vergrößernverkleinern
Der Kärntner hat schon fast alles erreicht © APA (EXPA/Feichter)

Thomas Morgenstern hat es endlich geschafft. Der 24-jährige Kärntner nützte am Dreikönigs-Tag in Bischofshofen seine zweite

Thomas Morgenstern hat es endlich geschafft. Der 24-jährige Kärntner nützte am Dreikönigs-Tag in Bischofshofen seine zweite große Chance, die traditionsreiche Vierschanzen-Tournee zu gewinnen, eindrucksvoll. Morgenstern hat sich damit nach Einzel-Gold bei den Olympischen Spielen 2006 und dem Gesamt-Weltcup-Sieg 2007/08 auch den Prestige trächtigen Titel eines Tourneesiegers geholt.

Gelungen ist ihm dies mit einer neu gewonnenen inneren Ruhe und Gelassenheit und einem großen Vertrauen in sich selbst. Kann Morgenstern diese Form halten, dann ist er auch Favorit für das letzte ihm noch fehlende Edelmetall - Einzel-WM-Gold bei den Nordischen Weltmeisterschaften in Oslo.

Schon bei seinem erst fünften Weltcup-Springen hatte der damals erst 17-jährige Morgenstern gezeigt, was für ein Riesentalent da aus der ÖSV-Schmiede herangewachsen ist. Am 11. Jänner 2003 feierte er in Liberec seinen ersten Weltcup-Sieg. "Ich war damals wie in einer anderen Welt, wie im Traum, es war einer der schönsten Momente meines Lebens", erinnerte sich der Kärntner sechs Jahre später, unmittelbar vor Beginn der Nordischen WM 2009 am gleichen Schauplatz, wo es das Schicksal dann nicht so gut mit ihm meinte.

Den Sieg im Normalschanzenbewerb vor Augen stürzte er im Auslauf, bei der abendlichen Feier von Weltmeister Wolfgang Loitzl und dessen "Vize" Gregor Schlierenzauer fehlte der völlig niedergeschlagene Morgenstern. Es hätte ein ÖSV-Triplesieg mit ihm an der Spitze werden können.

Dass im Sport Triumph und Schmerz ganz nahe beieinander liegen können, hatte der dreifache Olympiasieger schon sehr früh erfahren müssen. Etwas mehr als 10 Monate nach seinem ersten Weltcupsieg stürzte er am 29. November 2003 in Kuusamo schwer. "Es war ein spektakulärer Sturz, da habe ich es sogar in die New York Times geschafft", erinnert er sich lachend. "Ich sehe das irgendwie als Startschuss für meine Karriere, da habe ich sehr viel daraus gelernt."

Die bisher rund acht Jahre im Spitzensport waren für ihn überhaupt eine große Lebensschule. Heute präsentiert sich Morgenstern, der es vorzieht, nicht mehr mit "Morgi", sondern seinem Vornamen angesprochen zu werden, nicht zuletzt dank einer neuen mentalen Betreuung abgeklärt, ruhig und gelassen. "Stolz bin ich vor allem auf die Konstanz, die ich über die acht Jahre hatte. Ich war immer unten den ersten Sieben im Gesamt-Weltcup, abgesehen vom ersten Jahr, da war ich nur in ca. zehn Springen dabei."

Ausgerechnet bei der Vierschanzen-Tournee hat Morgensterns Weltcup-Karriere Ende Dezember 2002 in Oberstdorf begonnen. "Das war etwas ganz Besonderes, da reinzukommen und Vorbilder wie Goldberger, Höllwarth, Widhölzl in der eigenen Mannschaft zu haben." Am Beginn sei er nervös gewesen, mit ihnen zu reden. "Wenn ich mir jetzt Bilder von damals anschaue, denk' ich mir, 'hey da ist einiges weiter gegangen bei dir'. Das ist schön zu sehen."

Seine erste Medaille holte der aktuelle Weltcup-Leader 2004 mit der Mannschaft bei der Skiflug-WM in Planica (Bronze), die erste(n) Goldmedaille(n) mit der Mannschaft bei der WM in Oberstdorf. "Dann ist eh schon Turin gekommen. Das war mein erster riesengroßer Erfolg - ich habe sozusagen mit dem größten Erfolg begonnen." Dort schlug er Andreas Kofler von der Großschanze um die Lächerlichkeit eines Zehntelpunkts, holte Seite an Seite mit ihm auch noch Olympia-Gold mit der Mannschaft. Vier Jahre später gelang dies den ÖSV-Adlern, die seit 2005 in Mannschaftsbewerben bei Großereignissen ungeschlagen sind, auch in Vancouver/Whistler.

Das Talent des Kärntners hatte schon der frühere ÖSV-Cheftrainer Hannu Lepistö erkannt und ihn mit dem großen Matti Nykänen verglichen, auch Toni Innauer sprach schon bald von einem "Rohdiamanten". Geboren in Spittal/Drau, wohnhaft in Seeboden, lebt er seit heuer mit Langzeit-Freundin Kristina im neuen eigenen Haus. Morgenstern lässt in allen seinen Statements keinen Zweifel daran, dass er ein echter Kärntner ist. Deftige, lockere Sprüche, mit seiner unbekümmerten Art hat er viele Fans gefunden.

Der Traum vom Fliegen hat ihn 2008, als er nach dem ersten Gesamt-Weltcupsieg auch erstmals zu "Österreichs Sportler des Jahres" gekürt wurde, zu einer Kurskorrektur veranlasst. Morgenstern ließ seine bereits begonnene Polizistenausbildung sausen und darf nun auch ohne Ski an den Füßen abheben: Er ist ausgebildeter Pilot.

Seine "Pilotenausbildung" auf den Schanzen der Welt hat freilich viel früher begonnen. "Ich bin über das Toni-Innauer-Skifest in Bad Kleinkirchheim zum Skispringen gekommen", erzählte Morgenstern, der aus einer sehr sportlichen Familie kommt. U.a. war sein Onkel väterlicherseits, Alois Morgenstern, 1976 Olympia-Siebenter im alpinen Slalom.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel