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Grugger wurde sofort in die Klinik geflogen © APA (Parigger)

Passieren verhängnisvolle Stürze im alpinen Skisport, entbrennt sofort immer auch eine Sicherheitsdiskussion. Muss es immer

Passieren verhängnisvolle Stürze im alpinen Skisport, entbrennt sofort immer auch eine Sicherheitsdiskussion. Muss es immer höher, weiter und schneller gehen? Wird die Streif immer gefährlicher gemacht? So lauteten in Kitzbühel die emotionsgeladenen Fragen an die Verantwortlichen. Beim Unfall des Salzburgers Hans Grugger am Donnerstag machten Experten einen Fahrfehler aus.

Dennoch gerät dieser nicht unwesentliche Umstand im Schock und der Aufregung zur Nebensache. "Solche Stürze werden sich nie verhindern lassen, und man darf jetzt auch nicht mit der Analyse übers Knie brechen. Wir müssen festhalten, dass es für den Sport ausgebildete und trainierte Athleten sind", sagte etwa der frühere Rennläufer Armin Assinger und jetzige ORF-Co-Kommentator von Skirennen. "Wenn wir mindestens zehn Sekunden langsamer sind als der Rekord auf der Strecke, haben, glaube ich, alle Maßnahmen, die wir getätigt haben, um das Tempo zu kontrollieren, auch gegriffen", hatte FIS-Renndirektor Günter Hujara am Donnerstagabend nach dem Team Captains Meeting auf entsprechende Fragen geantwortet.

Der früher Rennläufer und jetzige deutsche TV-Experte Markus Wasmeier meinte Freitag im ARD-Morgenmagazin: "Stürze wecken Interesse und vor allem so schockierende Situationen, wie wir sie von Hans Grugger gesehen haben. Die alpine Ski-Abfahrt ist die Formel 1 im Winter. Wir haben aber keinen Kasten wie die Autofahrer, das ist das Problem. Und bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h kann man dann bei einem kleinen Fehler bei einem so weiten Flug einfach nicht mehr steuern, dann passiert so was."

Der alpine Skisport sei sicherer geworden. Mit Netzen und Sturzräumen. Der Athlet selbst trägt Helm, Rückenprotektoren - und einen dünnen Rennanzug. "Aber wenn du mit starker Wucht auf eine Eisplatte fällst, entsteht so eine große Dynamik, der kannst du fast nicht entgegenwirken", erklärte Wasmeier. Wenn man mit so einer Wucht aufpralle, dann sei auch die Dämpfungskraft eines Helmes begrenzt, hatte dazu Hujara bemerkt.

Man müsse auch in schweren Stunden bei den Fakten bleiben, hatte Assinger gemahnt. Sicher seien manche nach dem Sturz von Grugger unter Schockeinfluss gefahren, "aber andere, routinierte Läufer wie Cuche sind mit vollem Geschäft gefahren, der hat sich gesagt: 'Ich fühle mich sicher, wenn ich auf Angriff fahre'", gab der Kärntner zu Protokoll.

Nicht jeder aber hat die Erfahrung des Schweizer Speed-Asses und Vorjahressiegers Didier Cuche. Der 21-jährige Österreicher Marcel Hirscher, der große und umfassende Fähigkeiten auf Skiern besitzt, sich derzeit aber äußerst erfolgreich nur im Slalom und Riesentorlauf versucht, meinte in Kitzbühel: "Es ist einfach eine Tragödie, was da passiert ist. Für mich ist klar, dass Speed-Rennen derzeit für mich nicht infrage kommen. Dieses Thema hat sich für mich nach dem Sturz von Grugger erledigt."

Obwohl er möglicherweise im Super-G in Hinterstoder starten möchte, denn dort kenne er den Hang sehr gut, so Hirscher. Das war es auch, was Assinger gemeint hatte, als er sagte, dass schlussendlich jeder genau wisse, auf was er sich einlasse, wenn er am Start stehe.

Der junge Salzburger Hirscher weiß aber auch, was gefragt ist: "Wir leben in einer Zeit, in der das Motto heißt: immer schneller, weiter und höher. Wenn das nicht so ist, dann ist es uninteressant. Da gibt es einfach einen großen Zwiespalt. Dabei haben wir gerade mit dem Parallelslalom (München/Anm.) gezeigt, welche tolle Show wir liefern können. Und ein wirklich schwerer Unfall kann dabei nicht passieren."

Hans Grugger hat am Donnerstag bei seiner Sturz bei der Landung im Mausefalle-Sprung schwere Kopf- und Brustkorbverletzungen erlitten. Er liegt nach einer Notoperation auf der Intensivstation des Landeskrankenhauses Innsbruck. Am Freitagvormittag wollten die Ärzte auf einer Pressekonferenz über seinen Gesundheitszustand informieren.

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