vergrößernverkleinern
Es war einer von Cuches emotionalsten Siegen © APA (Parigger)

Die vier Abfahrtssiege in Kitzbühel sind ja eigentlich nur dreieinhalb, stelle Didier Cuche klar, denn einmal sei eine

Die vier Abfahrtssiege in Kitzbühel sind ja eigentlich nur dreieinhalb, stelle Didier Cuche klar, denn einmal sei eine Sprintabfahrt dabei gewesen. Vielleicht ergibt sich 2012 die Möglichkeit für den Schweizer, den Rekord klar und allein für sich zu beanspruchen. "Aber wenn ich nicht mehr starte, werde ich sicher sagen, dass es auch vier sind", meinte der älteste Siegfahrer der Weltcup-Geschichte.

Vor seinem Heimpublikum auf dem Lauberhorn in Wengen hat Cuche nie gewonnen, die Streif hingegen wird zum Hausberg für ihn. "Es ist schwer zu erklären, warum es hier so gut läuft. Eine Sache ist sicher, dass ich hier noch nie gestürzt bin. Ich will nicht überlegen, wie es ist, wenn man stürzt und hier wieder an den Start geht. Ich überschreite auch das Limit nicht, ich bewege mich sehr nahe ran, aber in meinem Alter habe ich viel Erfahrung und weiß, wo mein Limit ist, was ich tun kann." Es war der erste Saisonsieg für Cuche, der eine Zeit brauchen werde, um zu realisieren, dass er nun als Kitz-Abfahrtsrekordsieger mit Franz Klammer genannt wird.

"Kitzbühel ist einfach zehnfach mehr, intensiver, emotionaler. Auch die Nervosität am Start ist zehnmal mehr als bei anderen Rennen. Das macht die ganze Sache einfach sehr speziell", erklärte Cuche. Nach dem Sturz von Hans Grugger am Donnerstag und den ersten Informationen, dass dieser um sein Leben kämpfe, sei die Sorge groß gewesen. Mit der Nachricht am Samstag, dass der Verunfallte zwei Nächte gut überstanden habe, sei es etwas leichter gewesen, das wegzustecken. "Ich bin jetzt seit 1995 in Kitzbühel. Jedes Jahr gibt es ein, zwei, die sehr schlimm stürzen. Als Athlet muss man sich einfach auf seine Sache konzentrieren und die harte Schale anlegen, sonst darf man nicht an den Start gehen, wenn man Angst hat und weiche Beine bekommt."

Er selbst glaubt, dass es im alpinen Skisport in punkto Sicherheit in die richtige Richtung geht. "Ich habe heute zum Beispiel gute Erfahrung gemacht mit ein, zwei Personen, die auf der Strecke gearbeitet haben. Zum Beispiel beim Sprung Ausfahrt Traverse, da war noch ein bisschen eine Nase, da haben sie ganz einfach ein bisschen was weggenommen. Die Leute nehmen Rücksicht auf das, was die Athleten sagen." Was man auf der Streif noch ändern könne, wisse er nicht, aber in Wengen sollte man vielleicht überlegen, die Stelle beim Brüggli-S zu verbreitern, um Sturzraum zu bieten.

Routinier Cuche kann sich noch gut an sein erstes Mal auf der Streif erinnern. "Ich fühlte mich wie ein Sieger - mit achteinhalb Sekunden Rückstand im Training. Ich war total kaputt und fertig am Start. Ich musste mich überwinden, dass ich aus dem Starthaus gehe und nicht wieder die Gondel runter nehme." Das waren die Anfänge, denen 1998, 2008, 2010 und 2011 Siege folgen sollten.

Wie Mitte 30 fühle sich Cuche nicht, sondern ab und zu wie ein 20-jähriger Bub, vor allem im Kopf, erzählte er. "Aber spätestens morgen früh, wenn ich aufstehe, merke ich, dass ich nicht mehr zwanzig bin."

Wie lange er noch fahren werde, das könne er noch nicht sagen. "Wenn ich es am Saisonende nicht weiß, dann mache ich mit dem Training weiter. Und wenn ich es im Herbst immer noch nicht weiß, dann fahre ich die Saison durch." Doch zuerst kommt die WM im Februar in Garmisch-Partenkirchen: "Ich fühle mich gut, ich fahre auch gut Ski. Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich gewonnen habe. Ich hoffe, dass ich einen positiven Schwung mitnehmen kann in diese zwei, drei Wochen in Garmisch."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel