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Ivica Kostelic mit seiner Schwester Janica © APA (epa)

Klein aber fein ist die kroatische Alpinskimannschaft immer schon gewesen. Und im Mittelpunkt steht stets die Familie Kostelic.

Klein aber fein ist die kroatische Alpinskimannschaft immer schon gewesen. Und im Mittelpunkt steht stets die Familie Kostelic. Fünf Jahre nachdem Schwester Janica ihren dritten und letzten Gesamtsieg gefeiert hat, greift nun der ältere Bruder Ivica mit 31 Jahren erstmals nach der großen Kristallkugel.

Die Geschichte der Kostelic-Familie ist einzigartig. 1998 waren sie erstmals im Skiweltcup aufgetaucht. Begleitet von Geschichten über rigorose Trainingsmethoden unter Vater Ante Kostelic, einem ehemaligen Handballer. Die damals erst 16-jährige Janica startete von Beginn an durch wie eine Rakete, der Rest ist Geschichte. Drei Kristallkugeln, fünf Weltmeistertitel und vier Olympia-Goldene machten sie zur kroatischen Nationalheldin.

Ivica hingegen hinkte stets hinterher. Erst lange nach seiner Schwester gewann er sein erstes Weltcuprennen (mit Startnummer 64). Aber selbst nach Erfolgen wie dem Slalom-Weltmeistertitel 2003 verhinderten immer wieder Knieverletzungen, dass er aus dem Schatten seiner berühmten Schwester treten konnte.

Im Frühjahr 2007 trat Janica nach einer einjährigen Auszeit mit nur 25 Jahren zurück, Verletzungen und Krankheiten hatten ihren Tribut gefordert. Seitdem unterstützt sie ihren Bruder vorbehaltlos. Hatte sie selbst Rennen in allen Disziplinen gewonnen, setzt Ivica mittlerweile aber vor allem auf die von vielen ungeliebte (Super-)Kombinationen.

Deshalb trainiert der Hobby-Gitarrist und leidenschaftliche Taucher aus Zagreb einzigartige Umfänge. Der Erfolg gibt ihm recht. Zwei seiner drei Olympia-Silbermedaillen holte der Fischer-Fahrer vergangenes Jahr in Vancouver, nur im Kampf um den Weltcup wurde er bis zuletzt durch Rückenprobleme gebremst. Über Platz vier kam Kostelic in der Gesamtwertung bisher nicht hinaus.

Heute wird Ivica nicht nur permanent von einem Rückenspezialisten begleitet, sondern auch von Schwester Janica. Ein Plan, der im WM-Winter 2010/11 endlich aufzugehen scheint. Vater Ante ist zwar weiterhin für Training und Organisation zuständig, aber Janica versorgt Ivica bei den Rennen mit Tipps und Tricks, ist auch seine Herz- und Seelentrösterin. Niemand weiß besser als die Schwester, wie man mit Schmerzen und Rückschlägen umgeht.

Und es funktioniert. Zum Jahreswechsel noch abgeschlagener Elfter, hat Kostelic in den 14 Jänner-Rennen sieben Siege gefert, 999 Punkte geholt und einen Großteil seiner bisherigen 300.000 Euro Preisgeld verdient. In Kitzbühel gewann der einstige Slalom-Spezialist erstmals sogar einen Super-G, nach 25 Rennen hat er bereits 475 Punkte Vorsprung auf den Schweizer Silvan Zurbriggen.

"Nur Champions können Champions machen", erklärte Kostelic kürzlich in einem Interview für die FIS, warum ihm die Hilfe seiner Schwester wichtiger ist, als alles andere. "Sie hat den entscheidenden Blickwinkel auf bestimmte Dinge, die nur ein großer Champ hat."

Dass sich die beiden seit Kindheitstagen gemeinsam auf Skiern bewegen, hilft natürlich. "Sie kennt mich so gut, dass sie manchmal besser weiß was für mich gut ist und was nicht", erklärte Ivica. "Sie ist so positiv, aber gleichzeitig auch realistisch."

Laut Janica braucht es für die Kommunikation zwischen Bruder und Schwester bisweilen nicht einmal mehr Worte. "Wir fahren gemeinsam Ski, seit wir gehen können. Ich brauche ihn nur anzuschauen und weiß, wie es ihm geht und was er braucht", erklärte die Schwester. Und da sei weniger oft mehr. "Ivica ist ein großer Philiosoph. Bekommt er zu viel Information, denkt er zu viel nach und es wird kompliziert."

Bleibt nur die Frage, wie Kostelic dieses einzigartige Mammutprogramm verkraftet. Selbst Asse wie Benjamin Raich, Bode Miller oder Carlo Janka legten vor der WM eine Rennpause ein, während der eisenharte Kroate weiter Rennen um Rennen fährt. "Er muss jetzt auch mit seinen Kräften haushalten", warnte deshalb Fischer-Rennchef Sigi Voglreiter.

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