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Kostelic versöhnte sich auch wieder mit der FIS © APA (Techt)

Hahnenkammsieger ist Ivica Kostelic schon 2010 geworden, allerdings fuhr der kroatische Skistar vor einem Jahr im zweiten

Hahnenkammsieger ist Ivica Kostelic schon 2010 geworden, allerdings fuhr der kroatische Skistar vor einem Jahr im zweiten Slalom-Durchgang nur mit 60 Prozent, wurde im Spezialbewerb Siebenter. Heuer hat der 31-Jährige den Gedanken, dass er in einem Lauf eigentlich zwei Rennen bestreitet, aus seinem Kopf verbannt.

"Ich konnte die Kombination blockieren, das ist mir erstmals gelungen, seit ich Rennen fahre. Ich habe im Slalom attackiert. Das war ein Sieg in meinem Kopf, deshalb ist das heute auch so speziell", betonte Kostelic. Mit dem Gewinn der klassischen Kombination und dem zweiten Platz im Slalom hinter dem Franzosen Jean-Baptiste Grange hat Kostelic erreicht, was er sich vorgenommen hat: Spitzenplätze in beiden Bewerben.

Im Gesamtweltcup liegt er komfortabel voran, der Schweizer Silvan Zurbriggen hat als Zweiter schon 401 Punkte Rückstand. "Das war ein sehr wichtiger Schritt, ich bin in einer sehr guten Position. Die anderen werden sich sehr bemühen müssen, wenn sie weiter vor kommen wollen. Das Wichtigste für mich ist, gesundzubleiben. Dann kann ich an der Spitze bleiben."

Für Kostelic war Kitzbühel das größte Wochenende (Freitag bis Sonntag) seiner Karriere. Er hatte nicht geglaubt, Wengen noch toppen zu können (Slalom- und Super-Kombisieg, Abfahrts-Zwölfter), aber mit dem Super-G-Erfolg habe er einen nicht erwarteten Bonus eingefahren. Von den elf Jänner-Rennen hat Kostelic sechs gewonnen, acht Mal war er auf dem Podest und stockte sein Weltcuppunkte-Konto von 179 um 851 auf 1.030 Punkte auf. Im Slalom am Sonntag in Kitzbühel kämpfte er großteils gegen Slalomspezialisten um das Podest - und zeigte keine Ermüdungserscheinungen: "Alle anderen attackieren wie verrückt für dieses eine Rennen in der ganzen Woche. Sie riskieren alles."

Nach einem ersten Gespräch mit FIS-Renndirektor Günter Hujara sind auch die Wogen in der Diskussion um getätigte oder nicht getätigte Aussagen wieder geglättet. Hujara hatte am Samstagabend erklärt, dass man den Wortlaut von Aussagen von Kostelic überprüfen werde, als Sanktion stünden Geldstrafe wegen unsportlichen Verhaltens sowie eine Ermittlung im Raum. Hujara trat am Sonntag nach dem Slalom an den Athleten heran und teilte laut Kostelic mit, dass die FIS wohl nichts so Kontroversielles in den Aussagen gefunden habe, man wolle aber nochmals reden.

"Es war sehr fair von Günter, dass er erst nach dem Rennen zu mir gekommen ist und mich vorher nicht in der Konzentration stören wollte", erklärte Kostelic, der aber auch anfügte: "Aber es ist ein Basis-Menschenrecht laut zu sprechen. Das ist ein Grundstein der menschlichen Zivilisation, dass wir sagen, was wir meinen. Wenn jemand dagegen ist, haben wir ein Problem."

Er rede aber nicht nur über schlechte Dinge, sondern sage auch Positives. So zum Beispiel sei die Abfahrtspiste im Rennen viel besser gewesen als im Training ("Was immer sie getan haben damit, es war gut"), und auch in Sicherheitsfragen seien schon große Schritte gemacht. Und die Kommunikation zwischen Rennleiter und Läufern sei viel besser geworden. Kostelic kommt aber auch mit der Streif mittlerweile sehr gut zurecht, wie Platz elf in der Abfahrt zeigt. Der Respekt bleibt: "Wenn man im Ziel der Streif ist, dann ist das Leben viel leichter."

Der Kitzbüheler Ski Club hat Kostelic jedenfalls in sein Herz geschlossen, ist der Kroate doch ein großer Befürworter der klassischen Kombination, wie sie nur noch in der Gamsstadt ausgetragen wird. Kommendes Jahr soll es am Freitag statt des Super-G eine Super-Kombi und für den Hahnenkammsieger keine Weltcuppunkte mehr geben. "Wenn du die volle Abfahrt und den vollen Slalom runterkommst und deine Zeit siehst, das ist die Wahrheit deines Skifahrens. Alles andere ist Tralala", meinte Kostelic.

Er wünscht sich, dass die klassische Kombination in Kitzbühel erhalten bleibt ("Wir haben 70 Jahre Tradition und gehen nun darüber hinweg?") und auch in Wengen wieder eingeführt wird. "Sie abzuschaffen wäre, wie wenn jemand sagen würde: 'Monaco ist kein guter Formel-1-Kurs. Wir wollen die Formel 1 dort nicht mehr.' Wie kann jemand auch nur darüber nachdenken?"

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