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Harnik liegt die Rolle des Eingewechselten © APA (epa/Archiv)

Martin Harnik hat seinem Spitznamen "Super-Joker" zum Rückrundenstart in der deutschen Bundesliga einmal mehr alle Ehre gemacht.

Martin Harnik hat seinem Spitznamen "Super-Joker" zum Rückrundenstart in der deutschen Bundesliga einmal mehr alle Ehre gemacht. Der 23-Jährige schoss den VfB Stuttgart in der 79. Minute, neun Minuten nach seiner Einwechslung, zum 1:0-Heimsieg gegen den Tabellenzweiten FSV Mainz 05. Es war bereits das achte Joker-Tor Harniks in der laufenden Saison (4 Bundesliga/3 DFB-Cup/1 Europa League).

Harnik hatte in der Vorbereitung einige Trainingseinheiten wegen einer Muskelverhärtung im Oberschenkel verpasst und war deshalb lange Zeit für den Frühjahrsstart fraglich gewesen. Am Freitag hatte er dann allerdings am Abschlusstraining teilgenommen und sich damit quasi in letzter Sekunde für die Nominierung für den Kader empfohlen.

"Ich danke dem Trainer für das Vertrauen in mich. Das Tor war unglaublich, es waren viele Emotionen dabei, nicht nur Freude, sondern auch Erleichterung", sagte der gebürtige Hamburger. Harnik ist mittlerweile wieder beschwerdefrei. "Und damit das auch so bleibt, mache ich spezielle Übungen, um die Muskulatur fit zu halten", sagte der ÖFB-Teamspieler.

Den spielentscheidenden Treffer hatte in Timo Gebhart ebenfalls ein Wechselspieler und Harniks Zimmerkollege vorbereitet. "Den Martin kann man eigentlich nur als Joker einsetzen, alles andere bringt nichts", sagte der Assistgeber mit einem Augenzwinkern. Harnik hatte den Ball nach einem Pass von Gebhart mit einer Grätsche über die Linie gedrückt.

Viel wichtiger als der persönliche Erfolg war für den Österreicher jener der Mannschaft im Abstiegskampf. Die Stuttgarter verbesserten sich nach dem vierten Saisonsieg vor dem Sonntagspiel des 1. FC Köln auf den 16. und damit Relegations-Platz. "Das Tor war symptomatisch dafür, wir wir uns in das Spiel reingebissen haben", betonte Stuttgart-Coach Bruno Labbadia. Der Trainer lobte seinen ÖFB-Stürmer nach dessen fünftem Liga-Saisontor in höchsten Tönen: "Martin hat bestätigt, dass er aus dem Stand heraus Leistung bringen kann. Er ist sehr dynamisch und leichtfüßig." Sportdirektor Fredi Bobic bezeichnete Harnik gar als "Phänomen".

Nach dem erfolgreichen Start haben die "Schwaben" jetzt Lunte gerochen, am Samstag geht es auswärts gegen Tabellenführer Borussia Dortmund. "Dortmund spielt sicherlich zurzeit den besten Fußball in der Liga. Aber wir fahren nicht dahin, um zu verlieren, sondern wollen wieder etwas mit zurück nach Stuttgart nehmen", gab sich Harnik angriffslustig.

Die unterlegenen Mainzer, bei denen Andreas Ivanschitz nur auf der Bank saß, trauerten den vergebenen Punkten nach. "Ich glaube, das war eine der unnötigsten Niederlagen, seit ich professionell Fußball spiele. Wir hätten mindestens ein Unentschieden holen müssen", ärgerte sich Christian Fuchs, der als linker Außenverteidiger eine gute Leistung bot.

Positiv verlief auch der erste Pflichtspiel-Auftritt von Martin Stranzl im Dress von Borussia Mönchengladbach. Beim 1:0-Auswärtssieg des Schlusslichts gegen den 1. FC Nürnberg sorgte der Burgenländer für die nötige Stabilität in der Abwehr, hatte aber auch Glück, dass Schiedsrichter Rafati ein Textilfoul des Ex-Spartak-Moskau-Kickers im Strafraum nicht ahndete. "In der Schlussphase hatten wir das Quäntchen Glück, das uns in der Hinrunde gefehlt hat. Der Sieg gibt Selbstvertrauen", sagte Gladbach-Coach Michael Frontzeck nach dem Ende der Negativserie von fünf Niederlagen en suite.

Über einen erfolgreichen Auftakt durften sich auch Marko Arnautovic und Sebastian Prödl freuen. Mit Werder Bremen gab es gegen 1899 Hoffenheim einen 2:1-Erfolg, den 200. Sieg für Coach Thomas Schaaf in der Bundesliga. Arnautovic bereitete den Führungstreffer von Claudio Pizarro vor. Torsten Frings erzielte den Siegestreffer erst in der Nachspielzeit, kurz nachdem Boris Vukcevic für die Hoffenheimer ausgeglichen hatte. "Wir haben uns riesig gefreut und gefeiert, als wären wir Weltpokal-Sieger geworden. Es waren für uns drei unglaublich wichtige Punkte", meinte Pizarro. Die Bremer verdarben damit Hoffenheim-Coach Marco Pezzaiuoli den Einstand. David Alaba stand in der Startelf und war auch für viele Standardsituationen verantwortlich. Andreas Ibertsberger wurde zur Pause wegen Oberschenkelproblemen ausgetauscht.

Rekordmeister Bayern München verabschiedete sich nach einem 1:1-Remis gegen den VfL Wolfsburg, der zum siebenten Mal in Serie Unentschieden speilte, mit 16 Punkten Rückstand auf Dortmund wohl endgültig aus dem Titelrennen. "In unserer Situation können wir nicht auf Platz eins schauen, unser großes Ziel ist Platz zwei", sagte Philipp Lahm. "Bei uns herrscht Riesenfrust", fügte Thomas Müller hinzu. Der 22-jährige Neo-Einser-Goalie Thomas Kraft durfte sich trotzdem über ein starkes Bundesligadebüt im Münchner Tor freuen, er parierte auch einen Elfmeter. Alle vier in den Samstagsspielen verhängten Strafstöße (Bayerns Lahm, Wolfsburgs Grafite, Freiburgs Cisse und Nürnbergs Pinola) wurden übrigens vergeben, damit erhöhte sich die schwache Bundesliga-Saison-Bilanz vom Punkt auf 18 vergebene Versuche von insgesamt 50.

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