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Schlierenzauer fährt nicht nach Harachov © APA

Nur durch ein Sextett wird der ÖSV auf der nächsten Station zum Skispringer-Weltcup am Wochenende in Harrachov vertreten.

Nur durch ein Sextett wird der ÖSV auf der nächsten Station zum Skispringer-Weltcup am Wochenende in Harrachov vertreten. Angeführt von Thomas Morgenstern, dem Doppelsieger von Lillehammer, und Kuusamo-Gewinner Andreas Kofler reist das Team von Cheftrainer Alexander Pointner in der Nacht auf Freitag mit dem Tourbus von Innsbruck nach Tschechien. Nicht mit dabei ist Gregor Schlierenzauer.

Der Weltcupsieger von 2008/09, der in den vier Saisonbewerben noch keinen Top-Ten-Platz erreicht hat, arbeitet stattdessen weiter an der optimalen Anfahrtshocke. Perfektionist Schlierenzauer, Sieger von 32 Weltcup-Konkurrenzen, kann dem aktuellen Kräfteverhältnis in den Wettkämpfen nichts abgewinnen. Es ist das Zusammenspiel einiger Faktoren, die den 20-jährigen "Überflieger" seine Dominanz vorerst einbüßen ließen. Markus Maurberger, Stützpunkttrainer in Innsbruck, kennt den Stubaier von klein auf und hat mit ihm daran gearbeitet, den Schwerpunkt in der Anfahrt zum Schanzentisch tiefer zu legen. "Das Niveau ist stark gestiegen, viele fahren eine sehr ausbalancierte Hocke, das ist das Um und Auf, um ganz vorne dabeizusein", sagte Maurberger.

Für den Fulpmer gelte es nun, die neue, tiefere Position anzunehmen und zu automatisieren. "Letztendlich ist es ist nicht viel, das fehlt. Wir haben abseits der Schanze, sozusagen im Trockenen, gearbeitet", berichtete Schlierenzauer. Auf unterschiedlich geneigten Wegen in seinem Heimatort imitierte er die Anfahrt auf Rollerblades oder Skirollern. Am Wochenende sind Trainingseinheiten auf dem neuen Bakken in Seefeld geplant. "Wenn Gregor eine Hocke findet, in der er sich wohlfühlt, ist mit ihm sensationell zu rechnen", erklärte Maurberger gegenüber der APA - Austria Presse Agentur. Arbeiten in aller Ruhe sei wichtig, um das Gefühl zu finden und die Dinge einfach laufen zu lassen. Bis zur Tournee, dem ersten großen Ziel, soll das klappen.

In seinen ersten vier Weltcup-Saisonen war es Schlierenzauer dank seiner körperlichen Vorzüge im Flug gelungen, kleinere Probleme in der Anfahrt zu kaschieren und eine dominierende Rolle zu spielen. Doch durch die Einführung der neuen Bindung - erstmals eingesetzt durch den Schweizer Simon Ammann bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver - bekam die Konkurrenz Aufwind.

Hatte der Skiflug-Weltmeister bis dahin günstigen Körperbau und Technik für eine flachere Skiführung und daher größeren Auftrieb genützt, so holten die Rivalen danach auf. Der Bindungszapfen, der anstelle eines Bandes am Schuhende eingesetzt wird, erlaubt allen flachere Skiführung und größere Weiten. Zumindest auf dem Papier, denn um dies wie jüngst Morgenstern auch in Siege umzumünzen, dazu bedarf es noch viel mehr.

Ex-Weltcupsieger Morgenstern fährt voller Selbstvertrauen Richtung Osten. Nach mehreren Jahren wird in Harrachov nicht nur auf der Skiflugschanze (2 Konkurrenzen gleich nach der Tournee am 8./9. Jänner 2011), sondern auch auf der Großschanze geflogen. "Ich freu mich schon, dort wieder einmal hinzukommen. Die Schanze ist mit ihrem langen, flachen Anlauf ähnlich wie Bischofshofen und eigentlich perfekt für Fliegertypen", sagte Morgenstern. In Bischofshofen hatte der Kärntner heuer am 6. Jänner eine sieglose Periode von fast zwei Jahren beendet.

ÖSV-Team Harrachov: Thomas Morgenstern, Andreas Kofler (beide für Samstag fix qualifiziert), Manuel Fettner, Martin Koch, Wolfgang Loitzl, Michael Hayböck.

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