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Der zufriedene Ausdruck kommt nicht von ungefähr © APA (epa)

Unschlagbar ist Ivica Kostelic im Slalom nicht, das hat der Weltcup-Bewerb in Wengen am Sonntag gezeigt. Der Kroate hat mit sehr

Unschlagbar ist Ivica Kostelic im Slalom nicht, das hat der Weltcup-Bewerb in Wengen am Sonntag gezeigt. Der Kroate hat mit sehr guter Leistung gewonnen, weil Marcel Hirscher einen Riesenpatzer hatte. Beide mögen die Rennen bei weichen Verhältnissen, in Hinblick auf die alpinen Ski-WM im Februar in Garmisch-Partenkirchen ist das Meistern von Läufen auf Frühjahrsschnee sicherlich kein Nachteil.

"Beim Rennen in Adelboden waren die Bedingungen nicht viel besser", meinte Hirscher, der auf den zwei Weltcup-Stationen im Berner Oberland im Slalom jeweils Zweiter hinter Kostelic geworden war. "Du musst eine ordentlich dicke Haut haben und einen brutalen Willen, weil das Ganze ist schon sehr, sehr anstrengend", sagte der Salzburger über den Kroaten, der in Wengen eines der zwei Abfahrtstrainings (5.), die Super-Kombination (1.), die Abfahrt (12.) und den Slalom (1.) bestritt, 222 Punkte eroberte und jede Menge Respekt einheimste.

Mental dürfe man so ein Programm nicht unterschätzen, meinte Hirscher weiter, speziell als Slalomfahrer. "Ich glaube nicht, dass Ivica schon so viel Routine hat, dass ihn so eine Abfahrt kalt lässt. Momentan ist er der Gefährlichste für den Gesamtweltcup und wenn er das durchziehen kann und sein Programm durchhält, ist er sicherlich schwer zu schlagen." Kostelic führt seit dem Sieg im Adelboden-Slalom am 9. Jänner im Gesamtweltcup und hält nun bei 726 Punkten. Es folgen der Norweger Aksel Lund Svindal (511), der Schweizer Silvan Zurbriggen (469) sowie Benjamin Raich (434).

Auch für Raich ist Kostelic nun der Hauptanwärter auf die große Kugel. Der Pitztaler, der in Wengen zweimal Fünfter wurde (Super-Kombi und Slalom/Rückkehr in erste Startgruppe der Top-Sieben) und 90 Zähler holte, hat sicherlich noch seine Chancen, die er aber auch reichlich nützen wird müssen, wenn er das Rennen offen halten will. Der 31-jährige Kostelic denkt derweil möglichst wenig an den Gesamtweltcup. Sagt er zumindest. "Ich bin voran, weil ich mich nicht auf den Gesamtweltcup konzentriert habe. Ich denke nur von Rennen zu Rennen."

Wengen, gesteht er, habe ihn viel Kraft gekostet. "Es ist schwer, so viele Tage auf einem Toplevel zu sein. Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe. Das ist sicher eines der besten Wochenenden meiner Karriere, Wengen ist ein wichtiger Platz für mich". Für den Bruder der früheren Weltklasseläuferin Janica Kostelic war es der insgesamt 15. Weltcup-Sieg, der bereits Vierte in Wengen. "Wichtig ist, dass ich mich auf mich selbst konzentriere. Das ist der Weg. Jetzt muss ich den Fokus halten für die nächsten Einsätze."

Kostelic freut sich nun auf eine kleine Pause. "Im Sommer weißt du nicht, was es bedeutet, wenn du so viele Tage frei hast. Und im Jänner schätzt du dann jede Stunde." Und er freut sich nach den Zuschauer-Rennen in der Schweiz - 42.000 Fans bei den zwei Adelboden-Bewerben, 62.000 bei den drei in Wengen - nun auf jene in Österreich vor ebenfalls sicherlich gewaltiger Kulisse. "Ich habe viele Freunde und Fans in Österreich, es ist meine zweite Heimat, ich verbringe dort so viel Zeit."

Kostelic und Hirscher verbindet nicht nur ihr Kopfsponsor (Raiffeisen), unter den gelben Helmen verbergen sich auch ähnliche Gedankengänge in Bezug auf die Pistenpräparierung. "So eine Piste ist cooler als eine Eispiste, wo du im Ziel abschwingst und nicht weißt, wieso du eine Sekunde hinten bist. Dann musst du eine Stunde Video analysieren, damit du das herausfindest", lautet Hirschers Meinung. Und für die Zuschauer daheim auf der Couch sei es auch wesentlich einfacher festzustellen, was der Unterschied zwischen Weltklasse und denen sei, die sich schwerer tun.

"Zur Basis zurückkehren", dafür plädiert Kostelic. "Zu Stenmark-Zeiten gab es keine spezielle Präparierung, da fuhren alle auf der Piste, wie sie war, auf Schlägen, Wellen. Auf natürlichem Untergrund, dem Schnee, und nicht auf Eis." Dabei würden sich die vielen Hobbysportler auch eher wiedererkennen, weil sie auch auf unbehandelten Pisten Ski fahren. "Wir hingegen fahren auf Eis, Eis Eis. Und da wissen die Leute überhaupt nicht, worüber wir reden." Verhältnisse wie sie sich in Wengen den Rennläufern präsentierten, seien Herausforderungen, aber sie seien schließlich da, um diese Probleme zu lösen.

Ein kleines Problem am Skischuh hat Hirscher zwischen Adelboden und Wengen gelöst. "Eine Kleinigkeit hat nicht gepasst, es ist aber alles wieder so hergerichtet worden, dass es keinen Einfluss hatte. Es war sehr wichtig, dass wir draufgekommen sind." Und mehr wird dann auch schon nicht verraten. Was sein Material kann, offenbart der Atomic-Pilot lieber auf der Piste.

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