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"Letzte Zuversicht fehlt und noch" © APA (Expa/Groder)

Andreas Puelacher, Trainer der ÖSV-Weltcupgruppe Riesentorlauf und Kombination, glaubt zu wissen, was den Österreichern im RTL

Andreas Puelacher, Trainer der ÖSV-Weltcupgruppe Riesentorlauf und Kombination, glaubt zu wissen, was den Österreichern im RTL noch zur absoluten Spitze fehlt: "Die letzte Zuversicht, die letzte Überzeugung, das letzte Vertrauen in dich, dass du brauchst, damit du so einen Lauf durchziehst, dass du so ein Rennen dann gewinnst, fehlt uns noch", bemerkte der 46-jährige Tiroler.

Benjamin Raich (beste Saisonergebnisse 5 und 4) und Marcel Hirscher (3,6) dürfen mit der Nominierung für die Riesentorlauf-Mannschaft in Garmisch-Partenkirchen rechnen, Philipp Schörghofer (9,7) liegt gegenüber Romed Baumann (4), Stephan Görgl (9) und Hannes Reichelt (14) vor dem letzten Bewerb in Hinterstoder auch im Vorteil. "Fix ist nichts, aber es schaut relativ gut aus für Benni und Marcel. Für einige aber wird Hinterstoder noch sehr, sehr wichtig", sagte Puelacher, der hofft, dass er für sein Team noch Trainingszeit auf dem WM-Hang von Garmisch bekommt. Für Raich wird sich das wegen seines Programms aber nicht ausgehen.

Auch in Adelboden, wo am Samstag Raich Vierter und Schörghofer Siebenter geworden war, sei man nicht weit weg gewesen von der Spitze, erklärte Puelacher. Dem Pitztaler Raich fehlten 0,22 Sekunden auf den Sieg, sowie nur 0,02 auf Platz drei. Schörghofer lag 0,37 hinter Platz eins, Reichelt als 14. 0,64 und Hirscher als 16. 0,81. Deshalb ist der Trainer, der in den vergangenen Jahren in der Schweiz arbeitete und vom neuen Herren-Chef Mathias Berthold zum ÖSV geholt wurde, überzeugt. "Wenn wir die kleinen Fehler auch noch beseitigen und mal zwei Durchgänge runterbringen, dann sind wir dabei."

Wie eng es im Riesentorlauf zugeht, zeigt auch, dass Raich trotz seines vierten Platzes aus der ersten Startgruppe der Top-Sieben gefallen und nun Achter ist. Der Franzose Cyprien Richard, der am Samstag auf dem Chuenisbärgli ex aequo mit dem Norweger Aksel Lund Svindal gewonnen hatte, verdrängte Raich, bei dem sich in der WCSL-Liste der Startverzicht in Beaver Creek wegen Rückenproblemen und der Ausfall in Alta Badia bemerkbar gemacht hatten.

Puelacher hatte bei seinem Amtsantritt bemerkt, dass nach den für den ÖSV medaillenlosen Winterspielen die Läufer "ein bisserl in ein mentales Loch" gefallen sind. "Man hat Österreich schlechter geredet oder geschrieben, als es war. Benni hat auch keine Medaille gemacht, er ist ja auch in dem Topf drinnen. Nun läufst du seit 2009 diesem Podest nach, bist immer ein bisserl unter Druck und nicht frei zum Drauflosfahren. Die Dichte im Riesen wird immer enger. Die jungen Burschen, wie die zwei Franzosen, riskieren, das letzte Risiko muss der Benni auch noch herauskitzeln." Auf einem Stockerplatz im Riesentorlauf wartet Raich nun bereits seit 13. Dezember 2009.

Reduziert werden müsste die Fehleranfälligkeit, sagte Puelacher. "Schörghofer versucht, aggressiv zu fahren, und macht Fehler. Wenn er zwei Läufe durchbringt, ist er vorne mit dabei. Er ist ein sensationeller Skifahrer. Ich habe mich mal bei Mentaltrainern schlaugemacht, die sagen, dem fehlt das befreite Drauflospfeifen. Ich habe zu ihm vor den letzten zwei Rennen gesagt, du musst nicht gewinnen. Du darfst, du kannst es, aber es darf kein Muss sein. Lass dich von niemand unter Druck setzen."

Bei Baumann hat der Trainer beim Zuschauen immer das Gefühl, dass dieser noch Reserven habe. "Wenn er im Training dann drüber geht, kommt er nicht ins Ziel. Dann schaltet er wieder zurück." Baumann wird am 14. Jänner 25 Jahre. Er ist einer der jüngsten im Riesentorlauf-Team. Jünger sind nur Hirscher und Björn Sieber (beide 21). Christoph Nösig ist auch bereits 25. "So eine junge Mannschaft sind wir nicht mehr. Ein Nösig muss jetzt auch einmal einen Schritt machen, sonst bleibt er ein Fahrer zwischen 25 und 35", meinte Puelacher.

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