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Kröll freundete sich mit Lauberhorn an © APA (Keystone)

Sohn Tim (4) hat mit dem Papa nach der Kombi-Abfahrt noch "schiach getan", weil dieser den Zielhang runtergebremst hatte. "Er hat

Sohn Tim (4) hat mit dem Papa nach der Kombi-Abfahrt noch "schiach getan", weil dieser den Zielhang runtergebremst hatte. "Er hat gesagt, so werde ich nie siegen", erzählte Klaus Kröll. Fast wäre es am Samstag im Ernstfall auch gerade dort schief gegangen, doch hatte der Steirer mit einer zuvor sehr guten Fahrt genügend Vorsprung rausgeholt, um dem begehrten Triumph auf dem Lauberhorn zu feiern.

Zu hoffen bleibt aber, dass der aufmerksame Tim beim Zusehen am Fernseher nicht verstanden hat, was sein Vater vor sich hin fluchte, als er nach der Spezialabfahrt im Zielraum abgeschwungen hatte. "Ich habe mir gedacht, jetzt wird es genauso sein, dass ich geschlagen werde wegen dem Ziel-S. Zum Glück war es dann nicht so", erzählte der 30-Jährige weitaus zitierfähiger als seine erste in Worte gefasste Emotion es war.

In Wengen war es zuvor für ihn nicht allzugut gelaufen, 2009 brach er sich drei Handwurzelknochen, sportlich war ein sechster Platz 2007 das beste Ergebnis. "Ab sofort ist das Verhältnis um einiges besser", bestätigte Kröll, den die vor dem Jahreswechsel beim Sturz in der Bormio-Abfahrt zugezogene Knieverletzung im Rennen am Samstag nicht behinderte. Er fuhr auch ohne Schmerzmittel, weil er sich wegen ihnen in den Trainings so müde gefühlt hatte.

Das Warten im Zielraum entwickelte sich zur nervenaufreibenden Angelegenheit. Erst nachdem Lokalheld Didier Cuche im Ziel war, verspürte der Gewinner von nun drei Weltcupbewerben "eine große Erleichterung", und als bei der Siegerehrung die österreichische Hymne gespielt wurde, realisierte Kröll, dass er es geschafft hatte. "In Bormio wollte ich gewinnen und ich war auf dem Weg. Hier wollte ich nur ein gutes Rennen fahren. Ich habe nicht gedacht, dass ich um den Sieg mitfahren kann, ich habe mich selbst nicht so gut eingeschätzt."

Kröll fährt eine starke Saison, war auch Sechster in Lake Louise und Vierter in Gröden. "Ich habe mir gesagt, ich schaue mir die Geschichte am Anfang an und gebe dann in Europa Gas und hoffe, Siege und gute Resultate einzufahren. Und ich verspreche, dass ich auch weiter alles dran setzen werde. Ich weiß, dass ich auf allen Bedingungen schnell sein kann, mich schreckt keine Vorhersage", blickte der Öblarner nach Kitzbühel, wo es für die Renntage kälter und eisiger werden könnte.

Dass es im Vergleich zum Vorjahr in diesem Winter für ihn wieder um vieles besser läuft, hat mehrere Gründe. Er habe die ganze vergangene Saison gerätselt und selber gespürt, dass irgendwas mit der Materialabstimmung nicht passte. "Zum Schluss ist es eh wieder gut geworden, aber nur weil ich wieder zurückgewechselt habe auf das alte. Im Frühjahr waren wir sehr interessiert daran, noch einen Schritt weiterzukommen und haben viel gearbeitet. Und in der Vorbereitung hatten wir auch Glück gehabt mit dem Wetter in Chile."

Ruhe bewahren entpuppt sich ebenfalls als Schlüssel zum Erfolg für Klaus Kröll. "Ich schaue nicht darauf, was verlangt oder erwartet wird. Ich habe meine eigenen Vorstellungen bei den Rennen, was ich fahren möchte. Da lasse ich mich nicht großartig rausbringen oder narrisch machen, wenn nicht alles so läuft, wie sich andere das vorstellen. Es hilft mir auch nichts, wenn alle anderen gut fahren. Ich muss auf meine Leistung schauen."

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