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Daxbacher hat mit der Austria einiges vor © APA (Parigger)

Noch eine knappe Woche lang muss Karl Daxbacher die Frühjahrs-Vorbereitung der Austria auf Krücken leiten. Die Nachwehen der

Noch eine knappe Woche lang muss Karl Daxbacher die Frühjahrs-Vorbereitung der Austria auf Krücken leiten. Die Nachwehen der Hüftoperation sind für den Coach allerdings vernachlässigbar, schließlich legte seine Mannschaft eine ansprechende Herbstsaison hin und hat als Vierter mit fünf Punkten Rückstand auf Ried seriöse Titelchancen.

Mit der APA - Austria Presse Agentur sprach Daxbacher im Trainingscamp in Lara nahe Antalya über seinen persönlichen Stil, die Bedeutung eines möglichen Titelgewinns und die Gefahr eines Zerfalls des aktuellen Teams.

APA: Wie würden Sie Ihre Trainerphilosophie beschreiben?

Daxbacher: "Konsequent, demokratisch und authentisch. Die Konzentration gilt dem Passspiel, möglichst wenigen Ballberührungen vor der Abgabe und ganzheitlichem Training. Das heißt, dass Technik, Taktik und Kondition mit dem Ball erarbeitet werden sollen. Von stupidem Rundenlaufen halte ich nichts. Dafür überlege ich immer wieder, welche Spielform uns weiter bringen und die Kreativität fördern könnte. Das habe ich aus meiner Zeit als Spieler mitgenommen. Wir waren damals die Mannschaft, die am meisten mit dem Ball gearbeitet hat. Dadurch sind wir immer besser geworden."

APA: Im Gegensatz zu Trainern von anderen Titelanwärtern gelten Sie als ruhiger und zurückhaltender Coach. Stimmt diese Einschätzung?

Daxbacher: "Ich versuche, zumindest nach außen hin immer die Fassung zu bewahren, bin nicht himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt und will alles mit Vernunft und nicht mit Emotion angehen. In der Emotion übersieht man viel. Wenn man gelassen bleibt, behält man den Überblick. Ich bin kein großer Ankündiger oder Marktschreier, sondern will den Spielern das Gefühl geben, dass sie Fehler machen dürfen und selbstbewusst spielen können, ohne dass sie zu befürchten haben, dass draußen einer tobt."

APA: Wie sieht es mit Ihrer Gelassenheit aus, wenn Sie von der Streichung Ihrer Prämien im Frühjahr lesen?

Daxbacher: "Das stimmt überhaupt nicht, daher regt es mich auch nicht auf. Wenn wir Meister werden gibt es eine Prämie für mich, genauso wie es eine Punkteprämie für mich gibt."

APA: Ist es realistisch, dass die Austria nach der Saison Meisterprämien ausbezahlt?

Daxbacher: "Salzburg ist nach wie vor Favorit, auch wenn Ried überraschend Erster ist. Wir haben zu wenig Punkte gemacht, das ist Fakt, genauso wie bei Rapid. Doch wenn alle von uns einen Schritt nach vorne machen, besteht die Möglichkeit, am Ende Meister zu werden. Es attestieren uns zwar viele, dass wir den attraktivsten Fußball spielen, aber letztlich zählen Punkte und Effektivität, und da hängen wir hinten nach."

APA: Wäre ein Meistertitel in dieser Saison mehr wert als jene in der Zeit von Frank Stronach, als ein viel größeres Budget zur Verfügung stand?

Daxbacher: "Zweifellos. Die Austria war unter Stronach das, was jetzt Salzburg ist, mit für österreichische Verhältnisse fast unbegrenzten Möglichkeiten und hohen Ansprüchen. Jeder hat prophezeit, dass man sich um die Austria große Sorgen machen muss, wenn Stronach aussteigt, sowohl wirtschaftlich als auch sportlich. Das war aber nicht der Fall. Im ersten Jahr waren wir Cupsieger, im zweiten Vizemeister. Und das mit einem weit geringeren Budget, von dem auch noch die Hälfte nicht an die Mannschaft, sondern in infrastrukturelle Maßnahmen geht. Uns ist der Weg zu einer sympathischen jungen Mannschaft mit hohem Österreicher-Anteil gelungen, die attraktiven Offensivfußball spielt."

APA: Könnte ausgerechnet die offensive Spielweise ein Stolperstein im Titelkampf sein? Schließlich wurde die Austria im Herbst in einigen Partien klassisch ausgekontert.

Daxbacher: "Das Herausspielen und Verwerten von Chancen ist zu verbessern, das haben solche Spiele gezeigt. Doch unsere Philosophie bleibt gleich. Wenn ich das Gefühl habe, ich kann das Spiel bestimmen, dann werde ich versuchen, es zu bestimmen. Meiner Meinung nach haben Mannschaften, die Initiative zeigen, auf Dauer bessere Chancen, erfolgreich zu sein. Ich will mich nicht hinten reinstellen und schauen, was passiert. So möchte ich eine Austria-Mannschaft nicht spielen lassen, außerdem würde mir das fast nicht verziehen werden."

APA: Aleksandar Dragovic wird die Austria im Sommer verlassen, andere könnten folgen - befürchten Sie einen Zerfall des aktuellen Teams?

Daxbacher: "Nein, auch wenn es sein kann, dass Leistungsträger gehen. Doch mit so einer Situation müssen sich in Österreich alle außer Salzburg abfinden. Wenn es einen guten Spieler gibt, wird man versuchen, durch ihn das Budget zu finanzieren und zu sanieren. Damit muss man als Trainer leben können. Wenn ich jedes Mal in Selbstmitleid zerfließe, sobald ein guter Spieler weggeht, bin ich fehl am Platz."

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