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Nacho fühlt sich in Ried pudelwohl © APA (rubra)

Österreichs Bundesliga wird immer mehr zum Tummelplatz für Spieler aus dem Land des Welt- und Europameisters. Das spanische

Österreichs Bundesliga wird immer mehr zum Tummelplatz für Spieler aus dem Land des Welt- und Europameisters. Das spanische Trio Nacho, Carril und Guillem trug maßgeblich zur sensationellen Herbstsaison von Winterkönig SV Ried bei, Aufsteiger Wacker Innsbruck wiederum liegt auch dank Innenverteidiger Inaki Bea im gesicherten Mittelfeld und vermeldete die Verpflichtung von Landsmann Carlos Merino.

Der LASK machte sich in der Winter-Transferzeit ebenfalls auf die Suche nach spanischer Fußball-Kunst - Juan Ramon Ruano Santana, Ruben Lopez und Aridane Tenesor sollen den Linzern den Klassenerhalt sichern. Georg Zellhofer kann sich gut vorstellen, dass die Iberer dem Schlusslicht entscheidende Impulse im Abstiegskampf geben können. "Sie sind charakterlich schwer in Ordnung und haben so wie alle spanischen Profis eine Top-Ausbildung", erklärte der LASK-Trainer.

Von Integrations- oder Einstellungs-Problemen sei nichts zu bemerken. "Sie sind sofort auf die anderen Spieler zugegangen und gleich gut aufgenommen worden. Und in einem Testmatch bei einem halben Meter Schnee und minus acht Grad haben sie mit kurzen Leiberln gespielt und sind Vollgas gegangen."

Dass Legionäre aus unteren spanischen Ligen in der heimischen Meisterschaft sofort zu prägenden Figuren werden, ist für Zellhofer kein Armutszeugnis für die österreichische Bundesliga. "Viele Kicker aus der zweiten oder dritten spanischen Spielklasse haben eine Vorgeschichte. Sie hätten zwar die Qualität für die Primera Division, haben es aber aus unterschiedlichen Gründen und meistens nicht aus eigenem Verschulden nicht bis ganz oben geschafft", meinte er.

Abgesehen von ihren sportlichen Qualitäten sind spanische Spieler, sofern sie nicht gerade aus der Primera Division kommen, für heimische Clubs auch aus einem anderen Grund interessant: Sie kosten relativ wenig Geld. "Unsere drei Spanier sind uns beim Gehalt sehr entgegengekommen und billiger als die meisten Balkan-Kicker", bestätigte Zellhofer.

Die relativ dezenten Lohnforderungen der Iberer sind die Folge von wirtschaftlichen Problemen in den unteren Ligen des Weltmeister-Landes, wie Ried-Coach Paul Gludovatz betonte. "In Spanien wird es abgesehen von den Top-Clubs mit der Bezahlung immer schlechter, die Spieler sehen manchmal monatelang keinen Cent. Bei uns haben sie ihr Geld sicher", erklärte er.

Gludovatz hält sein spanisches Triumvirat für eine absolute Bereicherung. "Am meisten schätze ich an ihnen, dass sie überhaupt nicht überheblich sind. Deswegen sind sie auch so leicht integrierbar." Zu viel Lob wollte der Burgenländer aber auch nicht verteilen. "Diese drei Spieler sind nicht mehr und nicht weniger wert als jeder andere meiner Kaderspieler, und ich behandle sie auch nicht anders."

An eine bevorstehende "Spanier-Schwemme" in der Bundesliga glaubt der 64-Jährige nicht. "Es gibt eben im Moment diesen Trend. Doch es kann auch sein, dass demnächst viele von der Insel oder aus Frankreich kommen."

Selbst wenn ihre Community nicht größer werden sollte - zumindest jene Spanier, die schon in Österreich kicken, wollen ihre Wahlheimat nicht so schnell wieder verlassen. "Ich möchte noch lange hier spielen und könnte mir sogar vorstellen, überhaupt in Österreich zu bleiben. Aber meine Frau will wieder zurück", schmunzelte Carril.

Auch sein Landsmann Nacho, der mit seinem Wechsel nach Ried vor zweieinhalb Jahren die spanische Vorhut bildete, fühlt sich nach eigenen Angaben pudelwohl in Österreich. Selbst die harten Winter in der Alpenrepublik machen dem Stürmer nichts aus. "Ein bisschen mehr laufen und fertig", lautet sein Rezept gegen die Kälte.

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