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Jean-Baptiste Grange durfte sich über Sieg freuen © APA (Hochmuth)

Jean-Baptiste Grange als erster Franzose und achter Läufer insgesamt Sieger in Schladming, Schweden als Slalom-Großmacht. Für

Jean-Baptiste Grange als erster Franzose und achter Läufer insgesamt Sieger in Schladming, Schweden als Slalom-Großmacht. Für Österreichs Asse hingegen brachte ausgerechnet die 15. Auflage des Schladminger "Nightrace" mit Benjamin Raich als 9. die bitterste Slalom-Schlappe seit über drei Jahren. Knapp drei Wochen vor dem WM-Slalom am 20. Februar in Garmisch schrillen beim ÖSV die Alarmglocken.

Eigentlich tun sie das schon seit längerem. Denn der Wettergott hat Reinfried Herbst und Co. bisher fast durchwegs im Stich gelassen. Die auf eine Saison mit "Blankeis" perfekt vorbereitetet Höflehner-Truppe muss sich ausgerechnet in den drei wichtigsten Slalom-Wochen des Jahres mit hohen Temperaturen und eher griffig-aggressiven Pisten herumschlagen.

Die Ergebnisse mit nur einem Saisonsieg durch Marcel Hirscher sprechen bisher für sich. In der Weltcup-Zwangspause soll nun zusammen mit den Skifirmen das Ruder doch noch herumgerissen werden, denn auf kaltes Wetter zu hoffen wäre zu wenig.

Slalomchef Christian Höflehner arbeitete seinen Frust am Mittwochvormittag mit Schneeschaufeln von der Seele. "Wäre Hirscher noch zwei Tore weiter gefahren, würden wir dieses Gespräch nicht führen", seufzte der 36-jährige Workaholic, verbiss sich selbst aber jegliche Kritik. "Es gibt Gründe und ich kann sie auch nennen. Aber das sind alles Ausreden. Wir waren in Schladming einfach nicht gut genug, es tut mir leid für die Fans", sagte der Ramsauer.

Es ist freilich längst kein Geheimnis, dass Österreichs Slalom-Truppe auf aggressiven Pisten übermäßig viel riskieren muss, um im Kampf gegen die feinfühligere Konkurrenz ganz vorne zu sein. Das warme Jänner-Wetter hat deshalb speziell Herbst, Pranger und Co. getroffen. "Legt man die Ergebnisse von Zagreb, Levi, Kitzbühel, Schladming usw. nebeneinander, wird man viele Parallelen sehen", bestätigte Höflehner. "Sowohl was die Namen der Fahrer als auch die Skimarken betrifft!"

Die Saisonziele gehen nun schön langsam den Bach hinunter, die kleine Kugel ist nach 7 von 10 Rennen für Hirscher kaum noch zu holen. Besonders bitter traf es Höflehners Team in Schladming. "Beim Einfahren war noch alles perfekt. Dann kam der Neuschnee und beim Besichtigen habe ich schon nach zehn Toren gesehen, hier steht Grange in den Schnee geschrieben."

Eine Ho-Ruck-Aktion sei nicht mehr sinnvoll gewesen, selbst in den drei warmen Jänner-Wochen mit den fünf Spezial-Slaloms sei es nicht sinnvoll gewesen, alles auf den Kopf zu stellen. "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es Verhältnisse gibt, bei denen wir derzeit Spezialisten nicht das Wasser reichen können", so Höflehner. "Die Schweden etwa werden auf aggressiven Verhältnissen groß."

Hinsichtlich WM nun nur auf den Wettergott und knackiges Eis oder Frühjahrs-Schnee zu hoffen, sei natürlich zu wenig. "Niemand zipft das Ganze mehr an als uns. In Garmisch kann es eisig sein, aber auch ganz anders", ist dem Coach bewusst. "Damit ist klar, dass wir uns jetzt nur umso mehr reinhängen müssen. Am liebsten würde ich heute schon wieder auf die Planai und schauen, was los war."

Auf der Planai sollen Herbst und Co. nun auch trotzdem trainieren, aber erst kommende Woche. Der viele Neuschnee macht die Situation nicht leichter, Kritik sei aber das letzte, was ihm einfiele. "Wir hatten die beste Saisonvorbereitung, an die ich mich erinnern kann", so der Langzeit-Coach. "Das wichtigste ist, dass wir uns jetzt selbst an der Nase nehmen und noch mehr bemühen. Wir müssen bis zur WM eine Lösung finden", sagte Höflehner, dessen WM-Team mit Titelverteidiger Pranger, Herbst, Hirscher, Raich und Matt praktisch steht.

Rundum happy war dafür Grange. Der Franzose feierte nach Levi und Kitzbühel seinen dritten Saisonsieg und strahlte. "Es war eines meiner Karriere-Ziele, Kitz und Schladming zu gewinnen. Das ist alles ein Traum", sagte Grange, dem zehn Tage zuvor wegen seiner verletzten Schulter noch eine längere Pause gedroht hatte.

Wie in Kitz stürmte er nun aber auch in Schladming von Platz vier noch zum Sieg und neckte, auf die veränderte Piste angesprochen, die Österreicher zusätzlich. "Auf Eis bin ich ja noch stärker", so der Franzose schmunzelnd. "Aber ich habe mich angepasst, es hat funktioniert!" Ob er nun WM-Favorit sei? "Ich hoffe es. Ob es wahr war, wird man dann im Ziel sehen."

Die vom Österreicher Marco Pfeifer trainierten Schweden Andre Myhrer und Mattias Hargin bejubelten ihre Podestplätze sowie vier Läufer in den Top-7. "Letztes Jahr war das hier in Schladming ohnehin mehr Hockey als Alpinskifahren", so Hargin.

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