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Götschl sieht Vonn und Riesch als Ausnahmekönner © APA (Archiv/Fohringer)

Eigenheimidylle und Babygesang statt Rennhocke: Renate Götschls Welt hat sich in den 17 Monaten seit dem Rücktritt vom

Eigenheimidylle und Babygesang statt Rennhocke: Renate Götschls Welt hat sich in den 17 Monaten seit dem Rücktritt vom Skirennsport grundlegend verändert. Während Lindsey Vonn und Co. weiter um Siege kämpfen, beobachtet die Cortina-Königin aus der Steiermark zu Hause die ersten Schritte ihrer zehn Monate alten Tochter Lara-Sophie. Die Ski-Szene verfolgt sie dennoch interessiert.

Immerhin ist Vonn drauf und dran, auch Götschl-Rekorde zu brechen. Die derzeit perfekteste Rennfahrerin ist für Götschl aber deren deutsche Rivalin Maria Riesch.

"Koffer gepackt habe ich genug", ist Götschls lachende Erklärung dafür, dass sie in der Woche der Rennen in "ihrem" Cortina, wo sie mit zehn Siegen Weltrekord erzielt hat, gelassen zu Hause bleiben kann. Die im August 2009 wegen ihrer Schwangerschaft zurückgetretene Siegerin von 46 Weltcuprennen hat sich ein gemütliches Daheim zugelegt. Das Haus, in dem Labrador Benni jedem Besucher die Filzpantoffeln nachträgt, steht in Spielberg. Jenem zur Stadt erhobenen Ort, an dessen anderem Ende gerade der neue Red-Bull-Ring entsteht.

Götschls Lebenspartner Hannes wird dort als Obmann des Motorsportclubs Spielberg, zu dem auch die Zweirad-Asse Andi Meklau und Gustl Auinger gehören, bald viel zu tun bekommen. Denn auf dem früheren Österreich- und A1-Ring dröhnen ab Mitte Mai wieder die Motoren. "Gut so. Die Region braucht das", begrüßte die alpine "Speed Queen" die Rückkehr des großen Motorsports.

Brauchen würde das ÖSV-Abfahrtsteam auch bald wieder eine vom Kaliber Götschls. Seit sie nach Michaela Dorfmeister und Alexandra Meissnitzer als letzte der drei "Golden Girls" zurückgetreten ist, hat Österreich exakt null Abfahrten gewonnen. Seit Götschls 24. und letzten Abfahrts-Sieg im März 2007 schaffte als einzige Andrea Fischbacher einmal im Februar 2009 den Sprung ganz nach oben auf das Abfahrtspodest.

Die Dominatorinnen sind seitdem Vonn und Riesch, Die jüngsten 13 Abfahrten haben sich die beiden Freundinnen untereinander ausgemacht, wobei Vonn mit 9:4 klar die Oberhand hat. "Lindsey und Maria sind Ausnahmetalente", ist für Götschl schnell die Erklärung gefunden, warum derzeit im Damenzirkus den beiden keine das Wasser reichen kann. "Aber auch bei uns wird es irgendwann wieder ein Ausnahmetalent geben", ist Götschl überzeugt.

Im Damen-Skirennsport hatte jede Zeit ihre Ausnahmefahrerinnen von Annemarie Moser-Pröll über Petra Kronberger und Vreni Schneider bis zu Janica Kostelic. Derzeit sind es sogar zwei. Dass mit Vonn eine davon drauf und dran ist, auch einige der vielen Götschl-Rekorde zu brechen, kratzt die dreifache Weltmeisterin aus der Steiermark nicht wirklich.

46 Weltcupsiege, davon 24 in der Abfahrt, hat Götschl mit in die "Pension" genommen, Vonn hielt vor Cortina bei 37 bzw. 20. Götschls zehn Siege an einem Ort (Cortina) wird Vonn wohl am ehesten in Lake Louise (8 Siege, davon 7 in der Abfahrt) toppen. Götschl sieht sogar die Pröll-Rekorde (62 Siege, 36 in der Abfahrt) in Gefahr und ist überzeugt, dass Vonn dereinst zumindest die erfolgreichste Abfahrerin aller Zeiten werden kann.

Dennoch steht derzeit aber Vonns Hauptrivalin Riesch einen Tick weiter oben auf Götschls persönlicher Präferenzliste. Die Deutsche sei für sie derzeit sogar die noch perfektere Skifahrerin, weil sie auch in den technischen Disziplinen stark und konstant fahre.

Riesch wirke zudem einen Tick reifer und abgeklärter und ist deshalb auch Götschls persönliche Favoritin auf die große Kugel. Was die Speed-Queen aber mehr als alles andere bewundert, ist die andauernde Freundschaft zwischen den beiden besten Skifahrerinnen der Gegenwart.

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