt, und die soll bewirken, dass Ried endgültig den Übergang von einer defensiv orientierten Truppe zu einem Team schafft, das dem Gegner sein Spiel aufzwingt. "Wir spielen jetzt offensiver und sind schneller im Umschalten", beteuerte der Ried-Trainer.

Der Paradigmen-Wechsel hat aber auch negative Begleiterscheinungen. "Wir bekommen jetzt öfters mehr Gegentore. In Kapfenberg zum Beispiel haben wir bei einer 3:0-Führung auf das 4:0 gespielt und dann das 3:3 bekommen. Früher hätte ich in solchen Situationen einfach zugemacht, aber das ist eben unser neuer Stil." Bei Gludovatz' Amtsantritt vor knapp zweieinhalb Jahren hatte dies noch anders ausgesehen. "Zu Beginn war klar, dass die Null stehen muss und wir vielleicht aus einem Konter ein Tor machen. Dann haben wir uns immer mehr auf das Angriffsspiel konzentriert. Dieser Prozess wird durchgezogen, auch wenn wir das eine oder andere Kontertor bekommen", versprach der Coach.

Vom unorthodoxen 3-3-3-1-System wird allerdings nicht abgegangen. "Ich habe diese Grundformation anhand des Stärkeprofils meiner Spieler entwickelt, und sie wird beibehalten." Das taktische Konzept ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Grund für den Rieder Höhenflug. "Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist top, auch physisch sind wir gut drauf", meinte Gludovatz, der seine Truppe unter anderem mittels Videoanalyse auf jede Partie genau einstellt.

Auch in körperlicher Hinsicht wird nichts dem Zufall überlassen. Wie schon bei der U20-WM 2007 in Kanada ermittelt Gludovatz regelmäßig die CK- und Harnwerte seiner Spieler und erhält so Aufschluss über deren aktuelle Verfassung. In diesem Zusammenhang hat der Coach eine positive Entwicklung in der Mannschaft festgestellt. "Jeder schaut viel mehr auf seinen eigenen Körper, es hat sich eine richtige Eigenverantwortung entwickelt."

Die Mündigkeit der Kicker führt sogar so weit, dass sich Gludovatz einiges "diktieren" lässt. Am Freitag zum Beispiel wurde die Einheit auf Wunsch der Kicker kurzfristig von Vormittag auf Nachmittag verschoben und im Anschluss nach Wien gefahren, obwohl die Rieder üblicherweise erst am Matchtag zu Auswärtspartien anreisen. Der Umgang mit arrivierten Spielern ist laut dem langjährigen ÖFB-Nachwuchsbetreuer nicht anders als mit Junioren. "Im Prinzip ist es egal, ob man mit einem frühreifen 16-Jährigen oder einem problematischen 30-Jährigen arbeitet."

Gludovatz möchte die Zeit mit den Junioren nicht missen, allerdings entstand ihm dadurch zumindest bis zum vierten WM-Platz 2007 nicht unbedingt ein Vorteil. "Man muss in Österreich hoch oben gespielt haben, um als Trainer einen Namen zu haben. Wenn man mit dem Nachwuchs arbeitet, ist man schnell abgestempelt." Deshalb ziehe er vor all jenen namhaften Kollegen den Hut, die ihre Laufbahn im Nachwuchs begannen. "Denn dort kann man Fehler machen, die man im Profi-Fußball nicht mehr machen kann."

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