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Österreichs Speedstar will Liebe wieder entdecken © APA (epa)

Eine Abschiedstournee mit Pauken, Trompeten, Blumen und Fotoapparat wird seine letzte Saison nicht werden. Das hat Michael

Eine Abschiedstournee mit Pauken, Trompeten, Blumen und Fotoapparat wird seine letzte Saison nicht werden. Das hat Michael Walchhofer schon zu Beginn des Winters klar gestellt. Deshalb kam auch keine Wehmut auf, als der Skirennläufer mit der Wengernalpbahn zu seinen finalen alpinen Lauberhornrennen hoch fuhr. Das einzige Feuerwerk, das der 35-jährige Salzburger zulässt, ist ein sportliches.

Und für das hat er zuletzt mit drei Siegen (zwei in Abfahrt, einer im Super-G) auch gesorgt, und die Lust auf mehr ist groß wie in jüngsten Jahren. Als das Frühjahr 2010 kam, wusste Walchhofer, dass seine Karriere noch nicht vorbei ist, die abgelaufenen Weltcup-Saison hatte nur einen Sieg im Super-G eingebracht. "Mir war klar, dass es das nicht gewesen sein kann. Ich habe mir dann gesagt, du legst jetzt noch eine gescheite letzte Saison hin und dann haust du den Hut drauf." Daran wird sich nichts ändern, egal wie erfolgreich sich der Winter noch gestaltet. "Sicher, wenn du gewinnst, ist es lässig, aber ich habe dann relativ schnell wieder die Bestätigung, dass es so passt." Und damit meinte er den definitiven Abschied.

Mit Wengen verbindet Walchhofer eine "Hassliebe", wie er es nennt. "Wengen war bis zum Sieg 2005 meine Lieblingsabfahrt. Nachdem ich gewonnen hatte, hat sich die Liebe ein bisserl verflüchtigt. Ich hatte sie bezwungen und in den letzten Jahren war dann nicht mehr das Feuer da, auch wenn ich noch zweimal Zweiter war. Ich hoffe, dass ich es heuer ein bisserl besser hinbekomme", erklärte der Zauchenseer seine Beziehung zum Lauberhorn. Das erklärte Ziel für Samstag ist der Sieg. Als seine Schlüsselstelle bezeichnete er das Brüggli-S. "Das ist mein persönliches Steckenpferd. Das muss ich am Samstag gut erwischen."

Vor seinem letzten Wengen-Antreten kam natürlich die Frage nach dem ersten. Der in früheren Jahren exzellente Slalomfahrer hat seine Premiere im Torlauf absolviert. "Das war 1999, ich hatte keinen Helm auf, bin mit dem Ski auf die Stange gefahren, es hat mich vorne hingehaut und ich hatte ein bisserl Kopfweh", blieb das erste Kennenlernen schmerzhaft in Erinnerung. 2001 hätte Walchhofer dann in Wengen seine erste Weltcup-Abfahrt bestreiten sollen, allerdings wurde das Rennen wegen Nebels im Zielbereich abgesagt, womit er in Kitzbühel debütierte.

Und das mit sensationeller Leistung, denn der damalige Slalom-Spezialist raste auf der Streif auf den neunten Platz und wurde hinter dem Norweger Lasse Kjus dann auch Zweiter in der klassischen Kombination. Seiner Vergangenheit als hervorragender Techniker ist sich Walchhofer natürlich immer noch bewusst, doch reicht das wohl nicht, um am Freitag an der Lauberhorn-Kombination teilzunehmen.

Auch nicht, wenn er nach der Kombi-Abfahrt, die er zu Trainingszwecken bestreiten will, überlegen führen würde? "Den Slalom gescheit zu bewältigen, das hätte schon seinen Reiz, aber ich bin echt zu weit weg. Ich habe für die Saison kein einziges Slalomtor trainiert. Und wenn du nie Slalom trainierst und dann fährst, dann tut dir gleich das Kreuz weh. Du fädelst ein, es haut dich hin", zählte der dreifache Familienvater auf, was so alles passieren könnte. Doch andererseits: "Skifahrerisch schadet es einem Abfahrer nicht, du brauchst eine gute Mittellage, einen guten Schwerpunkt. Und reagieren musst du schnell."

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